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"Du bist nen süßer, kleiner, geiler Bengel!"

Durch eine Schreibblockade hält sich Autor Olly (Stuart Townsend) bereits seit Jahren mit einem gehassten Assistenzjob über Wasser, was ihn allerdings nicht rettet zu Muray (Seth Green), seinem besten Freund aus Jungendtagen, zu ziehen und fortan in dem verrufenen Londoner Stadtteil Soho zu leben.
Als Olly eine Einladung von seinem einstigen Studienkollegen James (Steve John Shepherd) zu dessen Verlobungsparty erhält, lernt er Sarah (Amy Smart) kennen. Ohne zu wissen, dass Sarah James' Verlobte ist, verliebt er sich in sie. Das Chaos ist perfekt als James Olly offeriert, dass er ihn als Trauzeugen haben möchte.

Die Romantik-Komödie "Ein Trauzeuge zum Verlieben" schlägt in die gleiche Kerbe wie andere vergleichbare Filme, die sich des Finales vor dem Altar bedienen. Regisseur Stefan Schwartz ("Kleine Fische, großes Geld!") hat gar nicht erst versucht einen noch nie dagewesenen Plot zu basteln. Stattdessen hat er einen liebenswürdigen kleinen Film geschaffen, der mit spritzigem Humor und heiterer Atmosphäre punkten kann.

Die heitere Atmosphäre gewinnt "Ein Trauzeuge zum Verlieben" insbesondere aus seiner musikalischen Untermalung und den sympathischen Figuren. Hauptfigur Olly ist keinesfalls perfekt, sein Leben läuft schon lange nicht mehr so, wie es laufen sollte. Darüber hinaus passieren ihm ständig kleine bis mittelschwere Peinlichkeiten, die ihn öffentlicher Demütigung aussetzen. In diesen Zusammenhang gehören finstere Geschichten wie das unfreiwillige Tragen von im Schritt gerissenen Damenhosen oder ein hässlicher Treppensturz vor versammelter Mannschaft. Durch diese peinlichen Situationen muss man die Figur einfach mögen. Ebenso den schrulligen Muray, für den kein "Feuer" zu heiß zu sein scheint um es nicht weiter zu entfachen oder seinen besten Freund mitten hinein zu werfen.

Obwohl die Handlung sehr vorhersehbar und überraschungsarm ausfällt, weiß sie doch zu unterhalten. Dies verdankt sie einiger ungewöhnlicher Ideen sowie der schrägen Situationskomik und dem kauzigen Humor. Die humoristische Selbstreferenz, in der Filmfan Sarah mit ihrer Freundin Becka ihre Beziehung zu James anhand eines Filmbewertungsbogens einschätzt, ist nur einer der unterhaltenden Einfälle, welcher dem Zuschauer die kitschige Welt des Spielfilms mit einem Augenzwinkern näher bringt.

Leider fällt aber auch "Ein Trauzeuge zum Verlieben" selbst nicht völligst ohne Kitsch aus. Frei nach dem Motto "Alles ist möglich“ fügen sich die Ereignisse zusammen und ergeben am Ende eine Geschichte, die von sämtlichen Stolpersteinen entfernt zu sein scheint. Die daraus resultierende Leichtigkeit entwickelt den Nebeneffekt an der Glaubwürdigkeit zu kratzen.
Weitere Details, wie die teils mangelhafte Kameraführung, fallen besonders in Nahaufnahmen oder dem visuellen missen einer gerade sprechenden Person negativ auf.

Der Ire Stuart Townsend ("Königin der Verdammten") kann Ollys verwundbare Seite eindrucksvoll porträtieren und stellt sich als richtige Besetzung für den schüchternen Autor heraus. Neben ihm sticht Seth Green ("Austin Powers"-Reihe) hervor, der seine Erfahrung im Sektor der Komödien stets vermitteln kann. Ein wenig blass dagegen sind die Vorstellungen von Amy Smart ("Crank"-Reihe, "Butterfly Effect") sowie Steve John Shepherd, die von der ebenfalls mit Erfahrung im Genre geprägten aber weniger sichtbaren Kate Ashfield ("Shaun of the Dead") getoppt wird.

"Ein Trauzeuge zum Verlieben" ist eine überaschend frische Romantik-Komödie. Trotz der überraschungsarmen Handlung, technischen Mängeln und den üblichen Klischees kann der Feel Good Movie durch bodenständigen Humor unterhalten und überzeugt mit Momenten die berühren. Mehr Mut zu Innovation wäre aber dennoch nötig gewesen damit der Film nicht in der vielzähligen Konkurrenz untergeht.

7 / 10

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