Review
von Leimbacher-Mario
Völlig losgelöst, von der Erde
Oft haben sich in den 80s nach dem enormen Erfolg von „Mad Max“ die Italiener in ihre Sandkästen und Schrottdünen gestürzt und mit Billigheimern selten Klassiker geschaffen, aber oft genug gut Kohle in den Bahnhofskinos dieser Welt geschäffelt. Dass auch andere Länder in diese Nische stoßen konnten und wollten, zeigt „Defcon-4“ aus Kanada. In der gesund-günstigen Mischung aus „Das Arche Noah-Prinzip“ und „The Road Warrior“ folgen wir ein paar Astronauten in einer „futuristischen“ Weltraumstation, die eigentlich Dinge wie den dritten Weltkrieg und den atomaren Holocaust verhindern soll. Doch als sich plötzlich die Atompilze über der Erde verteilen, der Kapitän katastrophal entscheidet und die Station einige Wochen später auch noch in einer abgelegenen Gegend abstürzt, finden die Überlebenden eine Welt vor, die nur noch wenig mit der ihnen bekannten zu tun hat und die beherrscht wird von militanten Gruppen und missgestalteten, aggressiven Mutanten...
„Defcon-4“ ist wie die Inhaltsangabe andeutet ziemlich zweigeteilt. Obwohl das erste Drittel im All doch sehr spärlich daherkommt, aber immerhin ein wenig Atmosphäre und verlorene Stimmung heraufbeschwört. Die Endzeitaction mit leichten Horroranklängen dann auf der zerstörten, dezimierten Erde hat dann ebenfalls Licht und Schatten. Dinge wie der „Panzerbagger“ oder die Bilder der nuklearen Explosionen brennen sich ein, ebenso einige süß zusammengeschusterte Kostüme (die mich etwas an „The Walking Dead“ ohne Budget erinnert haben) und gorige Puppen. Der Score hat seine Momente und den Film auf der Arrow-Blu-Ray in vollster Pracht und Schärfe zu sehen, hat was, selbst wenn das Bild für solche C-Movies dann manchmal fast schon zu gut erscheint. Aber ich nehme es gerne. Eher negativ bleiben der wenig heroische Protagonist, eine oft seltsam hektische Szenenabfolge und ein letztes Drittel, das gar nicht mehr versucht all seine Mängel und Schwächen und (nicht nur budgetäre) Lücken zu kaschieren. Hintenraus fällt das blutige Abenteuer förmlich in sich zusammen und ist kaum noch ernst zu nehmen, schwer zu folgen und wenig interessant. Von den geschrieben Infos zu Beginn und vor'm Abspann ganz zu schweigen. Insgesamt kann ich mit dieser trashig-sympathischen Kanada-Postapokalypse aber dennoch leben - selbst wenn es mal wieder ein klassischer Fall von „Da ist das Poster aber einseitig zu geil für!“ ist.
Fazit: nicht nur die Italiener hatten postapokalyptische Sandkastenschlachten... „Defcon-4“ ist ein kanadischer Billigheimer und Endzeitler mit dem Herz am richtigen Fleck. Nicht besonders - weder in die eine noch in die andere Richtung.