Review

Dieser Film erweckt unweigerlich Erinnerungen an eine Zeichentrickserie über die Welt der Insekten, die seit den 70ern Millionen von Kinder verfolgten. So richtet sich „Erik im Land der Insekten“ auch vorwiegend an die etwas jüngeren unter uns, sprich Grundschulalter.

Der 10-jährige Erik Pusteblume hat´s nicht gerade leicht: Erst stirbt der Vater, dann wird seine geheime Liebe zu einer Mitschülerin bekannt und obendrein hat er nur einen Tag Zeit, sein Referat über Insekten fertig zu stellen.
Doch zum Glück übernachtet Erik bei seinem Opa, der auf dem Dachboden ein altes Gemälde stehen hat, dessen Motiv eine Wiese mit vielen Insekten ist. Kurzerhand wird er von seiner Ur-Uroma auf Insektengröße geschrumpft und taucht in die lebendig gewordene Welt des Gemäldes ein.

So begegnet Erik in der Welt „Wollewei“ einer golfspielenden Wespe, macht Zwischenstation in einem Schneckenhaushotel, trifft auf Käfer, Stechmücken und Spinne, um letztlich per Holzwurm durch den Bilderrahmen wieder in die Realität zu gelangen.
An die Darstellung der Insekten muß man sich (zumindest als Erwachsener) jedoch erstmal gewöhnen. Menschen mit Kostüm verleihen den Kleintieren ihre Präsenz. Dabei lassen sich die Spezies fast nur aufgrund verschiedener Farben auseinander halten, da sich die Kostüme stark ähneln. Zumindest war mir nicht sofort klar, dass es sich beim Taxifahrer um eine Hummel handeln sollte und auch die Stechmückenfrau musste erst beim Namen genannt werden. Die meiste Zeit fühlt man sich wie in einem Theaterstück mit netter Kulisse aber schlechten Kostümen.

Dies ist leider nicht der einzige Schwachpunkt des Streifens, denn man hat den Waldemar Bonsels Stoff um „Die Biene Maja“ gut studiert und somit auch stereotype Einordnungen übernommen: Die Spinne ist grundlegend böse, die Ameisen marschieren nach Kommando und der Regenwurm ist weise.
Zwar gebührt dem didaktischen Anspruch dahinter eine gewisse Anerkennung, doch allzu viel werden Kinder aus diesem Fantasyausflug nicht mitnehmen. Zu statisch und monoton gestalten sich die entomologischen Ausführungen Eriks, wenn er aus seinem mitgebrachten Insektenbuch vorliest und häufig auch noch die lateinischen Bezeichnungen erwähnt.

Nett verpackt ist das Ganze schon und Kinder werden gewiss ihren Spaß haben, aber ganz ausgereift wirkt der Streifen am Ende nicht. So wirken diverse, fast erotische Anspielungen doch derbe fehlplaziert. Wenn Erik behauptet, einen kleinen Stachel in der Hose zu haben, was der Herr Wespe mit einem raschen Blick und leichtem Kichern zur Kenntnis nimmt und sich wenig später eine Stechmückendame geradezu wollüstig an Erik ranmacht, hat das schon einen merkwürdigen Beigeschmack.

Bis auf diesen Punkt eckt der Film aber nicht weiter an und kommt mit sympathischen Darstellern und einer halbwegs flotten Erzählweise so über die Runden.
„Die Biene Maja“ ziehe ich als mediendidaktischen Stoff aber immer noch vor.
6 von 10 Punkten

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