Django wird beim Goldsuchen gestört und vom frechen Botschafter zurück in seine Heimatstadt berufen. Dort findet er nicht nur heraus, dass sein Bruder dem Alkohol verfallen ist, sondern auch, dass der korrupte Scott zusammen mit seinem sadistischen Sohn Junior ein Terrorregime installiert hat, das die braven Bürger in Angst und Schrecken versetzt. Natürlich geht das nicht lange gut...
Wir schreiben das Jahr 1966 und der heutige Altmeister Fulci ist weder alt noch Meister und leistet seinen Beitrag zur Django-Welle. Der italienische Originaltitel übersetzt sich übrigens zu „Zeit des Massakers“, was natürlich die kontemporären Italo-Expoitationfans ansprechen dürfte. Aber wie schlägt sich Fulci in diesem frühen Western?
Zunächst einmal muss eingeräumt werden, dass es in „Massacre Time“ gar nicht mal so viel Massaker gibt. Nachdem wir mit den Gegebenheiten der Westernstadt vertraut gemacht wurden, dümpelt vieles eher vor sich hin. Obwohl die Charaktere solide eingeführt werden, und gerade der absolut enthemmte Junior gekonnt als Ekelpaket etabliert wird, vermisst man doch für ein Minütchen zu viel den gewissen Drive und ein Gefühl von sich steigernder Spannung. Natürlich hatte der damalige Konsument wohl noch andere Sehgewohnheiten als der derzeitige ADHS Mensch, aber da hat man dem jungen Altmeister doch mehr zugetraut.
Die Handlung selbst ist ganz solide und verläuft nach klassischer schwarz-weiß Zeichnung. Die guten, einfachen Leute werden vom personifizierten Böse in Gestalt der Kleinfamilie Scott geknechtet und der Lonesome Ranger bringt Leben in die Bude und gibt den befreienden Krieger für Recht und Ordnung. Hier hält die Story noch den ein oder anderen mittelgroßen Twist bereit, den dieser Reviewer so auch nicht kommen gesehen hat. Bonuspunkte dafür!
Einige knackige Actionszenen gibt es auch, obwohl diese keinesfalls überwiegen und den zuvor angesprochenen Leerlauf leider zu selten unterbrechen. Zwischen dem alkoholkranken Bruder und den Schergen des Patriarchen gibt es eine old schoolige Kneipenschlägerei, ab und an einige feige Attentate gegen die guten Menschen der Stadt. Gerade hier empfindet man durchaus Mitgefühl und kann es kaum erwarten zu sehen, wie der böse Junior eins auf die Mütze bekommt. Im letzten Drittel mehren sich dann auch endlich die heißgeliebten Shootouts. Einerseits gibt es da verdammt cool inszenierte Ballereien zu Pferde, andererseits ist da der große Showdown. Dieser ist wirklich lange ausgefallen und bildet fast schon eine kleine, westernisierte Lightversion „A Better Tomorrow 2“. Da fließt dann auch mal der ein oder andere Tropfen Blut aus dem Einschußloch und ein bisschen Massacre kommt nach sehr viel Warte-time doch noch auf (man entschuldige den Kalauer).
Fazit: „Massacre Time“ ist gut für zwischendurch, kann aber nicht oben mitspielen. Grund dafür ist einerseits ein wenig verschenktes Potential, andererseits aber vor allem der lange Leerlauf im Mittelteil, den Fulci einfach nicht sinnvoll füllt. „Django“ schlägt sich nicht schlecht und legt auch ein starkes letztes Drittel hin, in dem der Revolver konstant raucht, aber es bleibt leider dennoch ein konstantes Gefühl von: „Da wäre doch mehr drin gewesen“. Dennoch: solide Westernkost (wenn auch mit Abstrichen).