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„Hier herrscht weder Recht noch Gesetz. Hier gibt es nur Korruption, Gewalt und Intrigen. Hier werden Morde nicht aufgeklärt, hier lebt jeder in Angst.“

Eigentlich noch vor Sergio Corbuccis Meisterstück „Django“ entstanden, wurde der erste Western des Italo-Regisseurs Ferdinando Baldi („Blindman – Der Vollstrecker“) aus dem Jahre 1966 erst nach dem Erfolg von Corbuccis Film in Deutschland aufgeführt und von „Texas addio“, so der Originaltitel, in „Django 2“ bzw. „Django, der Rächer“ umbenannt, um auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen. Ausschlaggebend hierfür war sicherlich auch, dass Franco Nero in beiden Filmen die Hauptrolle spielt.

Django (im Original Burt) Sullivan ist ein gerechter texanischer Sheriff, der nach langen Jahren den Entschluss fasst, nach Mexiko zu gehen, um den Tod seines Vaters zu rächen. Dieser wurde seinerzeit von Cisco Delgado (José Suárez, „Seine Kugeln pfeifen das Todeslied“) erschossen, der mittlerweile zu einem ebenso reichen wie grausamen Großgrundbesitzer geworden ist, der seine Arbeiter wie Sklaven ausbeutet und mithilfe seiner schießwütigen Männer ein Schreckensregime errichtet hat. Widerwillig erlaubt Django seinem jugendlichen Bruder Jim (Alberto Dell'Acqua, „Töte alle und kehr allein zurück“), ihn zu begleiten. Ziel seiner Rache ist die Verhaftung Delgados, um ihn nach Texas zu bringen und vor ein Gericht zu stellen.

Seinen genrekonformen Racheplot baute Baldi laut eigener Aussage nach dem Vorbild einer griechischen Tragödie auf, was deutlich zum Tragen kommt, als Django endlich bis in Delgados private Gemächer vorgedrungen ist. Zunächst einmal beginnt „Django, der Rächer“ aber auf irritierende Weise wie ein kitschiger US-Western, der mehr verklärender Heimatfilm als alles andere ist. Hierzu passt auch das Bild Mexikos, das Baldi seinen Zuschauer präsentiert: Sobald Django und Jim die Grenze überschritten haben, müssen sie sich gegen unmenschliche Banditen behaupten und werden Zeuge zahlreicher Gräuel, wie sie sie vom idealisierten Zuhause nicht kennen, so dass das Schießeisen häufig zum Einsatz kommt. Ein Menschenleben scheint nicht viel wert zu sein im Land der Kakteen und Sombreros und gezwungenermaßen muss sich Django dem grassierenden Zynismus anpassen. Baldi symbolisiert dies, indem er Django seinen Sheriffstern abnehmen lässt.

Andererseits bietet dieses Ambiente nun endlich reichlich Raum für die typischen Italo-Western-Charakteristika, wobei Django aber nie gänzlich zum abgeklärten Anti-Helden mutiert. Man lässt ihn sich von seinem ehrbaren Unterfangen, Delgado nicht hinzurichten, sondern Richtern vorzuführen, nicht abbringen, allen Widerständen zum Trotz. Damit wirkt „Django, der Rächer“ trotz aller unerbittlicher Härte wie ein Hybrid aus klassischen Westernmotiven und der pessimistischen Weltsicht herausragender europäischer Genreproduktionen.

Zweifelsohne sind es gerade die italienischen Momente, die zu gefallen wissen. Die kompromisslose Grausamkeit der reichen und mächtigen Herren und ihrer Handlanger in einer verrohten Gesellschaft wird konsequent ungeschönt gezeigt, Baldi beweist ein gutes Händchen für derartige Szenen. Die Kampfszenen bei vollem Körperkontakt wurden sehr ansprechend choreographiert, auf Albernheiten verzichtet und manch brutaler Moment erinnerungswürdig inszeniert. Dass der Heranwachsende Jim ausgerechnet durch das Erschießen eines Gegners zum Mann zu werden scheint, ist der zynische Kommentar zu einem Umfeld, das ein behütetes Aufwachsen nicht erlaubt.

Auf der anderen Seite galoppiert „Django, der Rächer“ nicht dramaturgisch stringent auf sein Finale zu, sondern gerät dann und wann ins Holpern, wenn er manchen Charakter sich arg schnell wandeln, sich in anderen Momenten aber unproportional viel Zeit lässt und gegen Ende gar die Handlung um einen revolutionären Aufstand ergänzt, der ein bisschen so wirkt, als wäre er in erster Linie Aufhänger für eine zünftige Massenschießerei gewesen. Atmosphärisch reicht der Film nicht an die großen Namen des Genres heran, lange Zeit bleibt er distanziert und emotional oberflächlich. Die tragische Familienkonstellation indes, die sich herauskristallisieren wird und ich hier nicht spoilern werde, ist eine gelungene Wendung der Geschichte, die sie sowohl auf emotionaler als auch psychologischer Ebene auf ein höheres Level hievt und aus Baldis Film tatsächlich eine klassische Tragödie im staubigen Italo-Western-Gewand macht.

Franco Nero trägt durch seine Präsenz und sein Talent ebenfalls entschieden zur Qualität des Films bei; ihm zur Seite stehen zahlreiche Film-Gringos und -Mexikaner, die ausfallfrei den Ton des Films beibehalten. Kameramann Enzo Barboni, der später erfolgreich als Regisseur von Spencer/Hill-Komödien auftrat, leistet solide Arbeit. Das Titelstück, gesungen von Don Powell, ist hörenswert, pendelt aber – passend zum Film – zwischen melancholischem Pathos und Kitsch. Hätten sich die Drehbuchautoren Baldi und Rossetti um eine deutlichere Charakterzeichnung bemüht und die Figur Djangos mit etwas mehr Pepp versehen sowie den Ami-Schmonz gegen mehr knisternde Spannung getauscht, wäre bestimmt ein qualitativ höheres Ergebnis erzielt worden; insbesondere vor dem Hintergrund einer von Klassengefälle und Ausbeutung bestimmten Geschichte, die auch für Delgado die Botschaft bereithält, dass man ganz oben kaum echte Freunde hat und der Preis des gierig zusammengerafften Besitzes Isolation und Hass sind, der in die Verhältnisse durchrüttelnde Aufstände münden kann, während derer man schneller als man glaubt auf sich allein gestellt ist. Dank dieses interessanten, weil Täter zu Opfern werden lassenden Aspekts der Handlung und Neros Schauspiel gebe ich knappe 7/10 Punkte für einen Film, den ich lieber als konsequent dreckigen Italiener gesehen hätte.

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