Von „Intimacy“, einer deutsch-spanisch-britisch-französischen (puh...) Koproduktion aus dem Jahre 2001 hatte ich mir wesentlich mehr versprochen. Schließlich konnte ich nicht ahnen, dass dieses Erotikdrama in erster Linie versucht, Unspektakularität zur Tugend zu erheben. Oder ging es genau darum, mit der Erwartungshaltung des Publikums zu brechen?
Von sich reden machte der Film um einen Mann und eine Frau, gespielt von Mark Rylance und Kerry Fox, die – ohne sich näher zu kennen - sich einer exzessiven sexuellen Affäre hingeben, die darauf beschränkt bleiben soll, bis der Mann dieses ungeschriebene Gesetz bricht und mehr über seine Lustgespielin erfahren will, angeblich durch seine offensiven, expliziten Sexszenen. Es stimmt, gevögelt wird hier viel, bis auf einen ziemlich überflüssigen Moment, in dem Kerry Fox anscheinend tatsächlich an Rylances erigiertem Penis nuckelt, sind diese Szenen aber gestellt. Das besondere an den Sexszenen ist viel mehr ihr Versuch, sie möglichst realistisch erscheinen zu lassen: Beide Schauspieler sind keine blutjungen Sexbomben und die Kamera hält voll drauf, ohne zu versuchen, sonderlich erotische Bilder einzufangen. Man versucht also, Sex so darzustellen, wie er sich in der Realität abspielt. Dieses Unterfangen kann man durchaus als gelungen bezeichnen – warum man sich das ansehen sollte, sei aber mal dahingestellt.
Genau wie der Rest des in London spielenden, aber sehr französisch wirkenden Films, dessen eher laue Dramaturgie nämlich keinesfalls auf einen spektakulären Höhepunkt, eine überraschende Pointe oder dergleichen zusteuert. Stattdessen dümpelt alles in zugegebenermaßen bisweilen nettem, urbanem Ambiente so vor sich hin und die zaghaften Versuche, die beiden Hauptrollen zu charakterisieren, reichen mitnichten aus, um eine emotionale Verbindung zu ihnen aufzubauen zu können, will sagen: Sie sind und bleiben mir schnurzegal.
Als Versuch, die Realität einer solch unglücklich verlaufenden Beziehungskiste nachzuzeichnen, ist „Intimacy“ sicherlich gelungen, wenn mir auch die Zielgruppe schleierhaft ist. Als emotionales Drama um einen Mann, der plötzlich seine ebensolche Vereinsamung spürt und eine Frau, die ihn lediglich als Lustobjekt betrachtet, funktioniert er aber genauso wenig wie als erotisch-melancholische Ehrerbietung an den leidenschaftlichen Sex, losgelöst von gesellschaftlichen Konventionen.
Dank seiner handwerklich-technischen Qualitäten und des urbanen Flairs vergebe ich eine Durchschnittsnote, fühle mich aber leider in keiner Weise durch den Film angesprochen, von ihm berührt – schade, denn die eigentlich interessante Geschichte hat viel Potential geboten.