The New World
Hin und her gerissen von verschiedenen Berichterstattungen sah ich mir The New World schließlich doch noch an.
Für viele langweilig, war es für mich letztendlich eine gute Erfahrung, denn zugegebenermaßen ist ein Malick Film für mich Neuland.
Über seinen Stil lässt sich natürlich streiten, jedoch gefällt mir hin und wieder diese ruhige Art an Filmen.
Malick lässt sich die gesamten 135 Minuten sehr viel Zeit.
Jede Szene bis ins letzte ausgemalt erzählt er uns die doch eher simple Geschichte.
Die ruhige Art des Films spiegelt sich wunderbar in wunderschönen Naturaufnahmen wieder.
Malick hat ein Händchen für solche Bilder und verzichtet zum Glück völlig auf irgendwelche Spielereien, ja selbst auf künstliches Licht.
Die Geschichte von Pocahontas dürfte allseits bekannt sein, wird hier aber zusätzlich in einen kritischen Kontext gestellt.
Das von Malick gezeigte Aufeinandertreffen zweier Grundverschiedener Kulturen weiß sehr zu überzeugen und regt zudem zum nachdenken an.
Meines Erachtens ist das Thema auch heute immer noch aktuell, zwar in abgewandter Form, aber die Ausbeutung und Unterdrückung Schwächerer ist immer noch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.
Die Gegenüberstellung der zwei Völker zeigt Malick ebenfalls genial.
Die Eingeborenen leben friedlich untereinander. Neid, Hass, Gier und der weiteren sind ihnen Fremd. Die Engländer hingegen gieren nach Gold und Macht und schüren Intrigen untereinander. Genauso realistisch wie erschreckend.
Tragisch vor allem im späteren Verlauf des Films die Zivilisierung von Pocahontas.
Die Fröhlichkeit dieses jungen Mädchens für immer zerstört, muss sie sich hier ebenfalls in eine neue Welt einfinden.
Dies bringt einen natürlich zu dem Punkt über den Titel des Films nachzudenken.
Natürlich bezieht sich „New World“ in erster Linie auf das Entdecken des neuen Landes mit seinen Eigenheiten und Bewohnern.
Auch für die Menschen, in diesem Fall die Engländer, ist es etwas neues. Fernab ihrer Heimat müssen auch sie sich umstellen für eine neue Welt.
Doch noch passender ist der Titel auf Pocahontas selbst.
Ihr Leben in der freien Natur musste sie gezwungener Maßen aufgeben. Ihr wird ein weiteres Leben aufgetragen mit welchem sie sich niemals identifizieren wird, sei es noch so wertvoller in den Augen der anderen.
Erst hier wird einen schlagartig bewusst was die Kolonialisierung zum Großteil angerichtet hat. Natürlich auch ein Schlag gegen die Amerikaner, womöglich Grund des floppens an deren Kinokassen.
Die Annäherung und spätere Liebe zwischen Smith und Pocahontas sorgt dann für die nötigen fröhlichen Momente im Film.
Die Zeit scheint zu stehen und jeder Tag sollte nie vergehen.
Smith Anpassung an die Eingeborenen zeigt das es gehen kann, ohne sich zu bekriegen.
Malick zeigt hier wie eh und je in großartigen Bildern was die Liebe für ihn bedeutet.
Sie ist für ihn auch in kritischen Situationen das einzig erstrebenswerte. Ohne Liebe wären wir verloren. Doch das diese Liebe nicht von Dauer sein kann, muss uns ebenso bewusst sein, wie die Tatsache das es sich lohnt dafür gewisse Risiken einzugehen.
All dies fängt Malick wie gesagt wunderbar ein, wobei er auf Actionsequenzen fast gänzlich verzichtet.
Der kleine gezeigte Kampf ist gut und durchaus hart. Er ist zwar nicht blutig, aber auch hier wird uns wieder bewusst zu welchen Dingen wir im Stande sind.
Getragen wird der Film von seinen tollen Darstellern.
Colin Farrel zeigt eine wirklich gute Leistung und beweist das er ein guter Charakterdarsteller ist.
Der im letzten Drittel eingesetzte Bale spielt gewohnt gut und souverän auf, wirkt aber in meinen Augen schon längst unterfordert.
Die Entdeckung des Films ist aber ohne Zweifel Q'Orianka Kilcher. Sie spielt Pocahontas einfach nur fantastisch. Mit solch einer Freude, ohne Zwang und überaus natürlich.
Wirklich tolle Leistung, bei der man überhaupt nicht glauben kann das sie gerade mal 16 geworden ist.
Der Score von James Horner weiß zwar insgesamt zu gefallen und unterstreicht die gezeigten Bilder zumeist auch gut, nur wirkt er gelegentlich auch unpassend.
Man ist auch mehr von Horner gewohnt.
Malick kann man keinen Vorwurf machen.
Er bleibt seinem Stil die volle Distanz konsequent treu, was lobenswert ist.
Natürlich gewöhnungsbedürftig, aber durchaus, wenn man sich darauf einlässt, ein wunderbares filmisches Erlebnis.
Und wenn sich Pocahontas am Ende gegen Smith entscheidet und bei bleibt, bekommt man noch einmal ein Stück Hoffnung auf Glück welches nur Sekunden später so hart wieder entrissen wird das es wirklich schmerzt.
Fazit:
Wie gesagt muss man wissen worauf man sich einlässt, denn dann kann man ein, trotz der ein oder anderen Länge des Films, einen super Abend haben.
Toll gefilmt, superb gespielt, schön, ehrlich und kritisch.
Wertung aufgerundet auf 8 / 10