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1607 erreichen britische Schiffe die amerikanische Ostküste. Colin Farrell spielt einen rebellischen 27jährigen, der sich ebenfalls an Bord befindet und an Land gehängt werden soll, dann jedoch von seinem Kapitän, gespielt von Christopher Plummer, begnadigt wird. Er versucht nun zwischen den Eingeborenen und den Siedlern zu vermitteln, verliebt sich jedoch schließlich in Pocahontas, die Tochter eines Indianerhäuptlings.

Mit "Der schmale Grat" lieferte Terrence Malick bereits eine überaus gelungene Regie-Arbeit ab und überzeugte vor allem durch eine berauschende Optik, gelungene Monologe und einer, auch ansonsten handwerklich überaus unkonventionellen, aber durchaus gelungenen Inszenierung. Umso interessanter war die Frage, was er wohl aus der Thematik der Pocahontas-Legende herausholen würde und das Ergebnis ist überaus beachtlich und grenzt sich deutlich vom Mainstreamkino Hollywoods ab, weist jedoch auch einige Fehler auf.

Optisch erinnert "The New World" stark an "Der schmale Grat" und ist nahezu perfekt gelungen, besser hätten es auch Ridley Scott oder Michael Mann nicht hinbekommen. Die Landschaftsaufnahmen sind grandios und idyllisch, die neue Welt wird als herrliches Paradies dargestellt, wobei es Malick auch gelingt, die Gefahren und die Nachteile dieser surrealen Schönheit darzustellen. Die Ausstattung ist ebenfalls überaus opulent, die Maske leistet auch perfekte Arbeit und Malick setzt all dies dermaßen gekonnt in Szene, dass der Film optisch eines der besten Werke aller Zeiten ist.

Malick nutzt seine bildgewaltige Optik hervorragend aus, um zu fesseln und faszinieren zu können. Das Erzähltempo hält er langsam und ruhig, sodass die Aufnahmen und die poetischen Monologe der verschiedenen Figuren, sowie die hervorragenden Schauspielleistungen auf den Zuschauer wirken können. Und auch musikalisch ist der Film mit den getragenen, ruhigen Klängen hervorragend unterlegt und so fesselt die Machart durchaus.

Einen schwerwiegenden Fehler macht Malick dabei dennoch. Denn anfangs weiß sein Konzept noch perfekt zu unterhalten, aber im Mittelteil stellen sich zunehmend Verschleißerscheinungen ein, bis der Film seine faszinierende Wirkung auf der Zielgeraden schließlich endgültig verliert und das langsame, getragene Erzähltempo, dass anfangs noch als angenehm empfunden wurde, zu einer Tortur wird und die gesamte Dramaturgie endgültig gen null geht. Der Unterhaltungswert wird also zum Ende hin zunehmend niedriger und bei der üppigen Laufzeit von 131 stört dies dann doch erheblich.

Und auch die Story weist einige Mängel auf. Der Konflikt zwischen den ersten Siedlern und den eingeborenen Indianern wird nur tangiert und nicht einmal im Ansatz tiefer behandelt und auch ansonsten weist der Film keine historischen Fakten auf, die man nicht sowieso schon kennen würde. Die Handlung als solche basiert auf der historischen Figur der Pocahontas und deren Beziehungen zu den beiden Siedlern John Smith (Farrell) und John Rolfe (Bale), wobei der Charakter im Film bis auf den Namen nicht sonderlich viel mit dieser gemeinsam hat. Die Romanze zwischen John Smith und Pocahontas ist also eher Malicks eigene Interpretation des Stoffs, die jedoch so minimalistisch geworden ist und so wenige Wendungen enthält, dass sie kaum fesselt. Zudem ist die Charakterkonstruktion zwar solide, aber auch nicht wirklich vielschichtig, da Malick bei seinen Monologen eher auf Poesie und Ästhetik aus ist, als auf vielschichtige Ansätze, wobei das harte Leben der ersten Siedler in der neuen Welt wenigstens anfangs gelungen vermittelt wird. Zudem wirkt die Geschichte in ihrem Aufbau stellenweise relativ konfus und enttäuscht damit auf ganzer Linie.

Darstellerisch gibt es überhaupt nichts zu bemängeln. Colin Farrell, der zuvor mit "Alexander" bereits eine weitere historische Figur verkörperte, zeigt hier eine der besten Leistungen seiner Karriere und überzeugt gänzlich. Mit authentischen Gefühlsregungen lässt er die Romanze zu keinem Zeitpunkt in belanglosem Kitsch münden und hat zudem die nötige Sympathie für die Rolle. Auch Q`Orianka Kilcher überzeugt als Pocahontas, einerseits durch eine emotionale, einfühlsame Darbietung, andererseits aber auch durch ihr bildhübsches Auftreten. Der restliche Cast ist ebenfalls hervorragend besetzt, so zeigt Chrisopher Plummer eine gewohnt gute Leistung und auch Christian Bale überzeugt.

Fazit:
"The New World" ist ein berauschendes, faszinierendes, poetisches und astethisches Werk, das sich deutlich vom Maistreamkino Hollywoods abhebt und auch durch seine Darsteller überzeugt. Diese Interpretation der Pocahontas-Legende weist jedoch nur wenige vielschichtige Aspekte auf und unterhält zum Ende hin immer schlechter, da Malicks außergewöhnliche Machart schließlich Verschleißerscheinungen zeigt. Dennoch ein empfehlenswerter Kunstfilm.

64%

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