Review

Die Quereinsteigerinnen
(Sunfilm/ Tiberius Film)

Mit dem Film Die Quereinsteigerinnen liefern die Regisseure Rainer Knepperges und Christian Mrasek das ultimative Loblied auf die Unprofessionalität.Die Erfahrung aus einigen Kurzfilmen wird gekonnt in ihrem ersten Langfilm, welcher sich sympathisch allen gängigen filmischen Vorgaben widersetzt, umgesetzt. Beide Regisseure sind Teil der Kölner Gruppe, und gehören zur Avantgarde des so genannten Jungen Deutschen Kinos. In der Kölner Gruppe lebt man das Medium Film… man präsentiert alte wie neue Filme, diskutiert und schreibt über Filme, oder dreht eigene. Alleine die Homepage von Die Quereinsteigerinnen ist einen Besuch wert!Die Chauffeurin Barbara (Nina Poll, bekannt aus dem Film Antikörper) beschließt aus einer Laune heraus, den Chef eines deutschen Telefonkonzerns, Harald Winter (Regisseur Rainer Knepperges) zu entführen. Unterstützt wird sie bei diesem Vorhaben von ihrer Freundin Katja (Claudia Basrawi). Ihr Ziel ist es, durch die Entführung die Forderung stellen zu können, dass die alten gelben Telefonzellen wieder aufgestellt werden. Die Situation, die Entführer, ihr Opfer, Katjas Ex-Freund Stefan zusammen in einem abgelegenen Ferienhaus in Schleswig Holstein spitzt sich zu, als erste Gefühle füreinander aufkeimen, und die Ermittler den Nostalgikern immer näher kommen.
Der Film bietet keine gezielten Gags, sondern gibt dem Zuschauer die Chance, seine Lacher frei bei skurillen Wortduellen oder der allgemein vorhandenen Situationskomik anbringen zu können. Handlungen und Situationen liefern ein gekonntes, planlos wirkendes Understatement, jedoch wird bei genauerer Betrachtung klar, dass dies nicht nur gewollt, sondern gezielt genutzt wurde, um Botschaften und Inhalte zu transportieren. So ergibt sich durch das unglaubliche 70er Jahre Retro- Feeling eine „Wohlfühlatmosphäre“, die den Betrachter in eine Sicherheit schaukelt, wie es eben die alten Videoaufnahmen bei Familienfesten auch tun, ohne bewusst die politische und gesellschaftliche Botschaft wahrzunehmen, die durch all die, teils improvisiert wirkenden, Situationen wahrzunehmen.
Die Firma Sunfilm präsentiert Die Quereinsteigerinnen gewohnt liebevoll. Bild und Ton bieten dem Ausgangsmaterial entsprechend die besten Ergebnisse, die Aufmachung ist dem Film entsprechend, sympathisch. Im Bereich des Bonusmaterials findet man den Kurzfilm Tour Eifel der beiden Regisseure, eine Programmschau und ein interessantes Making of.
Dieser Film ist allen Nostalgikern zu empfehlen, die sich für die Erhaltung des Alten gegen das, teils sinnlose Neue, entscheiden. Auf sympathische Art zeigt er, dass man, wenn man es wirklich will, sich allen Trends widersetzen kann. Dies geschieht dabei so unverkrampft und ohne den erhobenen Zeigefinger, dass es wahrlich eine Wohltat ist!

CFS

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