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Über weite Strecken unterirdischer Genrebastard aus zumeist tearjerker - Melodram mit zwischenzeitlichen Actionszenen ebenfalls niederer Natur; als taiwanesische Produktion unter der Regie von Mo Keung-bong, dessen sonstiges Werk zwar für den Liebhaber durchweg interessante Titel, deren Verbreitung allerdings auch mit und dadurch unterstützt nahzu vollkommen out of stock Werke und so eher der Neugier und Obskurität halber als der eigentlichen Qualität mit sich bringt. Bleibt zu hoffen, dass das sonstige Prozedere von Mo, wie Magic Mod (1993), Danger of the Wedding (1993), The Gangsters (1996) und besonders Super Cops (1997, mit Yukari Oshima, Cynthia Khan, Gordon Liu und Waise Lee) nicht bloß vergleichsweise zu dem jetzigen Fall bessere Arbeiten umfasst, stellt dies wilde Katastrophenleben hier doch kaum bis keinerlei Entzücken und sonst nur schwer zugängliche Vorstellungsart dar. Weinen, Tod und Trauer, Isolierung, Verurteilung und Erniedrigung, nicht nur im Film, sondern auch filmisch selber, da die Arbeit mit diesen Affekten zur Gewohnheit und dann bald abstoßenden Entnervung wird:

Der frisch von seiner Ehefrau Chien Fu [ Ha Kwong-li ], einer diensteifrigen Polizistin, getrennt lebende Hsu Yiu-hui [ Eagle Lee ] hat das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Chuen übernommen. Dabei kümmert sich zusammen mit dessen Lehrerin Hsiu Yu auch rührend um den Kleinen, aber muss wegen seinem Job bei einer Truck Company und freiwillig getätigter Überstunden öfters auf Freizeit und Obacht verzichten. Diese Chance nutzen zwei andere Angestellte aus, die der fälschlichen Meinung sind, aus einer Entführung des sorglosen und unbeobachteten Kindes ließe sich ein hohes Lösegeld erpressen. Nachdem erste Forderungen und Übergaben der verlangten Beute scheitern, muss Hsu notgedrungen seine ehemalige Lebenspartnerin und ihren Sergeant [ Wong Goon-hung ] hinzuziehen.

Mit einem geschätzten Produktionsjahr von 1992, der Wahrheit halber aber wohl einige Jahre zuvor, eher gen späten Ende der Achtziger das Licht der überschaubaren Welt erblickt, ist der auch Sworn Enemies betitelte mit einem ganz trüben Jammermantel versehen. Dass die Gunst auf der Beziehung einer gescheiterten Kleinfamilie und dort einzeln auf erst die Vater - Sohn - Kombination und dann dem geschiedenen Ehepaar in der notgedrungenen Zusammenarbeit liegt, ist in der Theorie als durchaus ehrenwert, in der Praxis allerdings höchstens noch als ehrenhalber und in der gemeinsam ausgeführten dramatischen Erschütterung von Drehbuch, Inszenierung und Schauspiel nur noch als ehrenrührig, trotz dem sicherlich einmal berechtigten Anliegen zu sehen. Reich an und arm im Dialog, blind vor Unlogik und Begriffsstutzigkeit, ohne Teilnahme und fern jeglichen Einfühlungsvermögen der Regie wird ein bald auch das Publikum wahnsinnig machendes und nach Bewaffnung rufendes Trauerspiel entsetzlichster Weise geboten, dass mit der späten andauernden Kindesmisshandlung noch die gutmütigsten Geister vertreiben dürfte.

Optisch ist das gleichfalls besitzlos, bedürftig bis am Rande des Existenzminimums, geschnitten ohne Gespür, voll mit Anschlussfehlern, Sprüngen, völlig heruntergekommenen Rhythmus, der aus lauter zusammenhanglosen Einzelteilen und den Resten richtiger Segmente besteht. Auch dramaturgisch eine leider verelendete taiwanesische Provinzposse, die zwar mit dem schweren Los einer auseinandergegangenen Familie, dem sich rührend um den Sohn kümmernden Vater und der Auseinandersetzung der Frau in ihrer Rolle als Mutter, als Polizistin und als Ex-Ehefrau für das erwartete Metier völlig neue und durchaus auch begrüßbare Wege geht. Sich aber mit emotionaler Überstilisierung fern von Empathie und Sympathie schnell in das hohle Grab von parallel aufdringlich geäußerter Depression, Kitsch, Laienschauspiel und elender Gewalt bis hin zu einem abwegigen, in seiner Paradoxie aber schon wieder erwähnenswert konstruktiven kamikaze murder spree begibt.

Dabei ist das mit einer kleinen Handvoll alternder Martial Arts Darsteller reichlich unbekannten Namens versehen, deren Überleitung in das modern day Geschehen keine zusätzliche Reputation aus dem Eastern heraus gebracht hat, und ab der Hälfte im Grunde zumindest mit der Rachegeschichte einen Hauch solider als das Malheur zuvor bestückt. Wirkliche Auflockerung in Form von Kampfeskünsten oder anderer Action darf man dabei allerdings nicht erwarten, sind die Einsätze von Eagle Lee, der sich in beiden Bereichen und so insgesamt auch noch am Besten bewährt, zumeist auf sporadisches, anfangs geradezu unerwartetes Abgleiten in den Wahnsinn und Ausbrüchen kurzer Amokakte begrenzt. Kleine Stunteinsätze von ihm und Kollegin Ha, ehemalige Entdeckung von Lee Tso-nam und Schützling der Liu Kwang Opera Troupe, beziehen sich auf eine Kletterei über eine Häuserbalustrade und anschließende Prügelei auf einem fahrenden Transportlaster hinweg; dort und in einer vorangeschalteten Verhaftung eines Handtaschendiebes wird sich mit eher ungelenken, auch langweilig eingefangen in ebenso gleichgültiger Umgebung duelliert. Zweimal läuft auch Phillip Ko Fei mit grauen Schläfen als Gangsterboss durch das Bild, hat aber nichts zu tun, und gehört auch gar nicht richtig in die Tragödie drumherum. Eine meist wässrige, mit trostlos-ausdrucksloser Darstellungsweise verfangene Deklamation von Larmoyanz, die, wenn es nicht doch so martervoll wäre, schon parodistische Extreme erreicht. 

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