Review

Charakterstudien über Serienkiller enthalten an sich immer eine spannende Substanz, vorausgesetzt, ihr Werdegang wird psychologisch fundiert veranschaulicht und nicht wie hier mit abgegriffener Küchenpsychologie ins Leere manövriert.

Mit Hauptfigur Katie Bird geschieht dies leider nur allzu deutlich, denn auch wenn im Verlauf die existenzielle Frage „Was macht uns zu dem, was wir sind?“ aufgeworfen wird, kann sie doch zu keiner Zeit zufrieden stellend beantwortet werden.
Weder in den Phasen der Jetztzeit, in denen sie sich als erwachsene Frau über ihren Psychiater hermacht und ihn einer ausweglosen Sado-Maso-Situation aussetzt, noch während der Rückblicke, die eine junge Katie im Zusammenspiel mit ihrem geachteten Vater zeigen, der die serienmörderische Familientradition in aller Seelenruhe an sie weiter gibt, indem er sie unter kleinen Anleitungen, ihren ersten Foltermord ausführen lässt.

Die Absicht, die psychotischen Abgründe einer Killerin visuell mit allen erdenklichen Spielarten der Split Screen Technik zu verdeutlichen ist erkennbar, doch so überladen eingesetzt, tränen einem nach zehn Minuten die Augen.
Mal wird der Focus auf ein Minimum im Zentrum der Bildfläche reduziert, dann gleich mehrere Teilungen mit bis zu vier Frame-Flächen in einem, horizontale, vertikale Bildschirmteilung, Zoom-Aufteilung in drei Abschnitten von nur einer Bewegung, dann wieder drei verschiedene Blickwinkel horizontal nebeneinander her laufend, - also alles, was diese Technik so hergibt, während unveränderte Bilder fast schon eine Seltenheit darstellen.

Einen kreativen und handlungstechnisch aufwertenden Effekt hat dieser Einsatz in nur einer Sequenz, nämlich als Katie ihren Ex, das potentielle Opfer, spielerisch durch einen farbenbunten Herbstwald treibt. Hier kommt die wesentliche Komponente des Timings hinzu, da man im Split Screen, Katie, das Opfer und ihren wartenden Vater zeitgleich wahrnehmen kann und somit für einen kurzen Moment einen Ansatz Suspense erzeugt.

In Sachen Timing und Suspense mangelt es jedoch im Weiteren an allen Ecken und Enden, wobei man das Fehlen sämtlicher Folterszenen ausschließlich dem deutschen Verleih ankreiden kann, denn hier fehlt ein Entfernen von Zähnen komplett und warum sich jemand nicht so recht artikulieren kann, können auch nur amerikanische Logopädie-Studenten beantworten, - deutsche können das nur vermuten, denn auch die Szene fehlt ganz. Im Vergleich zur Originalfassung fehlen in der deutschen rund 29 (!) Minuten Folter und Gewalt.

Aber auch trotz fehlender grafischer Härte mangelt es der Erzählung vor allem an Empathie.
Katie Bird handelt halt gemäß einer langen Familientradition, war als Kind immer neugierig, was ihr Vater hinter den Mauern ihres Schuppens trieb, hinterfragt aber Jahre später nach der Offenbahrung des Geheimnisses zu keiner Zeit irgendwelche moralischen Aspekte seines Handels. So einfach wird man zum Mörder: Mein Vater war Schlachter, deshalb folge ich seinem Vorbild und lasse blutige Schweinehälften baumeln.

Da können auch die weiter führenden Gedanken der Titelfigur im Off keine fundamentierten Anhaltspunkte einer kranken Seele einbringen, sie bleiben so jämmerlich oberflächlich, wie die Dialoge zwischen ihr und dem angeketteten Psychiater, der seine Patientin angeblich über Jahre kennt, sich aber keinesfalls dementsprechend selbstsicher gibt und sogar ihren kurzen sexuellen Attacken erlegen ist.
Um eine ambivalente Beziehung zwischen Arzt/Liebhaber und Patientin glaubhaft zu schildern bedarf es etwas mehr, als eine düstere Farbgebung, eine musikalische Untermalung mit schrägen, lang gezogenen E-Gitarren-Riffs mit Kopfschmerzfaktor und den nie aufhörenden Split Screens.

Die üble visuelle Verpackung ist also das eine, was „Katie Bird“ zu einem nahezu unsehbaren Independent-Film degradiert, ferner kommen aber die lahme und schlecht getimte Erzählform hinzu, sowie wenig einfühlsame Charakterzeichnungen und kaum glaubhafte psychologische Entwicklungen.
Wer gerne ausgedehnte Folterszenen zelebriert, sollte sich also von der deutschsprachigen DVD fernhalten und stattdessen das Original von „Heretic Films“ antesten.
Vielleicht kann das den einen oder anderen Gorefreund in seiner tristen Form makaberer Wolllust anfeuern, mich hingegen lässt dieses Debakel in seiner Gesamtform völlig kalt.
2 von 10

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