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Daniel Day-Lewis spielt einen jungen Iren, der zusammen mit einem Freund wegen eines Zwischenfalls mit der IRA nach London zieht, wo die beiden, sowie zwei ihrer Mitbewohner zu Unrecht festgenommen werden. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie Bomben in Londoner Pubs gelegt hätten und werden mit fingierten Beweisen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Doch damit nicht genug: Auch die Familie des Arbeitersohnes wird festgenommen, sein Vater, gespielt von Pete Postlethwaite, sogar ebenfalls zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, bis einige Jahre später eine Anwältin, gespielt von Emma Thompson, den Fall wieder aufrollt.

Da die britischen Ermittler zu Zeiten der IRA-Anschlägen unter enormen Druck standen und endlich ein paar Bombenleger inhaftieren mussten, um Bürger und Medien zu besänftigen, wurden die so genannten "Guildford Four" unschuldig verurteilt, genauso, wie einige weitere Personen, nachdem man ihre Geständnisse durch physische und psychische Gewalt erwirkt hatte. Erst knapp fünfzehn Jahre später wurde das Urteil aufgehoben, nachdem der Fall neu aufgerollt worden war, eine offizielle Entschuldigung von Tony Blair erfolgte erst 2005. Die Autobiografie von Gerry Conolon, einem der Inhaftierten, dessen Vater tatsächlich mit ihm verurteilt wurde, sollte angesichts der brisanten und hochinteressanten Ereignisse um die "Guildford Four" die Vorlage für einen hervorragenden Film liefern und das Potential wird definitiv genutzt.

So wird die Geschichte dramaturgisch perfekt aufbereitet, sodass sie permanent spannender und dramatischer wird und kaum fesselnder sein könnte. Darunter leiden jedoch weder die Charaktere, die durchaus an Profil gewinnen, so wird beispielsweise der Vater-Sohn-Konflikt, der sich anfangs außerhalb und dann später innerhalb der Gefängnismauern abspielt durchaus vertieft, genauso, wie der Charakter der Hauptfigur, die sich vor allem anfangs auf dem schmalen Grat zum Kleinkriminellen hin bewegt, schließlich aber doch noch von ihrem Vater auf die rechte Bahn gebracht wird, noch die wahre Begebenheit, die der Film im Groben und Ganzen, den etwas glatt verlaufenden dramaturgischen Ablauf mal ausgenommen, rundum überzeugend und hochinteressant aufbereitet. Im Mittelpunkt steht neben der Entwicklung der Hauptfigur aber ganz klar der Kampf um Gerechtigkeit, das Plädoyer für den fairen Umgang mit vermeintlichen Straftätern, auch zu Krisenzeiten im Vodergrund und das gelingt ebenfalls, da die wahre Begebenheit hierfür schonungslos und verstörend genug serviert wird. Besser hätte man den Stoff kaum auf die Leinwand bringen können.

Auch die Regie von Jim Sheridan, der bereits mit "Mein linker Fuß" positiv in Erscheinung treten konnte, kann sich durchaus sehen lassen. Sheridan erzeugt mit dem emotionalen Score und dem relativ langsamen Erzähltempo von Anfang an Dramatik und reißt emotional mit. Kitschig oder überdramatisiert wirkt der Film dabei jedoch allein wegen der überragenden Schauspielleistungen nicht und so entsteht der fade Beigeschmack, ein künstlich aufgebauschtes Drama zu sehen erst gar nicht. Die einzelnen Aspekte des Films, den Vater-Sohn-Konflikt, das Justiz-Drama und den Polit-Thriller fügt er ausgewogen zusammen und wird damit allen Facetten der Vorlage gerecht, ohne, dass bei den Übergängen Längen oder dramaturgische Brüche entstehen würden, eher im Gegenteil, der Film wird zunehmend mitreißender und bietet einige dramaturgische Spitzen im Mittelteil und am Ende auf. Dabei trifft er den schmalen Grat zwischen dem üblichen Hollywood-Pathos und der authentischen Wiedergabe der Ereignisse, womit der Film seine sieben Oscar-Nominierungen rundum verdient hat.

Ein weiteres großes Plus des Films sind die hervorragenden Darsteller. So zeigt sich Charakterdarsteller Daniel Day-Lewis, der schon in "Mein linker Fuß" unter der Regie von Sheridan spielte und später in "Der Boxer" erneut mit diesem zusammenarbeitete, auch hier von seiner besten Seite. Der doppelte Oscar-Preisträger, der hier gewohnt präsent ist, spielt emotional, kraftvoll und bewegend, und bindet den Zuschauer damit an sein Schicksal. Zudem stellt er auch den Wandel seiner Figur glaubhaft dar, womit er vollkommen zu Recht für den Oscar nominiert wurde. Pete Postlethwaite zeigt als Vater der Hauptfigur die beste Darbietung seiner Karriere und spielt den, zum Ende hin todkranken, körperlich schwachen Mann, der alles daran setzt, seinen Sohn doch noch zu einem friedvollen Umgang mit den anderen Häftlingen zu animieren und ihm innerhalb der Gefängnismauern ein wichtiger Beistand ist, sehr emotional und harmoniert dabei perfekt mit Day-Lewis. Und auch der restliche Cast ist durchweg gut besetzt, wobei vor allem Oscar-Preisträgerin Emma Thompson als Anwältin eine besonders starke Leistung zeigt.

Fazit:
Auf der Grundlage der wahren Begebenheit um die "Guildford Four" gelingt Jim Sheridan ein enorm bewegendes, mitreißendes und spannendes Drama, das sowohl mit seiner gelungenen Story, die Polit-Thriller, Gefängnis-Drama und den Vater-Sohn-Konflikt miteinander vereint, der versierten Inszenierung, als auch den darstellerischen Glanzleistungen auf ganzer Linie überzeugt. Absolut empfehlenswert.

90%

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