Auftakt zu einer der langlebigsten und weltweit erfolgreichsten Kriminalserien der Achtziger (und Beginn der Neunziger) Jahre, in der eine passionierte Englischlehrerin nach schriftstellerischen Gehversuchen in der Unterhaltungsbelletristik ihr dortiges Metier im Erfinden und Lösen von Verbrechen auch in der Realität, als Unterstützung der oft hilflosen Polizei ausübt. Im hiesigen Pilotfilm, der Wurzel allen Übels, oder doch des ersten Fundaments des späteren und verdienten Erfolges, je nach Ansicht, werden die Weichen für die nächsten langen Jahre und eine Hundertschaft an weiteren Episoden, oftmals spielend nach gleichen und somit wohl bewährten Muster bereits gestellt. Eine Langepisode, die später noch genau viermal eine Art weiteres Serienspecial, ebenfalls eine Ausdauer auf einen Fernsehfilm statt wie sonst nur dem Fünfundvierzigminüter und so die speziellere Behandlung und Dramaturgie erhielt:
Jessica Fletcher [ Angela Lansbury ] hat als Englischlehrerin Maine nebenbei zu ihrem eigenen Privatvergnügen an einem Manuskript für einen Krimi gearbeitet, welches zwar unter Verschluss bleiben sollte, aber von ihrem Neffen Grady Fletcher [ Michael Horton ] heimlich an einen Verlag eingesandt, prompt verkauft und mit großen Erfolg in den Handel gebracht wurde. Auf ihrer ersten Promotour in New York muss sich die gestandene Dame vom Lande dann mit allerlei seltsamen Kunstmenschen herumschlagen, lernt dort aber auch den Verleger Preston Giles [ Arthur Hill ] kennen, der sich als sehr interessanter Mann entpuppt und sie über das Wochenende auch auf seinen Landsitz nach New Holvang einlädt. Dort findet des Abends eine Kostümparty statt, in der sich die Anwesenden wie bspw. Gradys Vorgesetzer Caleb McCallum [ Brian Keith ] als Sherlock Holmes und auch der Rest wie dessen Frau Louise McCallum [ Anne Francis ], der Musicalproduzent Peter Brill [ Bert Convy ], oder Gradys Kollegin Ashley Vickers [ Tricia O'Neil ] jeweils als literarische Figuren verkleiden. Die Feier ist ausgelassen, und wird erst nur durch den herumstöbernden Privatdetektiv Dexter Baxendale [ Dennis Patrick ] und am nächsten Morgen durch einen Toten gestört. Im Pool treibt Sherlock Holmes, erschossen mit einem Gewehr. Der Countypolizist Chief Roy Gunderson [ Ned Beatty ] ermittelt, und Mrs. Fletcher gleich mit.
Ausgedacht wurde sich die Handlung von bereits Veteranen des Genres, neben Peter S. Fischer auch Richard Levinson & William Link, die mit Columbo einen noch größeren Vetreter der Krimikost für im Grunde alle Altersklassen, wenn nicht eher ein gesetztes und behagliches, aber auch stetig nachwachsendes und treues Publikum erfanden, dazwischen aber mit der Umsetzung von Ellery Queen [ 1975–1976 ] aber auch den Stolperstein erfuhren. Laut eigenen Aussagen ist diese leidige Erfahrung auch die Ursache für die hiesige Entwicklung, wurde die Jessica Fletcher sowohl mittelbürgerlicher als ursprünglich geplant als auch eben als Frau mittleren bis schon leicht höheren Alters, im dritten Frühling eher nah als dem zweiten zugehörig und fast wie auch als kleinster gemeinsamer Nenner gezeichnet. Fletcher bekommt hier nicht die erste Szene, aber kurz darauf die erste Pointe und dann im Vorspann auch gleich das hauptsächliche Augenmerk, wird doch da ausgiebig ihr Tagewerk in Betracht genommen, die Szenerie der Heimat Cabot Cove und die Beliebtheit samt bevorstehender und quasi schon feststehender Identifikation gleich mit.
Die Figur ist auch narrensicher, eine leicht betagte, aber noch rüstige Dame, die sich selber mit allerlei Läufen in der Umgebung, vielen Beziehungen in der Gesellschaft und vielerhand sozialen Kontakten ehrenamtlicher Natur fit und beliebt und allgegenwärtig hält. Genau diese Eigenschaften stellt allein schon die Titelsequenz und damit der Pilotfilm in den allerersten Minuten, auf stumme Art und Weise und wie aus einem Guss und mit Hammer und Meißel in den Stein gehauen vor. Eine Prämisse, der hier dem Film und auch folgend der Serie schon die wichtigsten Grundlagen in die Hand und den Zuschauer weitere Erklärungsversuche für die Zukunft gibt. Jessica Fletcher ist überall und bei jedem bekannt; wenn nicht, hat sie eine Eintrittskarte in Form von Verwandtschaft und eine Einladung aufgrund ihres Berufes mit. Die Augen sind wachsam und die Ohren spitz, was bei diesem ersten Fall auch schon gegeben, die Art ihrer Ermittlung aber anfangs noch zurückhaltend und erst zweimal von anderer Warte aus mehr Einsatz gefordert ist.
So wird hier der Faktor der Hilfestellung für den ortsansässigen Chief ausdrücklich von diesem erbeten und gerät später noch der Neffe selber unter Generalverdacht, was dann natürlich kein Halten mehr für die resolute Dame ist. Bis dahin hat man etwas von ihrem bisherigen Leben, dies aber nur als knappe verbale Zusammenfassung, stramm gerafft quasi erzählt, hat sich aber in den ersten Minuten a) bereits aus dem Paradies- und Phantasieörtchen Cabot Cove hinaus in die große weite Welt und b) dort auch in die Kreise des Feindes, der Medienkritiker hinein bewegt und c) die Figur dem Zuschauer gleich sofort bekannt gemacht und in das Herz der Sympathie katapultiert und d) die Szenerie umrissen, um das Ratespiel zu vollführen. Selbst für die frühen Achtziger ist die Gangart behutsam, wird Gewalt ausgespart – abseits eines Überfalls in dunkler Nacht im New Yorker Hinterhof, mit Kleinstauftritt von Andy Garcia als 1st White Tough, der der Jessica an die Geldbörse will – und die Dinge im Dialog und nicht mit Prügel und dem Duell mit der Schusswaffe geklärt. Es steht tatsächlich das Gesagte der Figuren im Mittelpunkt, das Verdächtige im Verhalten, das Zucken der Mundwinkel oder der böse Blick, was der Zuschauer registrieren und sich selber in die Mutmaßungen und Verdächtigungen beteiligen oder sich auch gemütlich zurücklehnen und Berieseln lassen kann. Ein bisschen bieder ist das vielleicht, die Kleidung der gesetzten Leute, ihre Problemchen und ihr Gerede und Tun; war die Dramaturgie schon damals für die Mama daheim anziehender als für den Jungspund und die noch folgende Serie trotz (oder wegen) des Sprung in die vordersten Ränge der Einschaltquoten nie wirklich 'hip'.
Dennoch, ein im Nachhinein erstaunlich leichtes Vollziehen der Umstände, die in den diversen Nachfolgern, Trittbrettfahrern oder gar dem heutigen vollgestopften Krimiprogramm mit seiner Dutzendware oft komplett abgeht und auch nun, nach über drei Jahrzehnten die anhaltende Faszination bzw. Anhänglichkeit für die Serie im Grunde von selbst erklärt. Erinnern tut man dabei natürlich an die kurz zuvor gelaufenen Kinoadaptionen nach Agatha Christie, in denen Angela Lansbury nicht zufällig auch eine wichtige Rolle spielt und dessen 'Altertümlichkeit' konträr zum sonstigen Welt- und Mediengeschehen man hier genauso Rechnung trägt. Sowieso ist die Geschichte vom Plot her auf mehreren bewährten Elementen aufgebaut, wird Mord im Spiegel [ 1980 ] ebenso zitiert wie auch die Kurzgeschichte "Mord auf dem Siegesball", die später für Agatha Christie's Poirot verfilmt wurde. Der Verweis auf Sherlock Holmes hat im gleichen Jahr auch in der Magnum - Folge "Sherlock Holmes auf Hawaii" und in "Der Krimi-Fan-Club" bei Remington Steele seinen Platz gefunden, in dem ebenfalls auf einer Veranstaltung in die Rolle von literarischen Figuren geschlüpft und dabei ein Mord verübt wird.