Review

Obwohl die Joseph Meri (hier auch Regie) und Richard Pepin, ihres Zeichens Gründer der inzwischen leider nicht mehr existenten B-Movie-Schmiede P.M. Entertainment, für „Executive Target“ mit Michael Madsen, Roy Scheider und Keith David sehr prominente Akteure gewinnen konnten, ist das Endergebnis gerade mal überdurchschnittlich. Wie auch bei dem ein Jahr später entstandenen „Recoil“, sind die ausufernden und für B-Verhältnisse geradezu spektakulären Autoverfolgungsjagden die einzigen Glanzpunkte – die haben es dann aber auch in sich.

Das Skript hingegen ist weder sonderlich innovativ, noch spannend und erst recht nicht frei von schlechten Dialogen und vielen Klischees, doch daran hat man sich als Genrefan mittlerweile fast schon gewöhnt. Auch wenn das den Film nicht besser macht. Michael Madsen, ein wenig aufgedunsen und übergewichtig, gibt hier einen Stuntdriver (wie es der deutsche Titel schon sagt), der nach einer kleinen Verfehlung eingebuchtet wurde und bei einer Überführung flüchten kann. Der Überfall auf den Gefangenentransport ist, genau wie Madsens daraus resultierende Flucht nahezu perfekte B-Action. Die Pyrotechniker dürfen sich austoben, Polizeiwagen fliegen gleich paarweise durch die Luft, der Blechschaden ist enorm, wobei LKWs ganze Straßenzüge blockieren. Dazu blutige Shootouts und ein rasanter Sportwagen, mit dem Madsen erstmal die gesamte Polizeiarmada abhängt. Man wähnt sich angesichts der Inszenierung, nicht zuletzt dank Kameramann Ken Blakey („Recoil“, „Riot“, „Captured“), hier schon eher in einem A-Film. Auch weil die Chose mehrere Minuten dauert und nicht aus Budgetknappheit nach wenigen Sekunden schon wieder vorbei ist.

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten – besonders im B-Bereich. Der nun folgende Plot, um Bösewicht Lamar (Keith David), der Madsen für seine Zwecke einspannt, genügt allen Klischees zur Ehre. Die Dialoge sind, gelinde ausgedrückt, strohdoof, während die Charaktere, vor allem Lamars Handlanger (u.a. Matthias Hues), dem üblichen Schemata folgen. Vom durchgeknallten Unsympathen bis zur Killerbraut ist alles vorhanden. Da zwischen den beiden nun noch folgenden, sich ebenfalls auf demselben hohen Niveau bewegenden, Verfolgungsjagden, irgendwie die Minuten gefüllt werden müssen, darf Roy Scheider als U.S. Präsident, der die Rüstungsausgaben kürzen will, bald als Ziel herhalten. Das entbehrt zwar jeglichen Realismus, bringt aber zumindest etwas Rasanz in die ansonsten recht fade Angelegenheit.

Wenn sich in einem B-Movie eine recht namhafte Truppe herumtreibt, darf man zumindest auf ordentliche schauspielerische Leistungen hoffen, denn die haben in diesem Genre Seltenheitswert. Leider enttäuschen sie fast durchweg: Roy Scheider hat als U.S. Präsident gar nichts zu tun und bleibt austauschbar, Michael Madsen wirkt, obwohl er das Vehikel mitproduziert hat, seltsam lustlos und Keith David hat mit einem Charakter zu kämpfen, bei dessen Darstellung er leichten Wahnsinn mit Overacting verwechselt.

Fazit:
Genrefans können sich Meris Werk ruhig einmal zu Gemüte führen, da die langen Blechschadenorgien wirklich etwas für das Auge sind. Dazwischen wird aber durchweg um 5 Gänge zurückgeschaltet, um sich einer flachen Story, dümmlichen Dialogen und enttäuschenden Darstellerleistungen hinzugeben. Mit demselben Problem hatte „Recoil“ ein Jahr später auch zu kämpfen…

Details
Ähnliche Filme