Review

Der Film bekommt Flügel

Der erste „Best Picture Winner“ von 1927. Ein Stummfilmepos über Liebe, Fliegerasse und Klassenunterschiede. Ein Vorläufer von „Pearl Harbour“ bis „From Here To Eternity“, mehr ging damals nicht. Zwei junge Soldaten im ersten Weltkrieg, zwischen Hoffnung, Angst und derselben Frau daheim, zwischen den Wolken und Wolke 7, zwischen Schmetterlingen und Schusswunden im Bauch, zwischen Vergangenheit und Zukunft einer ganzen Kunstrichtung…

Ein gutes Stück Propaganda, ein noch größeres Stück Kitsch, aber das größte Stück einfach klasse Film - „Wings“ lässt jeden Stummfilmfreund fliegen. Und lachen. Und bangen. Und schwelgen. Und weinen. „Wings“ ist ein Kind seiner Zeit, aber meines Erachtens im Ganzen nicht zu angestaubt und ganz klar Pflichtprogramm in seiner Epoche, in seinen Genres. Auch mit heutigen Sehgewohnheiten. Er hat meiner Meinung nach sogar das Zeug einen zum Stummfilmfan zu machen und neugierig auf weitere solche Banger aus einer ganz anderen Zeit. „Wings“ war und ist eine Errungenschaft. Da gibt’s nix. Teuer, tragisch, taktil. Viele frühe Oscargewinner werfen Fragen auf - „Wings“ hat sein Gold und Gloria verdient. Die Darsteller spielen hypnotisch gut, die (mittlerweile) Klischees stoßen nicht übel auf, die Zwischentitel und (geschriebenen) Dialoge sind auf den Punkt, die Flugaction ist spektakulär. Es geht von der Heimat über die Ausbildung bis in den Krieg. Es gibt Eifersüchteleien und Boxkämpfe, Dogfights und Slapstick, Herzschmerz und Klassenkampf (der im Krieg beiseite tritt). Ich konnte meine Blicke nicht vom Bildschirm nehmen. Mittlerweile brillant restauriert. Auch was für Augen und Ohren. Der tragende, mal sensible, mal aufbrausende Score kann nämlich auch genug. „Wings“ lässt einfach nicht locker. Und kann einem wie gesagt Herz und Augen öffnen für Filme von vor 100 Jahren, die nicht nur Wege bereiteten, sondern die auch heutzutage noch extrem gut sind. Qualität setzt sich durch, Qualität bleibt. 

Fazit: ein Stummfilmblockbuster, der bald 100 (!) Jahre alt wird und der an Spektakel, Melodramatik und Klasse für damalige Verhältnisse kaum zu überbieten ist, der aber auch heute aus weitaus mehr als nur historischen Gründen sehr gut genießbar ist. Ein Meilenstein der Industrie. Ein Kriegsfilm- und Romantikklassiker. Ein Brett. 

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