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Das Erstlingswerk von Takeshi Kitano, einer der bekanntesten und einflussreichsten Filmemacher Japans der 90er Jahre, ist ein hartes Copdrama. "Violent Cop" lässt sich am besten mit den urbanen Alpträumen des Paul Schrader vergleichen, der ähnliche Gewaltszenarien in "Taxi Driver" und "Light Sleeper" niederschrieb. "Violent Cop" ist die japanische Version des Paul Schrader.

Kitano schreibt, dreht, schneidet - und spielt auch selbst. In seiner Rolle als Azuma ist er ein brutaler Selbstjustizcop, der Dienstforschriften und anderem polizeilichen Regelwerk kein großes Interesse beimißt. Wenn er einen Gesetzesübertreter auf frischer Tat ertappt, wird dieser erst einmal geprügelt und getreten. Die neuzeitlichen Gefängnisse sind schließlich viel zu luxuriös für das Pack mit dem sich Azuma herumschlagen muss. Und von daher ist er die wirklich machtvolle Hand des Gesetzes. Er ist die ultimative Exekutive. Das Böse im Guten. Doch scheint sein bester Freund bei der Polizei selber ein "Böser im Guten" zu sein. Iwaki, sein Kumpane, ist in wirklich ein korrupter Drogendealer.

Azuma als Filmcharakter ist hoch interessant. Er selber scheint kein Privatleben zu haben, geschweigedenn Freunde. Ein Einzelgänger, wie er sonst nur in Clint Eastwood-Filmen beschrieben wird. Ein Getriebener auf der Suche nach Gerechtigkeit - egal wie ungerecht und unethisch seine Methoden dabei doch sein mögen. Seine einzige wirkliche nahe Person scheint seine Schwester zu sein, mit der er jedoch auch weniger spricht, als dass er seinen überentwickelten Beschützerinstinkt bei ihr geltend macht. Hinzukommt Kitanos vorzügliches Spiel. Sein filigranes Mimikspiel und seine ungezügelten Emotionen machen immer und immer wieder Spaß.

Doch man wird das Gefühl nicht los, Kitano hätte "Violent Cop" nur gedreht, um endlich die Chance auf mehr Regiearbeiten zu bekommen. Denn das Drehbuch scheint größtenteils von Hisashi Nozawa zu stammen. Und auch die Schönheitskorrekturen Kitanos lassen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Drehbuch deutliche Schwächen hat. Die ganze Yakuza-Geschichte im Hintergrund ist eher einfallslos und langweilig, als mysteriös und angsteinflössend. Vieles wirkt unvollendet oder unentschlossen.

"Violent Cop" ist der erste Kitano-Film. Bei den ersten Gehversuchen verzeiht man diverse Stolpereien gerne, und Kitano schafft es ja auch durch sein impulsives Spiel all die kleinen Unschönheiten im Gesamtbild des Films zu übertynchen. Werden die Kitano-Filme in Zukunft immer besser und besser, sieht man ganz klar, wo "Violent Cop" noch "unperfekt" ist. In der Gesamtharmonie zwischen Musik, Kamera und Darstellern. Und gerade in diesen Belangen wurde Kitano meisterlich.

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