"Was haben wir eigentlich erreicht. Alle, die wir umgebracht haben, wurden durch schlimmere Leute ersetzt."
Die Story basiert auf wahren Begebenheiten:
Nach der Geiselnahme und Ermordung einiger jüdischer Athleten in München will der israelische Geheimdienst Mossad die Entführer und deren Hintermänner töten lassen. Unter dem Projekt Black Sheep tötet eine kleine Einheit (Eric Bana, Daniel Craig u.a.) die Täter.
Die Story ist gut gemacht. Die Ermordung der israelischen Athleten wird gar nicht genauer untersucht, sie wird nur kurz im Vorspann gezeigt. Die Charaktere sind größtenteils gut konstruiert, vor allem der Konstruktion seiner Hauptfigur widmet Spielberg viel Zeit. Der Kleinkrieg um Israel, der schon seit Jahrzehnten tobte, wird hervorragend veranschaulicht und gut behandelt. Es ist wirklich überraschend, dass Spielberg, der selbst Jude ist, eine neutrale Position bezieht und den Rachefeldzug nicht gutheißt und somit Gut-Böse-Klischees vermeidet. Die Wendungen sind größtenteils ordentlich gemacht und ergeben alles in allem eine wirklich gute Story.
Das Hauptproblem des Films ist der verhältnismäßig niedrige Unterhaltungswert. Der Film läuft schnell an, da das Killerkommando direkt nach den Morden zusammengestellt wird und die Mission mitgeteilt bekommt. Am Anfang sind die Dialoge zwischen den einzelnen Killern noch interessant und unterhaltsam, auch die Morde und die Wendungen sind noch schockierend. Die Veränderung des Hauptcharakters wird vor allem im Mittelteil gut dargestellt. Doch dann wird die Handlung leider ein wenig eintönig und irgendwann stumpft man als Zuschauer ab, wenn das Kommando einen Mord nach dem anderen begeht. Dann beginnen sich die Dialoge mehr und mehr zu wiederholen und wenn dann auch noch die Kontaktleute, die eigentlich kaum eine Rolle spielen einen größeren Platz in der Handlung einnehmen, ist der Film endgültig langweilig. Das Finale ist dann ein wenig emotionaler und besser gemacht und wird auch noch einmal spannend. Aber alles in allem hätte ich mir von Spielberg ein unterhaltsameres Werk erhofft. Der Film mag noch so viel Tiefe haben, doch bei dem Unterhaltungswert bringt dies nichts, wenn der Zuschauer sich langweilt und in Folge dessen nicht über das Gesehene nachdenkt.
Die Filmmusik ist leider überhaupt nicht spannungsgeladen. Sie ist meist unauffällig und melancholisch. Vor allem durch die Musik kann keine bedrohliche oder gespannte Atmosphäre aufgebaut werden und der Film beginnt zu langweilen.
Es gibt einige Action-Szenen, die hauptsächlich aus Schießereien bestehen. Das Problem ist, dass auch diese die Spannung nicht erhöhen können. Von Stephen Spielberg bin ich wirklich enttäuscht, da dieser definitiv zu seinen schlechtesten Filmen gehört.
Eric Bana spielt die Hauptrolle wirklich gut. Seine Darstellung ist sehr emotional und realistisch. Nachdem er durch "Hulk" und "Troja" bekannt wurde, hätte ich ihm eine solche Leistung in einem Drama nicht zugetraut. Daniel Craig ist ebenfalls gut. Er spielt die Rolle des Auftragskillers wesentlich kälter als Bana, stellt aber ebenfalls sein Talent unter Beweis. Oscar-Preisträger Geoffrey Rush präsentiert sich überaus gut und zeigt wie immer eine starke und realistische Leistung. Er gehört auf jeden Fall zu den besten Charakterdarstellern in Hollywood. Die übrigen Nebendarsteller, vor allem Mathieu Kassovitz sein ebenfalls gut.
Nach "Schindlers Liste" und "Der Soldat James Ryan" sollte dies das neue Meisterwerk von Stephen Spielberg werden. Er suchte sich wieder einmal ein historisches Thema aus und gab sich alle Mühe. Doch diesmal gelingt ihm ein durchaus ordentlicher Film, aber kein Meisterwerk, womit Spielberg sein Ziel nicht erreicht. Man hat ihm ja des Öfteren vorgeworfen, zu kommerziell zu sein. Doch meiner Meinung nach hätte er diesen Film ein wenig kommerzieller, also unterhaltsamer gestalten sollen.
Es mag einige geben, die diesen Film gut und spannend finden. Doch mir persönlich hat er nicht so gut gefallen, zumal ich von einem Spielberg-Film mehr erwartet hätte und ich gebe meine Noten subjektiv. Die geniale Story nach wahren Begebenheiten ist dann wenigstens interessant und der Film ist definitiv gut, aber bei weitem kein Meisterwerk und erst recht kein Epos, wie Spielberg in schaffen wollte.
Fazit:
"München" basiert auf einer guten Story, die wiederum auf wahrer Begebenheit basiert. Spielberg vermeidet Gut-Böse-Klischees und kann den jahrelangen Kleinkrieg um Israel sehr gut darstellen. Er hat sich hervorragende Darsteller beisammen gesucht, die die hervorragenden Charaktere sehr gut spielen können. Aber, obwohl er sich bei der Umsetzung alle Mühe gibt, bleibt der Unterhaltungswert leider auf der Stecke. Die Atmosphäre ist nicht gespannt und die Handlung wird zum Ende hin zunehmend monotoner und auch die Schießereien können den Unterhaltungswert nicht in die Höhe treiben.