Das Misstrauen und demzufolge auch die Unlust gegenüber dem Film waren eher gross, und letztlich nicht unbegründet; einige der befürchteten Elemente treten auf.
Die Zutaten sind bekannt: Regisseur Chu Yuan verfilmt eine Gu Long Novelle und macht daraus ein Fantasy Wuxia Märchen mit Starbesetzung und Betonung auf die Geschichte statt auf Action.
Wie üblich ist man ohne das Vorwissen der literarischen Vorlage erst einmal aufgeschmissen; es gibt eine Einführung, die aber auch wie gewohnt im name-dropping so vollgestopft und im Gegenzug schnell abgehandelt wird, dass man nach den ersten zehn Minuten erstmal mit leeren Händen dasteht.
Es ist dann auch ratsam, sich den Prolog zweimal zu geben bzw. Notizen zu machen, letztlich kann man aber einen Grossteil umliegender Personen einfach streichen und sich auf ein 5er Triumvirat konzentrieren.
Sze Ma Chao-chun [ Jason Pai Piao ] ist der Anführer der Armed Escort Union. Ein wahrer Held und auch der Fähigste, weswegen er den Spitznamen „The Unbeatable“ verpasst bekam. Aber nicht der Schlaueste, zu naiv.
Ihm beratend zur Seite steht als rechte Hand Zhou Tung-lai [ Derek Yee ]. Er war massgeblich für die Führungsposition seines Herrschers verantwortlich und zieht auch jetzt die Strippen, er ist ein Mann der Strategie.
Auf der Gegenseite, der Hall of Braveheart, steht Chu Meng [ Ku Feng ]. Ein Ehrenmann und ein Künstler, der die Perfektion liebt und gerne tanzt. Sein bestes Pferd im Stall ist Hsiao Lei-hsueh [ Yueh Hua ], der eine berühmt – berüchtigte Holzbox mit sich führt, die die Essenz von 13 Waffen beinhaltet.
Als erstmal neutrale Position wird der junge Kämpfer Kao Chien-fei [ Alexander Fu Sheng ] von seinem Meister dazwischen geworfen; er soll eine 100jährige Krise in der Jiang Hu klären und hat dazu das Schwert der Tränen bekommen.
Sobald die Konstellation verständlich ist und steht, kann der Film beginnen und tut es auch auf ganz ansprechende Weise. Zwar werden hier und da noch wild Figuren addiert, die aber entweder nicht oder kaum auftauchen und auch dementsprechend nichts Großartiges bewirken; wahrscheinlich erwähnt man sie getreu der Vorlage und streicht sie zugunsten der Laufzeit heraus.
Sze Ma hält erstmals seit langem eine öffentliche Prozession ab, zu der auch die feindlichen Kämpfer erwartet werden und dementsprechend die Schutzvorkehrungen enorm sind. Dennoch gelingt es Hsiao, einen Überläufer trotz schwerer Bewachung während der Veranstaltung zu töten; in Folge dessen wird die Stadt abgeriegelt. Kao macht sowohl Bekanntschaft mit Zhou als auch mit dem noch in den Stadtmauern eingeschlossenen Chu Meng, mit dem er schnell Bruderschaft schliesst.
Leider wird die Belagerung nicht lange eingehalten und damit das Zentrum schnell zu ungunsten ausschweifender Verlagerung wieder verlassen, so dass sich die Episoden häufen und die Erzählung ausser den etwas blassen Figuren jegliche Fixierung verliert.
Zudem bezieht sich die Erzählweise leicht auffällig mehr auf die Handhabung einer Soap Opera – für Drama wird nicht genug Ernsthaftigkeit erreicht -, als auf eine physisch aktive Handlung; der Inhalt wird mehr beredet statt agiert. Dazu werden sogar die Kampfszenen jedes Mal kurz angehalten und erstmal Dialoge gewechselt, was wohl kaum einen guten Eindruck macht.
Verschiedene angesprochene Punkte werden mittendrin vergessen oder verändert; so enthielt die Box die gesamte Zeit 13 Waffen und am Ende ist von 37 die Rede, was doch ein Unterschied ist. Hsiao will das Schicksal herausfordern, was ihm den Tod durch das Schwert der Tränen prophezeit; der Nebenplot ist später nicht mehr erwähnt. Die voneinander unwissende Liebesaffäre von Kao und Chu Meng gegenüber einer gemeinsamen Dame ist relativ belanglos und - weitaus schlimmer – die gesamte Zeit unfreiwillig komisch, was fast jeden Subtext vernichtet. Spätestens wenn die doppelte Liaison auffällt und sie ihr bewundertes Bein abtrennt und ihrem älteren Liebhaber als letztes Geschenk überreicht, ist jegliche ansonsten gut aufgebaute Tension vorbei.
Auch bei Darstellern gibt es leider Abstriche, bzw. da hält sich mühsam die Waage. Yueh Hua, Derek Yee und auch Jason Pai Piao überzeugen, während es auf der anderen Seite Ku Feng und Alexander Fu Sheng nicht tun. Besonders der letztere spielt hier wieder mal so ausdrucksstark wie das wörtliche Fähnchen im Wind und sieht noch nicht einmal wie ein Held aus. Sowieso ist die Bewunderung und Anerkennung gerade für den Darsteller ein Rätsel, wenn ein Yueh Hua nur den Eingeweihten ein Begriff ist.
Die fällige Action macht dann das nächste Problem aus. Zum einen interessiert sie hier irgendwie gar nicht so; statt sie zu streichen und sich lieber auf einen ernsten Kontext zu besinnen wird dann trotzdem fleissig aber unzureichend dem Swordplay gewidmet. Hand – to – Hand Combat findet nur in einer Szene statt und ist da auch keine Rede wert; trotz relativer erfreulicher Behändigkeit verlieren die Schwertszenen vor allem durch den Hintergrund: Es fällt leider sehr schnell auf und ist ab dem Punkt auch nicht mehr zu ignorieren, dass die wartete Statisterie anscheinend die Regieanweisung bekam, sich mit den beiden Hauptkämpfern zu bewegen. Sehr häufiger Stellungswechsel und Verrenkungen in die Luft sind die Folge, was doch recht fehl am Platze aussah. Gewalt findet übrigens fast immer im Off statt.
Die Rache des Karateka [ was für ein Titel ] hat einfach zuviel überzeichnende Mittel und vergisst jede Dosis von Destruktivität oder Zynismus, der eben manchmal auch sein muss. Die früheren Chu Yuan / Gu Long Kollaborationen Killer Clans [ 1976 ], Der Todesschlag der Stahlfinger [ 1976 ] und Das Todesduell der Tigerkralle [ 1977 ] konnten in den eigentlich fast allen Belangen mehr überzeugen, ob nun in Personenzeichnung, Storypfaden oder Action. Auch das Setting war nie so märchenhaft angehaucht wie hier.
Kein wirklich schlechter Film, aber bei weitem keine Empfehlung.