Review

Technospotting


„Sorted“ erinnert ein wenig an Danny Boyles „Trainspotting“, nur mit mehr Techno und (etwas) weniger Drogen. Und insgesamt nicht auf dessen Niveau. Dennoch bietet dieser Thriller mit recht vielen BPM einige tolle Ansätze - wie etwa seinen nach vorne gehenden Stil, einen grandiosen Soundtrack (das wird einem schon im Intro klar!), packende Club-Atmosphäre und trockenen britischen Humor. Erzählt wird vom Bruder eines Mannes, der nach einer Partynacht von einem Hochhaus in den Tod gestürzt ist. Auf der Suche nach den Gründen trifft er nicht nur auf dessen bildhübsche Freundin, die scheinbar genauso wenig über ihn wusste, wie seine Familie, er verläuft sich auch etwas im Techno-Party-Zirkus Londons und muss aufpassen, dass es vor lauter Rave und Rausch nicht auch bald für ihn zu spät seid könnte... 

Sound, Style, Setting, Schauspieler - alles schreit hier Spät-90er, was ich ziemlich geil finde. „Cruel Intentions“, „Wild Things“, „The Beach“, „Shallow Grave“ sind alle nicht weit weg. Stilistisch, nicht thematisch. Definitiv eine noch ein ganzes Stück unschuldigere und freiere Zeit. „Sorted“ hat einen Soundtrack aus Alternative, Rock und Techno, den ich mir sofort kaufen würde. Vor allem im Auto oder in der Bahn und im Sog des Asphaltdschungels wäre er passend. Beruhigend und pushend zugleich. Das macht Spaß, wie der Film in großen Teilen auch. Tim Curry spielt den mysteriösen Clubmogul wie immer faszinierend, irgendwo zwischen DeNiro in „Angel Heart“ und seinem eigenen Pennywise. Dagegen können die anderen Darsteller nur etwas verblassen. Aber auch von denen stößt keiner übel auf. Ich hätte allerdings von der Geschichte an sich gerade gegen Ende eindeutig mehr erwartet, entweder mehr Logik oder mehr Fantastik, so bleibt alles etwas blass und austauschbar, fühlt sich eher nach TV als Kino an. Den Kultstatus in gewissen Kreisen will und kann ich ihm aber nicht absprechen. „Sorted“ ist ein wenig zu unbekannt für seine Qualitäten! 

Fazit: Style over Story, Sinn und Substance - und dennoch feiert dieser Rave-Thriller gut vor sich her und sieht dabei richtig chic aus, versprüht tolle End-90er-Brit-Atmo und wirkt oft eher wie ein Musikvideo als ein ausgewachsener Film. Zwischen Emo-Neo-Noir und Love Parade. Alles andere als schwächenlos, aber geht gut runter. Erst recht für Clubgänger. Seiner Zeit ein wenig voraus, wenn man sich etwa „Beat“ und Co. anguckt... 

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