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Nach dem Erfolg des relativ niedrig budgetierten „Underworld“ war eine Fortsetzung beschlossene Sache, doch den Vorgänger kann „Underworld: Evolution“ nicht toppen.
Eine Rückblende zu Beginn des Films erläutert die Geschichte der beiden Söhne des Alexander Corvinus noch weiter: Marcus (Tony Curran), von dem die Vampire abstammen, und William (Brian Steele), der als Werwolf für neue Lykaner sorgte. Es tobt ein Krieg, in dessen Verlauf die Vampire William gefangen nehmen und Viktor (Bill Nighy), Marcus' rechte Hand, den Bruder dazu benutzt Druck auf Marcus ausüben zu können. Nebenbei gibt es dann noch eine nette Schlacht zwischen Vampiren und Werwölfen zu sehen, sodass der Auftakt nicht nur erläuternd, sondern auch recht actionreich daherkommt.
Ein paar Rückblenden erklären zudem, was ihm Vorgänger geschah, doch ohne diesen gesehen zu haben, wird man der Geschichte wohl kaum folgen können. Vampirin Selene (Kate Beckinsale) und Vampir-Lykaner-Hybrid Michael Corvin (Scott Speedman) sind jedenfalls noch immer auf der Flucht, nachdem sie Viktor getötet haben, doch zumindest diese Sorge ist bald passé: Marcus entsteigt seinem Ruheschlaf und metzelt direkt die Reste seines verräterischen Vampirclans dahin, womit man einen Handlungsfaden des Vorgängers schnell, aber unbefriedigend zu Ende bringt.

Von da an macht er Jagd auf Selene und Michael, die sich jedoch keinen rechten Reim darauf machen können, warum überhaupt, denn mit Viktor war er alles andere als freundschaftlich verbunden. Und was will die seltsame Eingreiftruppe, die stets den Weg der Flüchtigen kreuzt?
Die Antworten gibt’s dann im weiteren Verlauf, wobei sich der Plot dann simpler herausstellt als man anfangs denkt und nur etwas komplizierter erzählt wird als eigentlich nötig wäre, bisweilen sogar etwas verworren. Doch Regisseur Len Wiseman tritt hier immerhin stets aufs Gaspedal, sodass selten Langeweile aufkommt und die Spannung aufrecht erhalten wird, wobei die Anzahl der Überraschungen nicht so groß ist (allenfalls die Enthüllung bezüglich des Chefs der Eingreiftruppe ist eine Überraschung, doch sonst verläuft der Film recht geradlinig).

Leider werden einige interessante Ideen des Vorgängers nicht mehr aufgegriffen, vor allem das fast komplette Ausblenden der beiden großen Konfliktparteien Vampirclan und Werwolfhorde verärgert etwas. Stattdessen mischen hier fast nur einzelne Charaktere oder Splittergruppen mit, vom großen Krieg des Vorgängers ist nichts mehr zu merken. Die Subplots wurden ebenfalls merklich reduziert, selbst die Lovestory von Selene und Michael wird eher nebenbei behandelt, aber „Underworld 2“ fällt auch kürzer als der erste Teil aus. Die meiste Zeit dominiert dafür der Kampf gegen Marcus, der allerdings unverwundbar scheint, ehe zum Showdown hin das passende Gegenmittel gefunden wird.
Leider wirken dadurch viele der Kampfszenen etwas unspannend, da die Kontrahenten zwar massig Munition in Marcus hineinpumpen, dieser aber einfach weiterlatscht und sie einen nach dem anderen kaltmacht. Die restlichen Actionszenen hingegen sind aber mal wieder erste Sahne, wobei im Gegensatz zum Vorgänger die Anzahl der Nahkämpfe gesteigert wurde. Martial Arts gibt’s dabei eher selten, meist bekriegen sich hier Werwölfe im Handgemenge. Etwas abgenommen hat leider die Anzahl der Shoot-Outs, doch deren Inszenierung lässt keinen Grund zur Klage. Einen recht hohen Härtegrad bietet das Geschehen dann auch, da wird Werwölfen öfter mal der Kiefer rausgerissen und ein Fiesling sogar im Hubschrauberrotor gehäckselt.

Dafür ist die Action etwas besser über den Film verteilt als im Vorgänger und noch einen weiteren Vorteil hat „Underworld 2“ gegenüber dem ersten Teil: Das höhere Budget. Die Optik kommt deutlich edler her, wobei Len Wiseman einige sehr stylische Szenen einbaut (z.B. Selenes Sprung aus dem Hubschrauber). Auch die Werwolfverwandlungen gibt es dank mehr Knete detaillierter zu sehen, doch einen übermäßigen Einsatz von CGI-Effekten vermeidet „Underworld 2“ glücklicherweise.
Kate Beckinsale spielt die kriegerische Vampirin ebenso gut wie im ersten Teil und macht wieder eine gute Figur, während Scott Speedman wieder OK, aber doch etwas blasser bleibt. Leider sind die Nebendarsteller hier allesamt wenig einprägsam, charismatische Gesichter mit viel Screentime wie Bill Nighy im ersten Teil sucht man leider vergebens (Nighy tritt aber in den Rückblenden noch mal auf), aber schlecht spielen die Nebendarsteller trotzdem nicht.

Unterm Strich ist „Underworld 2“ etwas schwächer als der Vorgänger: Die Geschichte ist recht geradlinig und spannend erzählt, die Action schick inszeniert und noch etwas besser verteilt als in „Underworld“, doch leider werden viele Aspekte, die den Vorgänger so interessant machen (gesellschaftliche Organisation von Vampiren und Lykanern etc.), lieblos fallengelassen und die Story ist deutlich simpler. Zwar ist die Optik noch edler als in „Underworld“, aber aufgrund der Storydefizite ist „Underworld 2“ geringfügig schwächer.

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