„Underworld 2“ gehört für mich zur sehnlichst erwarteten Fortsetzung der letzten Monate, bot doch Teil 1 eine actiongeladene und trotzdem tiefgreifende Story, geniale Optik und Kate Beckinsale als heiße Latex-Amazone. Für das Sequel zum Überraschungshit aus 2003 wurde das Budget noch mal ordentlich aufgebohrt, Regisseur Len Wiseman standen nun 50 Mio.US-Dollar zur Verfügung. Einige Tricks, denen zuerst noch finanzielle Grenzen gesetzt waren, konnte man nun voll ausschöpfen. Vampire und Werwölfe scheinen jedenfalls immer noch gefragt, die Produktionskosten wurden locker wieder eingespielt und somit dürfte auch „Underworld – Evolution“ das Zeug zum Kultfilm haben.
Teil 2 setzt nahtlos an die Ereignisse des Vorgängers an und spinnt die Story um Lykaner und Vampire auf einem neuen Level weiter. In Teil 1 lag der Schwerpunkt auf der gesellschaftlichen Struktur zweier sich hassender Völker - die Vampire lebten prunkvoll, während die Lykaner sich unter der Erde in der Kanalisation verkrochen. Trotz aller Action nahm man sich viel Zeit die Figuren wie Victor, Kraven und Silene einzuführen. In Teil 2 sind alle Charaktere bis auf Marcus bekannt, eine längere Einführung in den Konflikt entfällt also. Es empfiehlt sich daher unbedingt vorher den Vorgänger anzusehen, da man ansonsten mit Ereignissen und Figuren überhäuft wird und schnell den Faden verliert. Wer diesen mochte, wird jedenfalls an der konsequenten Weiterführung seine Freude haben:
Victor (Bill Nighy) ist tot, ermordet von Selene (Kate Beckinsale) die jetzt mit ihrem Freund Michael (Scott Speedman) auf der Flucht ist. Während Michael noch mit seinen neuen Kräften und dem Blutdurst kämpft, erwacht indes Marcus (Tony Curran), der letzte Vamirälteste zum Leben. Wie Michael wurde auch Marcus zu einer Art Hybriden mit unvorstellbaren Kräften verwandelt (siehe Ende von Teil 1). Als er von Victors Verrat erfährt, löscht er dessen gesamte Blutlinie aus... auch Selene steht auf dieser Liste. Von Marcus geht aber noch eine weitere Gefahr aus, er will um jeden Preis seinen Bruder William, den ersten echten Lykaner, aus seinem Gefängnis befreien. Sollte dies gelingen, würde eine noch brutalere Form von Werwölfen entstehen - die Existenz der Menschen und Vampire steht auf dem Spiel, Selene ist die letzte Hoffnung...
„Underworld – Evolution“ ist eine in jeder Beziehung gelungene Fortsetzung. Schon der Beginn ist stark: Der Film beginnt mit einem Prolog im tiefsten Mittelalter und zeigt die Vampirältesten Victor und Marcus auf der Jagd nach William. Auf dieser Rückblende baut der weitere Storyverlauf auf, also nicht nur ein optischer Leckerbissen.
Es gelingt wieder der Spagat zwischen packender Action und Erzählung, mit dem Unterschied das mehr Zeit auf die Hauptfiguren Selene und Michael verwendet wird. Die Beziehung beider wird weiter vertieft und steht im starken Kontrast zur ansonsten düsteren und kalten Stimmung. Besonders Selene gewinnt dadurch an Profil, denn Sie zeigt jetzt auch Gefühle unter der ansonsten eiskalten Fassade. Bei ihrem heißem Latex-Outfit werden jedenfalls wieder Männerträume war und befördern Charlize Theron (Aeon Flux) locker aufs Abstellgleis. Das die zierliche Kate so überzeugend die harte Vampirlady mimt hätte ich ihr damals nicht zugetraut, aber ich wurde schnell vom Gegenteil überzeugt. Wesley Snipes kann einpacken, Selene übernimmt von jetzt an.
Wie schon „Underworld“, so fesselt auch Evolution mit einer grandiosen Optik im Matrix-Stil. Durch Filter und Farbgebung wirkt das Bild stark unterkühlt, allerdings nicht mehr so extrem bläulich wie die Kinofassung von Teil 1. Der Look ändert sich dieses Mal stimmungsabhängig, in der Liebesszene von Silene und Michael verzichtete man sogar ganz auf Filter. Zur düsteren Atmosphäre tragen auch die sehr stimmigen Sets Osteuropas bei, beziehungsweise Budapest als Zentrum der Geschichte. Die Gothik-Atmosphäre gibt dem Film einen ganz besonderen Look und ist eine willkommene Abwechslung zu westlichen Großstädten.
Ohne Action ist aber auch „Underworld – Evolution“ nur die Hälfte wert, gerade hier macht sich das größere Budget eindrucksvoll bemerkbar. Man kann sogar feststellen das noch einen Gang höher geschalten wurde, denn die Scharmützel zwischen Lykanern und Vampiren sind um einiges furioser. An erster Stelle wäre da natürlich Marcus zu nennen, der mit seinen gigantischen Flügeln einer Fledermaus sehr nahe kommt und einen würdiger Gegner für Selene darstellt. Das Design der Werwölfe wurde auch grundlegend verbessert, von den künstlichen Bewegungen der Animatronik-Puppen bekommt man nichts mehr mit und dezent eingesetzte CGI-Effekte runden die Verwandlungen Mensch-Werwolf ab. Neben allerlei hübschen Monstereffekten geizt Evolution auch nicht mit Feuergefechten, Stunts, Explosionen und kleineren Fights. Ein Highlight jagt das Nächste und lässt kaum Zeit zum verschnaufen, Actionfans kommen daher voll auf ihre Kosten! Zu erwähnen wäre noch der stark gestiegene Blutlevel und teilweise derbe Splattereffekte: abgefetzte Körperteile und Blut in Strömen dürften daher besonders Gorehounds in Entzückung versetzen. Für zartbesaitete Gemüter vielleicht etwas zu heftig, weshalb ich die niedrige FSK-Freigabe (FSK 16) auch nicht wirklich nachvollziehen kann.
Fazit:
„Underworld – Evolution“ ist endlich mal wieder eine gelungene Fortsetzung und überzeugt durch packende Action, superbe Optik und natürlich Kate Beckinsale. Wer Teil 1 mochte wird voll auf seine Kosten kommen, allerdings sollte man den auch vorher gesehen haben, sonst ist man schnell überfordert. Etwas weniger Story, dafür mehr Action und Effekte... wem das nicht stört wird bestens unterhalten. Unbedingt ansehen!