Als Underworld 2003 in die deutschen Kinos kam, floppte er ziemlich. Der Mix aus cooler Matrix-Optik und einer Vampirstory in Blade-Manier kam nach dem weltweit akzeptablen Box-Office von ca. 55 Mio. Dollar erst auf DVD so richtig zum Zug und verkaufte sich blendend. Kein Wunder daher, dass Regisseur Len Wiseman mit dem obligatorischen Nachfolger beauftragt wurde. Nun ist Underworld: Evolution da. Wird`s wieder ein Flop?
Evolution
Der zweite Teil der Underworld-Saga spielt direkt nach den Ereignissen des Erstlings. Es sei an dieser Stelle dringend empfohlen, diesen vorher zu kennen, da einiges trotz Rückblenden für Unwissende im Unklaren bleibt. Die Inhaltsangabe richtet sich folglich an diejenigen, die den ersten Teil kennen. Der Film beginnt mit einem mittelalterlichen Prolog, in welchem die Brüder Marcus und William vorgestellt werden, die beiden Nachfahren des ersten Urvampirs Alexander Corvinus. Marcus (Tony Curran) ist ein Vampir, während William ein unkontrollierbarer Werwolf ist, der schließlich von Vampiroberfürst Viktor (Bill Nighy) gefangen und eingesperrt wird. Danach folgt ein Sprung in die Neuzeit: Selene (Kate Beckinsale) und der Vampir/Werwolf-Mutant Michael (Scott Speedman) sind, nachdem Selene Viktors dunklem Geheimnis über ihre wahre Identität erfahren und ihn getötet hat, auf der Flucht vor dem Vampirclan, der noch immer nach ihnen sucht. Noch dazu erhebt sich Marcus erneut aus seinem Ruheschlaf und beansprucht für sich den Titel des Alleinherrschers über die Vampire und will auch seinen seit Jahrhunderten versteckten Bruder wieder befreien. Dass das katastrophale Folgen für das Zusammenleben von Menschen, Vampiren und Werwölfen haben kann, erkennen Selene und Michael schon früh, doch die Zeit läuft gegen sie…
Revolution?
Regisseur Len Wiseman hatte für das Sequel mehr als das Doppelte an Startkapital zur Verfügung als beim Vorgänger. Ganze $48Mio. oblagen seiner Verantwortung, daraus einen spektakulären, spannenden und guten Zweitling zu machen. Das ist ihm allerdings leider gar nicht gelungen. War Underworld mit seinen Zeitlupen-Shootouts, diversen Kameramoves und Special Effects ein unterhaltsamer, wenn auch relativ seichter Zeitvertreib, ist ihm Teil 2 in allen Belangen unterlegen. Das, was Underworld ausgemacht hat, wird hier in einer extremen Art und Weise überzogen, dass kaum Atmosphäre aufkommen will. Die Story, die die inneren Zirkel der beiden verfeindeten Populationen im Debut noch ausufernd beleuchtete, wirkt hier nur noch als eine blasse Fassade, damit man möglichst eine Actionszene an die nächste reihen kann. Es geht munter von einem Ort zum anderen und am Ende folgt der Endfight. Die neuen Charaktere sind blass und passen teilweise überhaupt nicht auf das Bild, das man sich als Zuschauer eigentlich von ihnen machen würde. Doch wer jetzt sagt, dass ihm das ohnehin nebenwichtig ist und für ihn vielmehr die Action im Vordergrund steht, dem sei hier Bericht erstattet. Ja, es gibt mehr Action, mehr Schießereien, mehr Tote und mehr Blut. Alles ist viel lauter, greller und aggressiver. Wie das Ganze jedoch in Szene gesetzt wurde, wirkt größtenteils wie ein schlechter Scherz. Unübersehbar amateurhafte Effekte, deren PC-Herkunft sich so deutlich abzeichnet, dass man eigentlich nur noch lachen kann. Grotesk animiertes, umherspritzendes CGI-Blut und Splattereffekte lassen ganz klar das platte Gewaltsensations-Kalkül der Macher erkennen, die damit die Storydefizite überpinseln wollen. Wie bei derartiger Brutalität eine FSK-16-Freigabe herausgekommen ist, wissen wohl nur die Prüfer selbst. Doch hier den Fehler nur bei Wiseman zu suchen wäre sicher falsch, denn der macht diese an ganz anderen Stellen. Schön und gut, dass er seine Ehefrau Beckinsale im sexy Latexoutfit so toll wie möglich darstellen will, da schaut man(n) gerne zu. Wenn diese Verehrung jedoch in einer der dilettantischsten und peinlichst choreographierten Sexszenen gipfelt, die je in einem Film zu sehen waren, dann sind ernste Zweifel angebracht, ob hier ursprünglich etwas für die breite Zuschauermasse oder eher doch für die Privatsammlung gedreht wurde, denn sexy ist das Gezeigte nicht in einer Einstellung. Die Darsteller haben außer brutalen Fight- und Schusssequenzen nicht viel Talent in die Wagschale zu werfen, was wieder eine negative Veränderung gegenüber dem Vorgänger bezeichnet, der seinen Inhalt nämlich eben nicht nur auf Eye-Candy reduzierte.
Erosion
Underworld: Evolution ist bedauernswerter Weise enttäuschend. Zulasten von ernsthafter Handlungsfolge wird hier ein Feuerwerk der Effekthascherei abgebrannt, hinter dessen Fassade das ganze Ausmaß des eigentlichen filmischen Debakels nur notdürftig kaschiert werden kann. So bleibt bei oberflächlicher Betrachtung ein Horror-Actionfilm, der auf der modernen MTV-Clipästhetikwelle mitschwimmt und unter diesen Gesichtspunkten jeden gut unterhalten kann, der sein Gehirn vorher an der Kinokasse abgegeben hat.
Dialoghighlight:
„Hier, trink mein Blut, bevor es zu spät ist.“
- „Was wird dann aus mir?“
„Du wirst die Zukunft sein.“
Fazit: 5 von 10 sehr schlechten CGI-Blutspritzern