Für die Fortsetzung des erfolgreichen Vampir-Actioners „Underworld“ durfte Regisseur und Beckinsale-Gatte Len Wiseman mehr als das Doppelte des vormaligen Budgets verjubeln – ein Garant für noch mehr Action, noch tollere Effekte...und noch mehr Blödheit.
Dabei ist die Eröffnung, die einen Teil der Vorgeschichte des Krieges zwischen den Lykanern (= Werwölfen) und den Vampiren erzählt, noch dass beste am Film. In einem Dorf stürzen sich zahlreiche Werwölfe auf einen Trupp berittener Vampire, und es splattert reichlich vor sich hin. Bei dem Übergriff wird der erste der Lykaner gefangen genommen. Der ist auch noch der Bruder des ersten Sohnes des Begründers der Blutlinie und irgendwie tobt dann halt schon seit Ewigkeiten der Krieg zwischen der einen Spezies und der anderen – in der Gegenwart erwacht dann der eine Vampir (sorry, habe die Namen alle schon wieder vergessen) und möchte seinen Bruder, der seitdem in Gefangenschaft war, wieder erwecken. Dazu benötigt er zwei Schlüssel, die er sich zuvor noch beschaffen muss, und dabei geht der Ahn nicht gerade zimperlich vor...
Klingt nach interessanter Vampir-Action? Nee. Der ganze Scheiß dient eigentlich nur als Vorwand, eine sexy Hauptdarstellerin sowie ihren coolen Hybriden-Stecher durch ein langweiliges Szenario nach dem anderen zu schicken. Und da man dafür nun mal kein Schauspieltalent haben, sondern lediglich gut aussehen muss, ist dieser Part auch wieder von Kate Beckinsale übernommen worden. Eigentlich hätte man sie auch anderthalb Stunden mit ihrem Outfit und zwei Barrettas auf einem Laufsteg hin und herstelzen lassen können, hätte kaum einen Unterschied gemacht. Jede nur erdenkliche Szene im Film gilt dem Vorwand, sie und ihren Begleiter möglichst toll aussehen zu lassen – dementsprechend ist (gerade im Finale) null Spannung vorhanden und die Actionszenen öden nur noch an. Der krieg zwischen Lykanern und Vampiren findet de facto überhaupt nicht (mehr) statt. Während der erste Teil wenigstens noch dadurch punkten konnte, den Konflikt der beiden Arten an vielerlei Ecken durchbrechen zu lassen, gibt’s in „Underworld Evolution“ nur noch langweilige und blöde One-Woman-Shows am Fließband. Das merkt man vor allem beim Finale, in dem die beiden Bösewichter nur noch darauf warten brauchen, möglichst kameratauglich abgemurkst zu werden.
Ähnlich verhält es sich mit der Atmosphäre. Während Look und Farbwahl glücklicherweise beibehalten wurden, spielt etwa 90 % des Streifens nur noch in Wäldern und alten Burgen – in Städten geht leider gar nix mehr. Dementsprechend hat man sich daran schnell satt gesehen und spürt schmerzlich schnell die Dümpelei von einem grauen Schauplatz zum nächsten, ohne dass das Filmteam viel Wert auf Abwechslung legt. Das Drehbuch ist hohl und versucht verzweifelt, einen niveauvollen, altmodischen (eben für Vampire typischen) Sprachstil aufrecht zu erhalten, was leider vollkommen in die Buchsen geht und oft sogar ins Tollpatschige abdriftet. Das war zwar auch schon im ersten Teil so, aber der hatte wenigstens andere Stärken, die zumindest einen vernünftigen Unterhaltungswert garantierten – „Underworld 2“ ist – mit Verlaub gesagt – einfach nur noch bescheuert – da ändert auch der dezent erhöhte Gewaltfaktor nichts mehr dran.
Kann mir vorstellen, was Len Wiseman bei der Premiere zu seinen Leuten gesagt hat: „Hier, schaut euch meine Alte an. Ist sie nicht geil?“ Auch wenn er damit zweifellos Recht hat, ist der Streifen pure Zeitverschwendung und die Kinokarte rausgeschmissenes Geld. Vielleicht ist ja der dritte Teil noch mal doppelt so teuer und man sieht noch mehr von Kate Beckinsale und ihrem tollen Hybriden-Freund. Irgendwo liegt bestimmt noch der ein oder andere Vampirahn herum, der am Ende gehörig den Sack voll bekommen kann.