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Evolution? Alles Lüge! Der zweite Underworld ist kein Fortschritt oder eine Weiterentwicklung gegenüber dem Vorgänger. Es handelt sich immer noch um genau den gleichen unoriginellen Abklatsch von Filmen wie „Blade“ wie beim letzten Mal. Die aufgeblasene Handlung wird sogar noch schwerfälliger erzählt, so dass man häufig nicht genau weiß, wer im Film jetzt eigentlich wer ist bzw. was will – und dass man als Zuschauer auch kein großes Interesse hat dahinterzukommen, da einem die Charaktere ohnehin am Allerwertesten vorbeigehen. Mit der Zeit stellt sich dann aber heraus, dass es sich doch nur um ein Familientreffen handelt, da jeder im Film mit jedem irgendwie verwandt ist.

Kate Beckinsale hat mittlerweile in „The Aviator“ gezeigt, dass sie mehr kann als mit einem einzigen Gesichtsausdruck in die Gegend zu starren und dabei dekorativ auszusehen – Underworld Evolution ist für sie daher eher ein Rückschritt. Ähnliches gilt für ihren Eheman Len Wiseman, der als Regisseur ebenfalls auf der Stelle tappt. Beckinsales Filmpartner Scott Speedman als Werwolf-Lover ist wie gehabt dermaßen uncharismatisch und trantütig, dass ich wahrscheinlich noch weitere 100 Filme mit ihm sehen könnte und ihn dennoch nicht erkennen würde, wenn er mir auf der Straße begegnen würde. Wie man erwarten konnte, wird auch diesmal der Coolnessfaktor bis hin zur Selbstparodie übertrieben. Jeder hat ein mordscooles Outfit an, sieht allgemein ziemlich trendy und hip aus und würde in jedem Lässigkeitswettbewerb ohne Probleme auf einem Spitzenplatz landen. Alles schön und gut, wenn die Charaktere wenigstens dreidimensional (wie z.B. in „Hellboy“, „X-Men“, „Batman Begins“ oder „Spider-Man“) oder bei aller Schablonenhaftigkeit charismatisch (z.B. Blade) wären. Selbstironie in irgendeiner Form kann man nicht mal mit dem Mikroskop finden, so dass natürlich die Schwelle zur unfreiwilligen Komik hier und da überschritten wird.

Underworld: Evolution ist sehr blutig, so dass eine FSK-16-Freigabe auf den ersten Blick etwas befremdlich anmutet. Allerdings stammt fast alles Blut sichtbar aus dem Computer, und alle Splatter-Szenen wirken daher ziemlich stilisiert. Aus dem Computer stammen auch viele der sonstigen Effekte, und die kann man leider beim besten Willen nicht als besonders gelungen bezeichnen. Die in Werwolf-Filmen übliche Metamorphose wird mehr schlecht als recht auf diese Art gelöst (unübertroffen immer noch die Verwandlung in „American Werewolf“, die komplett handgemacht war), und am billigsten sieht der Obervampir aus, der mit Fledermausflügeln neben einem Truck herfliegt und diesen attackiert. Aber auch die Werwölfe, die in der Anfangssequenz in einem mittelalterlichen Dorf Berittene anfallen, sind sehr mäßig animierte Pixelwesen. Zudem sieht man bei den zahlreichen Explosionen und sonstigen Action-Szenen überdeutlich den Einsatz zahlreicher Miniaturen.

Wenn man sich einmal die Action-Heroinen im modernen Hollywoodkino vor Augen hält, sieht das Resultat sehr ernüchternd aus. Auf der Habenseite stehen natürlich Sigourney Weaver und Uma Thurman in der „Alien“-Reihe und „Kill Bill“, aber dann ist schon wieder bald Feierabend. „Lara Croft“, „Resident Evil“, „Aeon Flux”, „Catwoman”, „Elektra”, „Charlie’s Angels“, „BloodRayne” – die Liste filmischer Missetaten mit deplazierten weiblichen Stars, die sich darin blamieren, ist lang und hiermit keinesfalls vollständig. Die Underworld-Reihe muss man leider auch eher in diese Kategorie zählen als in die kleine erstgenannte, obwohl sie qualitativ doch noch besser ist als die Mehrzahl der aufgeführten Machwerke. Komischerweise gibt es im Gegensatz dazu im asiatischen Raum massenweise sehenswerte Filme mit weiblichen Actionhelden.

Trotzdem hat die Underworld-Reihe eine Menge Befürworter, die sich geradezu in Superlativen überschlagen. Ähnliches ist mir beim schwachen ersten Resident-Evil-Film (der zweite ist fast noch schlechter) auch schon aufgefallen. Schaut man sich zu Underworld Evolution mal die durchschnittliche Wertung in der IMDB (6,7/10 Punkte bei ca. 8.000 abgegebenen Stimmen an), so sieht diese sehr respektabel aus gegenüber dem, wie Kritiker diesen Film bewerten (lausige 17% positive Kritiken mit einer Durchschnittswertung von 3,8/10 Punkten bei Rottentomatoes). Selten klafft die Schere zwischen Publikumsmeinung und Kritikern so weit auseinander. Erklären kann ich es mir nur damit, dass die meisten der begeisterten Zuschauer noch sehr jung und damit eben noch leicht begeisterungsfähig sein müssen und die Kritiker hingegen meist alte Rochen (jenseits der 20 und damit schon mit einem Fuß in der Kiste stehend) sind, die alles schon tausendfach gesehen haben - und im Falle von Underworld wahrscheinlich sogar noch häufiger.

Es ist ja nicht so, dass Underworld: Evolution nicht auf irgendeine Art unterhaltsam wäre, aber der Film ist von seinen inhaltlichen, dramaturgischen, darstellerischen und handwerklichen Schwächen abgesehen einfach dermaßen belanglos, dass man in Kürze alles wieder vergessen hat. Obwohl es erst gut zwei Jahre her ist, dass ich den ersten Film gesehen habe, ist fast gar nichts von damals bei mir hängengeblieben, so dass ich anfangs mit erheblichen Schwierigkeiten kämpfen musste, mich in die Handlung der Fortsetzung einzufinden. Das spricht in meinen Augen nicht für eine nachhaltige Wirkung des Films – und bei der Fortsetzung wird es nicht anders sein, da bin ich mir sicher. Wie beim letzten Mal gibt es knappe 5/10.

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