Wenn die Computergrafiker Überstunden schieben...
...wenn das Blut in Hektolitern spritzt...
...und wenn Kate Beckinsale in ein hautenges Plastikkostüm schlüpft, dann ist es wieder soweit:
Der zweite Teil der Underworld-Reihe, "Evolution", versüßt uns den tristen Kino-Winter.
Noch immer sind Selene und ihr Hybriden-Lover Michael auf der Flucht vor machtgierigen Vampiren. Es ist gar nicht so einfach, die Handlung zu beschreiben, da hier nur echte Kenner des ersten Teils durchblicken dürften. Underworld 2 erschlägt den Zuschauer stellenweise mit Namen und Fakten irgendwelcher Leute, die irgendwas vor tausenden Jahren getan haben. Wer Teil 1 nicht kennt, kann den Film von hier an vergessen. Doch auch für alle anderen ist dieser Seifenopern-Erzählstil schwer durchzustehen, da er sowieso nur sehr lieblos in den Film gestopft wurde. Denn im wesentlichen dienen diese tiefschürfenden Gespräche ("Er ist doch mein Sohn !!!!!") nur dazu, zur nächsten Actionsequenz überzuleiten. Von denen herrscht in Underworld 2 kein Mangel. Rasant, mit allzu vielen Effekten versehen, und wenig einfallsreich, beginnen sie erst im großen Finale lächerlich zu werden. Wie schon in der berüchtigten "Peitschender-Vampir-Szene" des ersten Teils, wird es in der verfallenen Burg so hirnrissig, dass man Tränen lachen kann. Da wird ein uralter Über-Werwolf zum Leben erweckt - er sieht gefährlich aus, riesengroß, kann toll knurren - aber kämpfen kann er nicht. Selene ballert zwei Pistolen auf ihn leer: Werwölfchen knurrt und springt woanders hin. Selene ballert die doppelte Menge Kugeln auf ihn: Wölfchen schaut böse und springt weg. Selene ballert eine Maschinenpistole auf ihn leer: Ede Wolf knurrt nochmal. Ein Hubschrauber, der in das Gewölbe stürzt, erspart ihm weiteres Leid. Wie so etwas jegliche Spannung aus einem Höhepunkt nehmen kann, muss ich nicht weiter ausführen.
Underworld 2 ist nicht nur actionreicher, sondern auch deutlich brutaler als der erste Film ausgefallen. Es wird zerstückelt, abgehackt und geblutet, der Film ist wirklich nichts für schwache Gemüter. Dass hier nur Fantasyfiguren aufeinander losgehen, dürfte der FSK als Vorwand für die 16-Freigabe genügt haben. Insgesamt gesehen ändert das aber auch nichts daran, dass Underworld 2 nur ein liebloser Aufguss des ersten Films ist, mit verworrener Erzählstruktur und computergenerierten Actionszenen. "Van Helsing" lässt grüßen: echte Langeweile kommt dank des Tempos nie auf, echte Spannung aufgrund der lächerlichen Action aber auch nie. Große Augen bekommt man nur in der tollen Sexszene mit Kate Beckinsale. Underworld 2 reiht sich somit in die lange Reihe des Fast-Food-Kinos ein: ansehen und vergessen.
3/10