Da bin ich aber froh, vorab noch mal „Underworld“ gesehen zu haben, denn ohne Vorkenntnis des ersten Parts wird man die vielen Figuren kaum so schnell zuordnen können. Ist im Verlauf aber nicht so wesentlich, denn es bleibt eh alles in der Familie…
Einige Fragen, die nach „Underworld“ übrig blieben, wurden geklärt. Immerhin. Leider auch nicht viel mehr, denn die Story ist so verdammt einfallslos, dass diese Schwächen mit ausladender Action glatt gebügelt werden müssen, was auf ein einseitiges Herumgeballer hinausläuft, aber keinen Platz für eine durchdachte Handlung oder Charakterisierung der Figuren einräumt.
Immer noch der Kampf zwischen Vampiren und Werwölfen: Vampirlady Selene und Hybride Michael auf der Jagd nach der Wurzel allen Übels. Denn mittlerweile flattert Urvampir Marcus wieder behände durch die Gegend, während Brüderchen William als Werwolf seit ein paar hundert Jahren in Quarantäne sitzt. Marcus will sein Brüderchen befreien und Väterchen Alexander gibt den beiden Jägern Selene und Michael noch ein paar Tipps, wie man die Befreiung verhindern könnte.
Beginnend mit einer gelungenen Rückblende ins Mittelalter zu den Begründern der Clans, verkommt der Streifen immer mehr zu einem reißerischen Actionspektakel ohne Tiefgang.
Urvampir Marcus flattert entweder - mit übertriebenen Riesenflügeln ausgestattet - hinter den vermeintlichen Sympathieträgern her, oder gibt in „menschlicher“ Gestalt den törichten Rebellen, was überhaupt nicht zur Figur eines Clanbegründers passen will.
Hinzu kommt Alexander Corvinus, Vater der ungleichen Brüder, der auf seinem Schiff mittels Soldaten und neuester Technik das allgegenwärtige Treiben überwacht, um Selene per Blutübertragung noch ein paar wichtige Informationen auf den Weg zu geben.
Dann wird wieder geballert ohne Nachzuladen und somit verkommt auch die Action zur Eintönigkeit. Nur gut, dass im Finale ein Hubschrauber so unglücklich bruchlandet, dass die Rotoren einen geeigneten Platz zum Zerschreddern des Endgegners darstellen.
Während die Kamera erneut den hübsch in Latex verpackten Pöter von Kate Beckinsale einfängt, bleibt sie darstellerisch genauso blass wie im ersten Teil und die übrigen schick gekleideten Typen sind auch nicht besser. Optisch gibt es nichts etwas zu bemängeln, Farbfilter und Wahl der Kulissen sind ansprechend und auch der solide Score erfüllt seinen Zweck.
Mehr Action und mehr Splattering in einem durchgehend tempogeladenen Werk, dafür bleiben Atmosphäre und Suspense daheim, sowie einige Fragen, die vielleicht im dritten Teil beantwortet werden.
Denn wenn Michael als Mensch zur Welt gekommen ist, müsste Vater Alexander neben Vampir und Werwolf noch einen dritten Bruder gezeugt haben…
Wieder Erklärungsbedarf und die Hoffnung, beim nächsten Part eine umfangreichere Story serviert zu bekommen…
4 von 10 Punkten