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Schlafzimmerbett vergibt 10 Punkte für einen Stummfilm! Huch, was ist denn jetzt kaputt? Nein liebe Leser - mir geht's nach wie vor sehr gut und auch mein Hirn arbeitet zeitweise störungsfrei. Nach "Hundstage" beschert uns wieder ein Österreicher eine Doku-Soap auf höchstem Niveau. Nikolaus Geyrhalter hat sich die Kamera auf den Rücken geschnallt und einfach mal laufen lassen, das Ergebnis zusammengeschnibbelt und ohne mit Musik zu hintermalen ins Kino gebracht. Genial - wenn uns dieser Film nicht so schocken würde.

Wir bekommen zu sehen wie die moderne EU und ihre Landwirtschaft funktioniert. Wir sehen den modernen Bauern, der nicht mehr seine Felder bestellt sondern Agrarindustrieller geworden ist. Wir sehen den Viehbesitzer, der ohne Massentierhaltung nicht überleben könnte. Wir sehen den Plantagenbesitzer und -arbeiter, der in Spanien auch zur Winterszeit frische Tomaten züchtet. Schocking? Eigentlich nicht, eigentlich wissen wir es - aber das ganze Theater auch zu sehen, greifbar, dokumentarisch, das ist eine andere Qualität.

Gerade die fehlende Kommentierung läßt uns mit unseren Gedanken alleine. Ist die Kükenkehrmaschine mit unseren Chicken Wings verheiratet? Wir sinnieren und kommen zu keiner Lösung, so wie auch Geyrhalter zu keiner grundlegend anderen Erkenntnis kommt. Abläufe werden transparent gemacht, dem aufmerksamen Konsumenten Einblicke gewährt - mehr nicht. Entscheidungen treffen, Ansichten haben, Meinungen bilden - das bleibt dem Zuschauer überlassen, und das ist auch gut so.

Still und leise graben sich die Bilder in Deinen Kopf. Und wenn Du denkst "Öko ist besser" kommt Mr. Nestle und sagt "ökologisch ist auch keine Lösung" - und die Bilder dazu zeigen: der Mann hat leider recht. Was also soll sich ändern? Man weiß es nicht, vorher nicht und auch nach dem Film nicht, aber trotzdem hat "unser täglich Brot" etwas geleistet. Der Film regt das Nachdenken über selbstverständlich gewordene Dinge an, sensibilisiert uns im Umgang mit der Natur ohne anzuklagen.

(10/10)

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