Chris Fisher, nicht gerade in guter Erinnerung mit seinem Erstling „Nightstalker“, präsentiert nun sein „Training Day“ mit erstaunlich prominenter Besetzung. Doch im Gegensatz zum Oscarprämierten Vorbild, geht Fisher etwas anders an die Sache heran. Dennoch sind die Ähnlichkeiten deutlich zu erkennen. Auch hier sind zwei Undercover Cops (Mitglieder einer Spezialeinheit) die Hauptpersonen, alles spielt sich an einem Tag ab und auch hier fahren die beiden mehrere Stationen ab und geraten so immer tiefer in Schwierigkeiten.
Doch hatte „Training Day“ mit Ethan Hawke wenigstens eine Sympathiefigur, so zu sagen die gute Seele des Filmes, fehlt hier so eine Person völlig(wenn man möchte kann man das Mädchen Rita und den Jungen Splooge als solche erkennen, denen nach dem Abspann auch noch eine Szene gegönnt wird). Alle Akteure haben Dreck am stecken, sind korrupt, Gangster oder Dealer. Selbst Clifton Collins Jr. als Sancho und Cuba Gooding Jr. als Adel sind von Beginn an nicht als Identifikationsfigur gedacht. Gooding Jr., in einer seiner besten Leistungen seit langem, ist das typische Arschloch was unbedingt nach oben will und so jeden Job für seinen Korrupten Vorgesetzten (Cole Hauser, „Pitch Black“, „The Cave“) annimmt. Dabei erkennt er lange nicht dass er bereits auf der Abschussliste steht und eigentlich alles andere als anerkannt ist. So geraten die beiden Partner immer tiefer in Scheiße. Dabei will gerade an diesem Tag Sancho, abends bei einem Termin im Büro der Internal Affairs klaren Tisch machen. Eingerufen wurde der Termin weil bei einem Einsatz ein Unschuldiger alter Mann getötet wurde. Absichtlich? Das wird im laufe des Films geklärt und benutzt um den ein und andren Kniff in die Story zu bringen. Und auch wenn die Geschichte alles andere als neu ist, gelingt es Chris Fisher doch zwischendurch Harken zu schlagen, so dass doch nicht alles so kommt wie man es erwartet.
Action spielt dabei nur eine geringe Rolle. Auch wenn das Tempo durch die Zeitvorgabe stets hoch ist, will der Film sich eher als Drama/Thriller verstehen. Eine Charakterstudie zweier Männer, die so viel Mist auf sich geladen haben, dass ein vernünftiger Ausweg ausgeschlossen scheint. So fahren sie viel herum, schikanieren die kleineren Gangster und normalen Bürger und sind dennoch voll im Griff der großen Bosse. Cuba Gooding Jr. redet während dieser Zeit fast ununterbrochen. flucht, beleidigt und prollt herum. Dagegen wird Clifton Collins Jr. von Visionen des unschuldigen Opfers geplagt, verzweifelt langsam an seine Missetaten und erkennt recht früh dass sie beide nur noch Ausschuss sind. Kann aber dennoch nicht von alten Gewohnheiten ablassen und vor allem seinen Partner nicht in den Griff bekommen. Zum Ende bekommt man zwar die ein oder andere Schießerei serviert, aber der Actionanteil ist klein. Auch da bleibt „Dirty“ sein Vorbild treu.
Ein großes Plus, gegenüber anderer Direct To Video Titel (der Film lief aber auch in limitierter Anzahl in Los Angeles im Kino), ist die sehr gute Besetzung. Selbst in kleinsten Rollen bekommt man bekannte Gesichter geboten. So spielen Cole Hauser und Keith David („The Chronicles Of Riddick“, „They Live“) noch größere Rollen, die anderen bekannten Darsteller wie Robert LaSardo („In Hell“, „Last Man Standing“), Chris Mulkey („Rambo“, „Under The Gun“), Judy Reyes („Scubs“), Brittany Daniel(„Club Dread“, „White Chicks“), Tory Kittles (“Frankenfish”, “Get Rich Or Die Trying”), Kevin Grevioux (der Mann mit der unglaublichen Stimme aus “Underworld”), Gates McFadden („Star Trek:Next Generation“) und Brian J. White („Shield“, Dungeon Siege“, „DOA“ – aufstrebender Star den man im Auge behalten sollte) sind teilweise nur sehr kurz an, edeln den Streifen aber enorm. Natürlich dürfen heutzutage die Rapper nicht fehlen und sind diesmal mit Wyclef Jean („Full Clip“) und Taboo, von den „Black Eyed Peas“, abgedeckt. Die besten Leistungen gehen aber natürlich an seine beiden Hauptfiguren, denen die Kamera fast die ganze Zeit an die Seite gestellt ist. Gooding überzeugt als eigennütziges, eingebildetes Arschloch und auch später als alle Felle davonschwimmen, als niedergeschmettertes Wrack. Collins Jr. muss da um einiges zurückstecken, bringt seine gequälte Figur aber überzeugend herüber.
Optisch präsentiert Chris Fisher, der einiges dazugelernt hat, den Streifen in Kinoqualität. Farbfilter werden ständig benutz, in kurz aufblitzenden Visionen schnelle Schnitte eingesetzt, die er noch in „Nightstalker“ zum erbrechen benutzt hatte, die Kamera wackelt und will so natürlich diesen üblichen Dokutouch aufbringen wie man ihn aus „NYPD“ oder „Shield“ kennt. Alles aber im normalen und nicht anstrengenden Maße. Dem Umfeld entsprechend ist der Soundtrack natürlich mit Latino und Hip Hop Musik unterlegt. Passend und gelungen; vor allem der Song im Abspann.
Dennoch braucht der Film etwas um Spannung aufzubauen. Zu vieles kann man im voraus ahnen und zu wenig fiebert man, durch die unsympathische Darstellung seiner „Helden“, mit. Auch Handeln die Personen nicht immer nachvollziehbar, aber dennoch bekommt man selten so eine gute Umsetzung als Videopremiere geboten.
Fazit:
Gut inszenierter Copthriller in „Training Day“ Tradition mit beachtlicher Besetzung und wenigen neuen Ideen. Doch 2-3 Wendungen, der extrem düstere, unheroische Ton des Films und vor allem Cuba Gooding Jr. schaffen genug Interesse zu wecken das man letztendlich nicht meckern kann. Auf Deutsch möchte ich diesen Film übrigens niemals sehen(die deutsche Synchro kann den Tenor des Filmes nur versauen) und wer Probleme mit englischen Schimpfwörtern hat, sollte sich den Film wohl auch nicht antun. Wer aber Lust hat die Worte „fuck“, „fucking“ oder „motherfucker“ zu zählen, wird einiges zu tun bekommen:)