Review

Gott, was hätte das für ein Film werden können.
Die Geschichte des legendären Studio 54 in New York, DIE Diskothek überhaupt während der großen Disco-Ära zwischen 1977 und 1980.
Skandale. Sensationen.Stars. Sex. Drogen.
Mike Myers in der Rolle des homosexuellen/bisexuellen Clubbesitzers Steve Rubell.
Neve Campbell...
Salma Hayek...
Ryan Phillipe...
...alles aufstrebende Jungstars...
Aber dieses Drehbuch....aaaaargh!

Da geht es doch tatsächlich größtenteils um einen Jungen aus New Jersey, der es eines Abends mittels Ausziehen seines Oberhemds und Präsentierens des ansehnlichen Oberkörpers in den Club 54 schafft, dort eine Beschäftigung erhält und bald zu bekanntesten Oben-Ohne-Barkeeper von New York City avanciert, wo er sogar Titelblätter schmückt. Er findet Freunde(einige gute, viele falsche), nimmt Drogen, fällt auf die falschen Freunde rein, nimmt mehr Drogen, hat dann keine Freunde mehr, freundet sich stattdessen mit einem stargeilen Sexmäuschen an, das (oh, Wunder) außerhalb des Club ein ganz liebes und braves Mädchen ist, nimmt noch mehr Drogen und irgendwann kommt die Steuerfahndung und...the Party is over!

Wer da Schlechtes denkt, der hat völlig recht! Denn diesen Plot hätte kein (als ambitioniert geplantes) Filmwerk auf diesem Planeten verdient, schnuppert er doch streng nach einem billigen Groschenroman, abgeschmackt und klischeereich ist er auf jeden Fall.
Dabei arbeiten sich die Jungstars durchaus wacker durch das dämliche Drehbuch. Philippe macht sich ordentlich in der Rolle des Cocktailmischers, Neve Campbell bringt Sex-Appeal ein (mehr gibt die Rolle auch nicht her) und Salma Hayek macht nebenbei noch die besten Punkte als gute Freundin. Aber gegen diesen Berg von Seventies-Klischees ist jede Mühe umsonst.

Wirklich aufregend wäre jedoch ein ausführlicher Blick hinter die Kulissen des Studio 54 gewesen, wo Mike Myers, vielleicht in der ernsten Rolle seines Lebens, die Fäden zieht. Ständig unter Drogen stehend und kaum noch selbstkontrolliert, wird er nur alle zehn Filmminuten mal eingesetzt und steigert durch seine bloße Präsenz das Niveau um einige Level. So ist dann auch sein Schicksal das einzige, daß den geneigten Zuschauer wirklich berühren kann.
Wenn er am Ende, aus dem Gefängnis wieder entlassen, noch einmal für einen Abend im 54 Platten auflegen kann, ohne daß ihm von dem Club noch etwas geblieben wäre und er maskenhaft starr lächelnd in die tanzende Menge schaut, können einem glatt die Tränen kommen.
Leider muß man sich bis dorthin durch 80 Minuten Film quälen, der nur erträglich ist, wenn man spaßeshalber vorhersagt, was als nächstes geschehen wird.
Das Opus ist mit nicht einmal 90 Minuten doch beträchtlich kurz, was auch an zahlreichen Kürzungen liegt, die vom Studio in letzter Minute vorgenommen wurden, um eine schlechte Altersfreigabe(R-Rating) zu umgehen. Dazu gehörten noch einige Drogenkonsum- und Sexszenen, speziell wohl ein vieldiskutierter Dreier mit Neve Campbell. Ob da wirklich Skandalöses rausgeschnitten wurde, darf bezweifelt werden, wenn man bedenkt, was beim in der gleichen Zeitepoche angesiedelten "Summer of Sam" alles dringeblieben ist.
Den Film hätte es wohl kaum gerettet.

Auf der positiven Seite sind außer Myers noch zu vermerken: die guten Bauten und die treffende Atmosphäre innerhalb und außerhalb des Clubs. New York in den Siebzigern wurde selten so treffend dargestellt, außer vielleicht in "Fame". Auch die Musik ist hervorragend, natürlich nur, wenn man Disco-Liebhaber ist.

So seid denn alle gewarnt, die ihr unter Umständen auf das Videocover reinfallen könntet. Drinnen steckt kaum Skandalöses, dafür um so mehr Extraseichtes.
Für Leute, die keine Erwartungen haben und Melrose Place für eine Art Bildungsfernsehen halten. (4/10)

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