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Ihre Mutter trinkt, bringt ihr Verachtung entgegen und warnt sie vor der Männerwelt, in der Schule ist sie die Außenseiterin bis sich an ihren Peinigern rächt. Und dennoch heißt die Hauptfigur diesmal nicht Carrie sondern Michelle.
Der Stoff ist also nahezu derselbe, nur die Umsetzung ist im Vergleich zu Brian De Palmas Werk eine dilettantische Gurke mit Nervfaktor.

Michelle tritt ihren Rachefeldzug an, weil sie während einer Party von drei Typen rund um Aaron vergewaltigt wurde. Anschließend werden die Tatsachen verdreht und Michelle als Schlampe dargestellt, was mit weiteren Plakaten und Schmierereien an ihrer Schule untermauert wird. Michelle kommt alsbald ihrem vermeintlich miesen Ruf nach, stylt sich zur Bitch um, auf dass nach und nach ihre Peiniger der tödlichen Verführung erliegen.

Mit der grauenhaft unnatürlich betonten Synchro kann man leben, da lässt sich schließlich die Tonspur umstellen, die Darsteller lassen sich hingegen nicht austauschen.
Allein die Wahl der Hauptdarstellerin ist eine Frechheit. Mit null Ausstrahlung und dem Erscheinungsbild zwischen durchzechten Spears/Hilton wird nicht eine Spur erotischer Anziehungskraft ins Spiel gebracht. Das geht dann soweit, dass Michelle irgendwann mit Schulmädchen-Rock, pink-durchsichtigem Oberteil und dunklem BH drunter auf einem Auto hockt und albern an ihrem ebenso pinkem Lolli schmöttkert.
Andererseits, dazu passt das Niveau der Typen: „Wir bumsen Cheerleader und keine Sozialfälle.“

Auf dieser Ebene muss man einige Zeit völlig hölzerne Dialoge während einer Party über sich ergehen lassen, da werden billigste Fummel – und Knutsch-Szenen eingebaut, Beziehungsprobleme und Eifersüchteleien ausgetauscht, bis es schließlich zur Vergewaltigung kommt. Und die unterbietet sogar noch Vorangegangenes, da eine völlig abgefüllte Tusnelda im Halbschlaf und ein Vergewaltiger mit Hose an und ungeöffnetem Gürtel mit einschläfernden Auf und Ab -Bewegungen nun so gar nicht die erforderliche Abscheu entstehen lässt. Besser wird´s aber kaum noch, denn irgendwann ist nahezu eine Stunde Laufzeit verstrichen und noch kein einziger Mord geschehen.

Da der Höhepunkt sämtlicher Kills eine 0,4 Sekunden Enthauptungsszene im Halbdunkel darstellt, mag man sich ausmalen, wie mies erst der Rest montiert wurde: Ein Messerstich, bei dem nicht ein Tropfen Blut fließt und das Erschlagen mit einem Buch (nur der erste Schlag wird angedeutet) sprechen quasi Bände über den nicht vorhandenen Goregehalt.
Und so findet der dramaturgisch spannungsfrei inszenierte Rachefeldzug auf einer Halloween-Party sein Ende, auf der Michelle (mit Jason-Maske getarnt) allen Anwesenden völlig unbemerkt Zeug in die Drinks mischt, um sich final am Haupttäter zu rächen.
Wer hier nicht überlebt oder ungeschoren davon kommt, interessiert bis dahin jedoch schon lange nicht mehr.

Stephen Kings erdachtes Carrie-Schema ist prinzipiell ein mehrfach taugliches, -Außenseiterin wird gedemütigt und schlägt mit blutiger Gegenwehr zurück -, doch bitte nicht unterhalb jeglichen TV-Niveaus.
Grauenhafte Mimen, weniger als belanglose Dialoge, null Suspense und ein Erzähltempo zum Wegpennen.
Da soll sich mal kein Regisseur über seinen schlechten Ruf beschweren…
2,5 von 10

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