Wenn man einen Episodenfilm mit einer solchen an „Pulp Fiction“ angelehnten Erzählweise aufzieht, muss man sich selbstverständlich herbe Kritik gefallen lassen.
Regieneuling Scott Storm hat zwar eine Menge von Tarantinos Werk übernommen, jedoch fehlen ihm die eigene Note und der gewisse Pepp, um sich vollends von einer halbwegs brauchbaren Kopie abzuheben.
Dilettantisch ist „Ten ´til Noon“ aber keineswegs ausgefallen.
Jede Episode steigt um 11:49 ein und endet um 12:00, dabei werden diese zehn Minuten nachfolgend aus verschiedenen Blickwinkeln der Beteiligten präsentiert.
Es beginnt damit, dass Jungunternehmer Larry (Rick D. Wasserman) von Mr. Jay (Alfonso Freeman, Sohn von Morgan Freeman) und der schweigenden Miss Milch in seiner Wohnung aufgesucht und anschließend erschossen wird.
Nachfolgend lernen wir die Ehefrau des Erschossenen kennen, die kurz vor Mittag einen Fremdgehfick hat, dann zwei Wichser (muss man wörtlich nehmen), die ihr Treiben (das der Fremdgeherin) auf Überwachungsvideo aufgenommen haben, danach die Auftraggeber und deren Helfer und am Ende kehren wir zum ursprünglichen Tatort zurück, um letztlich die kompletten Zusammenhänge zu begreifen, - oder auch nicht.
Denn so sehr die Geschichte um eine originelle und zuweilen auch gut durchdachte Erzählweise bemüht ist, so schwach und mit fehlender Konsequenz ist dann die Auflösung des Ganzen, auch wenn es noch einen kleinen Plot-Twist zu vermelden gibt.
Die Handlung setzt im letzten Kapitel um 12:03 ein und konfrontiert den Zuschauer mit angedeuteten Fakten, die keine wirkliche Auflösung und wenig aufschlussreiche Details offenbaren. Es wirkt beinahe so, als sei dem Drehbuch die Luft ausgegangen, was sich leider auch bei einigen Episoden äußert, die einfach zu wenig Relevanz zum Kern der Geschichte aufweisen (die beiden Typen, die das Überwachungsvideo auf ihre Art „genießen“ sind allenfalls Lückenfüller, um ein unbedarftes Publikum zu schocken).
Dazu ein Typ in einer Limousine, der zu einem Banküberfall gebracht wird, von dem im Nachhinein aber nichts mehr zu sehen ist.
Aber immerhin: Der Einstieg weckt augenblicklich das Interesse des Zuschauers, Opfer Larry dreht und windet sich und kann den Hintergrund seiner Situation überhaupt nicht begreifen, Killer Jay gibt sich cool wie einst Sam Jackson und kurz darauf spritzt Blut.
Dass in fast jeder Episode telefoniert wird, ist natürlich gewollt, denn so klingelt beispielsweise in Episode Zwei ein Handy und in Episode Drei erfahren wir, wer die Person am anderen Ende der Leitung war.
Die sorgfältige Kameraarbeit und das gute Timing bauen zuweilen clevere Zusammenhänge auf.
Demgegenüber wirkt die offen angedeutete Sexualität oft aufgesetzt oder gar klischeehaft, während das bei der aggressiv handelnden Fremdgeherin noch anspricht und ein Schmunzeln entlockt, verursacht ein schwuler Auftraggeber allenfalls gleichgültiges Schulterzucken und der Mafiagreis mit seinem Silikonblondchen eher ein Gähnen, - zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als sie eine Faust ins Gesicht bekommt.
Der karg eingestreute Humor zündet nur selten und wirkt konstruiert, in derberen Szenen wird man jedoch hin und wieder überrascht.
Die darstellerischen Leistungen bewegen sich mehr oder minder im brauchbaren Bereich, zumal die meisten Figuren kaum mehr als zehn Minuten Screentime haben.
Alfonso Freeman empfiehlt sich mit seinem Kurzauftritt durchaus für weitere Rollen, George Williams ist als schmieriger Pate recht überzeugend, nur ein Erschossener (Namen nennen, hieße spoilern) atmet nach seiner Ermordung noch einmal auffällig.
Nein, das ist schon unterhaltsam, einen Film so aufzuziehen, dass zu Beginn jemand erledigt wird und Schritt für Schritt die Gründe und Zusammenhänge für dessen Tod ans Tageslicht kommen.
Es gibt ein paar coole Typen, ein paar lässige Szenen, auch ein paar, die provozieren wollen, aber kaum zünden, und insgesamt natürlich den Vorwurf, mit diesem Streifen kaum etwas Eigenständiges auf die Beine gestellt zu haben.
Wer jedoch von „Pulp Fiction“ nie genug bekommen kann und das Werk eines Trittbrettfahrers nicht gleich als Gotteslästerung ansieht, sollte einen Blick riskieren.
Gelungene Ansätze bietet er auf jeden Fall.
6 von 10