Es ist relativ egal, von welcher Seite aus man sich „A Scanner Darkly“ nähert, schwierig wird es auf jeden Fall.
Konstatieren kann man, daß Richard Linklater mit seiner Verfilmung sich noch am stärksten dem echten „Dick“ angenähert hat, der in Hollywoods Mega-SF-Produktionen eigentlich immer bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wird. Eins seiner Lieblingsthemen, die Unsicherheit über die eigene Identität, kombiniert mit dem Drogenkonsum, dem Dick selbst lange nicht widerstehen konnte, kommt hier endlich mal pur auf die Leinwand, veredelt von Linklaters Idee, wie bei „Waking Life“ die Szenen erst real abzudrehen, um sie dann anschließend zu übermalen, ohne das die namhaften Darsteller dabei unkenntlich gemacht würden.
Die Story an sich ist dabei nur ein Nährboden für Paranoia, der mit einem ständig sich verändernden Anzug getarnte Polizist, der sich eigentlich selbst jagt, weil er aufgrund seines Drogenkonsums die Identitäten nicht mehr unterscheiden kann, ist ein guter Aufhänger, findet aber kaum Entsprechung im weiteren Verlauf der Handlung und faßt den Gesamteindruck auch nur unzureichend zusammen.
Und hier liegt dann auch gleich das größte Problem von Linklaters Film: er bleibt stets schwammig, sehr persönlich und gleichzeitig an niemanden adressiert.
Mag die Animationstechnik von Interesse sein und durch die Visualisierung dem Drogentrip ein neues Outfit verpaßt werden, so bleiben die Figuren dennoch emotional auf Film stark unterentwickelt.
Dazu kommt, das die Story abgesehen von den persönlichen Bezügen auf den Autor geradezu ein „So what?“ provoziert.
Der überwiegende Teil der Story konzentriert sich auf die relativ monotonen und niemals zwingenden Befragungen auf dem Revier und die paranoia- und verfolgungswahngeschwängerten Labereien der Drogen-WG. Letztere werden von Woody Harrelson und besonders Ex-Drogie Robert Downey jr. zwar prima durchgespielt, treten aber dennoch beständig auf Stelle.
Das soll heißen: in diesem Film passiert relativ wenig und der Zuschauer bleibt ständig zappelnd am Haken hängen, wohin das Ganze nun führen soll.
Daß sich ein Cop hier selbst bespitzelt ist bald klar, die Dialoge sind jedoch so kurios wie redundant (sollte die Darstellung desselben gerade die Absicht gewesen sein, ist der Film gelungen). Eingefügte Zwischenhandlungen von religiösen Wahnvorstellungen sind sogar noch überflüssiger im Kontext und erst in den letzten 15 Minuten nimmt der Film dann plötzlich eine Plotwende und fügt dem bisherigen Geschehen noch ein Anhängsel an, das ebenfalls persönlich motiviert wirkt, aber im Verhältnis zur Restgeschichte total aufgesetzt wirkt.
Bleibt die Frage, warum man (nachdem man den Film gesehen hat) gerade diese Geschichte auf Zelluloid bannen mußte, außer um dem Autor bzw. seinen Angehörigen einen Gefallen zu tun, und dessen Weltsicht mal filmisch korrekt dargestellt zu sehen.
Weder inhaltlich, noch kritisch, noch auf einer Ebene der Unterhaltung kann man mit „A Scanner Darkly“ wirklich substanziell etwas anfangen, der Film bleibt so schwammig wie ein Drogenrausch, aber niemals so fiebrig und abgedreht.
Der schleppende Ton und die anstrengende Optik tun ihr Übriges, um den Film entweder für einen kleinen Kreis als „faszinierendes Meisterwerk“ einzunorden oder für die große Masse als „zähe, überflüssige Merkwürdigkeit“, die den Interesselevel niemals richtig hochhalten kann.
Für Dick-Liebhaber und alle Angehörigen sicherlich die lang erwartete Verbeugung vor dem Werk, Leben und Leiden des Autors, das sagen uns schon die Schlußtitel, ansonsten funktioniert der Film in seiner Radikalität aber nur bedingt bzw. punktuell.
Entscheiden muß das jeder für sich selbst, mir persönlich kommt das Ergebnis schlicht überflüssig vor. Und langweilig. (4/10)