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Erster Teil und somit Startschuss und Ausgangsvorlage einer inhaltlich zusammenhanglosen, aber durch mehrere indirekte Faktoren wie die Replik von Schauplätzen, Drehteam und erzählerischen Grundmotiven sichtlich miteinander verbundenen Trilogie, die von Regisseur Yip Hing-fai ein Jahr darauf mit den noch schmierigeren Sex Flower (1993) und Astray Lamb (1993) fortgeführt wurde. Dabei ist der vorliegende Four Dragons Time [AT] eindeutig der Beste der Trinität, was nicht nur an der eifrig herumwuselnden Besetzung und ihrer einmaligen Adelung durch die ebenfalls aktiven Chin Siu-ho und Ken Lo in den Hauptrollen, sondern auch an dem stark hervor scheinenden Augenmerk auf viel Martial Arts und einige banalere Shootouts liegt. Die Geschichte dafür ist und bleibt auch folgend nur ein hohles Fass ohne Boden, eine irreale Erfindung, wider die Gesetze der Alltagsvernunft:

Frisch aus dem Gefängnis ent- und von seiner Ehefrau verlassen, darf sich Lee-long [ Ken Lo ] bei seiner Heimkehr gleich dem nächsten Problem widmen. Angestachelt von Liou [ Ku Feng ] und begleitet von Shau-hu [ Cheung Kwok-leung ] begibt er sich auf die Jagd nach einer bei Su-zi [ William Duen ] befindlichen Schatzkarte und der so versteckten Beute. Rasch stoßen sie auf den gleichso beauftragten Neo-pi [ Mang Ding-goh ], den bereits vorher los gesandten Shar-ju [ Alan Ng ], zwei schusswütige Mädels mit Racheansinnen im Gedanken und den über diesen kriminellen Ehrgeiz wachenden Officer Bau [ Shum Wai ]. Als die ersten Toten purzeln und die Gegnerschar trotzdem nicht kleiner wird, wenden sie sich hilfesuchend an den gemeinsamen Freund Shau-hau [ Chin Siu-ho ] und Lee-longs Schwester Ah-chu [ Chan Wing-chi ].

Der Schatzkartenplot wird dabei sogar in der Historie verankert, was dem Film in einer kurzen "Rückblende" gleich zu Beginn die Gelegenheit gibt, die ersten und auch gleich teuersten Actionszenen in Form einer stock footage Zusammenfassung von Revenge of Scar Face (1992) zu präsentieren, in der mit Großkalibern, viel Radau und Explosionen geprotzt, die dazu gehörige Quellenangabe und der Sinn und Zusammenhang dessen allerdings leider verschwiegen wird. Auch in der nahen Zukunft wird sich nicht viel um die Logik dahinter, sondern einzig ein ständiges Kommen und Gehen aller Parteien in einer Laubenpieperkolonie und somit auch ständiges Aufeinandertreffen und die Klinke in die Hand geben geschert. Hier ist die Welt noch ein Dorf, ein Stelldichein im "Once you are home, the trouble is home too" - Stil, stößt man nur beim Gehen um die nächste Ecke auch schon auf das nächste Geschmeiss und wird keine 5m weiter den Weg auch schon von irgendwem von hinten beschossen. Eine platzsparende und gleichzeitig raumgreifende, da die wieder mal hässliche Gerümpel-Örtlichkeit mit schäbigen Hütten im blaßgrünen Winkel. Eine schnell überfüllende und durch das konstante Echo in selber Kulisse bald ins Leere katapultierende Dramaturgie bar jeden Verstandes. Am Rande einer unfreiwilligen (?) Komödie auch, die noch durch dann allerdings intendiertes comic relief zweier herumstreunender und eher nichtsnutziger Polizisten noch zusätzlich gewürzt wird.

Immerhin vergeht so die Zeit trotz wenig Aufbau und wenig Gerede, wird sich in dieser lokalen Abgeschiedenheit (der New Territories ?) und seiner zusammengestoppelten Behausung aus Gartenanlage, Zeltlager und Schuttverhau mehr als eifrig um den MacGuffin und seine Bewandtnis und so die Bedingungen einer B- bis C- Produktion perfekt entlanggehangelt duelliert. Quasi die Dauerbeschäftigung im Müll, zu einer musikalisch restlos geklauten Endlosbeschallung aus Seifenopern mit treibenden Spitzen von Lucasfilm Ltd.; eine unterhaltende und unterhaltsame Bequemlichkeit der Simplizität, die in den beiden Nachfolgern im Grunde auch fortgeführt, dort allerdings mit anderen Mitteln zelebriert wird. Denn wo dort das [S]Eploitationterrain regiert und sich vielmehr im Bett und anderen horizontalen Unterlagen ausgetobt und der Machtkampf erst als Zweitwichtigstes im Tagesgeschehen degradiert wird, wird hierbei bei dergleichen Gelegenheiten die Möglichkeit zu Strip und Straps im ordinären Charme, Nacktheit und Mehr glücklicherweise nur angedeutet. Eine dankbar angenommene Abwechslung und so auch deutliche Aufwertung zum später vorherrschenden Matratzengestöhne im Minutentakt, zumal die Actionszenen selber nicht nur quantitativ bald erstaunlich hoch, sondern auch qualitativ zumindest in Anbetracht der Herkunft soweit in Ordnung gehen.

Assistant Director Mang Ding-goh darf mit Chin, Lo und Cheung über Talente in der Schauspielerschar und einige ebenfalls fähige Leute unter den Stuntmen sowie über mehr Ausschweifung in der Anlage verfügen, was mit vergleichsweise durchaus attraktiven, auch energischen und trotzdem die Form bewahrenden Gekloppe in Baracke und freier Natur quittiert wird. Unsinnig und auch albern und damit inkonsequent sind dafür die Schusswechsel, wird trotz Einsatz von MP und anderen Feuerwaffen auf engstem Raum das direkt vor einem stehende Ziel in mehreren Einsätzen verfehlt; während das Handgemenge selber – warum auch immer – durch ständig eingespielte, zwei- bis gar vierfache Framewiederholungen ebenfalls empfindlich im Genuss gestört, wenn auch nicht gleich hin zur Parodie massakriert wird.

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