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Aufgrund Herkunft, Jahreszahl und Einordnung mild interessanter, aber letztlich reichlich belangloser bis verkrampfter Komödienausflug von Filmemacher Tony Liu, der sich seine Meriten drumherum in Martial Arts und Swordsplay - Geschichten und danach vor allem im girls with guns Bereich um Yukari Oshima und Moon Lee geholt und dort als Radaubruder auch verdient gemacht hat. Die hiesige Reise in eine Zeit der Auflösung und Umwandlung, in ein Abschiednehmen noch vor dem Neubeginn verläuft dabei eher als Anleihe an frühere Arbeiten von Wong Jing, der sich zuerst mit allerlei Gauner- und Spielerkomödien wie Mahjong Heroes (1981, nur Autor), Notorious Eight (1981, nur Autor), Challenge of the Gamesters (1981) oder Winner Takes All (1982) verdient und so dem bald notleidenden, hier als Distributor vertretenden Shaw Brothers Studio den frischen Wind auch im modern day Bereich gebracht hat. Lius Variante, produziert von United Productions Ltd., verliehen von Shaw Brothers (Hong Kong) Ltd., hat sicherlich Vieles, aber nicht diese Lebensgeister, auch nicht die Ideen dafür und (erstaunlicher- und enttäuschenderweise) noch nicht einmal die Action:

Um 1960 herum bieten die drei Gauner Chang San [ Richard Cheung Kuen ], Li Si [ Henry Yu Yung ] und Liang [ Tony Liu ] der Hehlerin Sister Hu Jin [ Woo Gam ] den "double-faced God", eine gestohlene Goldstatue zum Kauf an; als Hu den Preis auf ein Zehntel dessen drücken will und bei dem anschließenden Mahjongspiel darum gewinnt, entbrennt ein kurzer Streit, der sie als endgültige Siegerin und Besitzerin des wertvollen Kunstwerkes, die drei Diebe dafür tot am Boden zurücklässt. 24 Jahre später treffen die jeweiligen Nachkommen per Zufall aufeinander, der Kleinkriminelle Chang Ren-long [ Leung Kar-yan ], der Hochstapler Li Jia-chen [ Anthony Lau Wing ] und die bei der nunmehr schwerkranken Hu Jin als Assistentin tätige Suzie Liang [ Angile Leung ]. Auch durch den letzten Willen ihrer scheidenden Vorfahren und dem inneren Gefühl nach Rache verpflichtet, beschließen sie einen gemeinsamen Einbruch in Hus schwerbewaffnete Villa. Als Hindernis zum Ziel erweisen sich mehrere geheime Technikvorrichtungen und die dort aufhaltenden Shark [ Lee Hoi-sang ], "Bulldozer" Wang Li-da [ Lo Lieh ] und Hus extra aus den USA angereister Sohn Tony [ Wong Yu ], der zudem mehr als ein Auge auf die adrette Suzie geworfen hat.

Schon zu Beginn merkt man mit einer eher düsteren Gesinnung im schäbigen Hinterhofzimmer auf, die auch prompt drei Tote, ebensoviel hochschwangere Witwen, potentielle Waisen und den vererbten Gedanken an Rache im Raum zurücklässt; eine für das angestrebte Genre des Lachens und Befreiens in der Unterhaltung eher ungute Prämisse, die nicht nur ausgehend dessen auch nicht wirklich mehr den Umschwung in harmloser Albernheit schaffen kann oder möchte. So wird sich zwar in gleich mehreren Ebenen mit Scherz und Pointe bemüht, aber bleibt dies auch ständig bei dem Bemühen, dem Inanspruchnehmen vermeintlicher amüsanter Voraussetzungen und Situationen, die aber so schon nicht wirklich auf dem Papier noch im Dreh noch im Spiel tatsächlich fröhlich oder köstlich wirken. So wird sich zwar auch mehrmals in die Verkleidung wie bspw. Arzt und Krankenschwester, dort inklusive cross-dressing, oder auch Scheich und Erster Assistent, hier mit Schuhcreme im Gesicht, einem Harem leichtbekleideter weiblicher Langnasen im Konvoi und einer radebrechenden Phantasiesprache als Tarnung geworfen, stellt dies aber weder automatisch noch in der vorhandenen Umsetzung einen großartigen Erfolg dar. Närrisch ja, übermütig auch, fidel und frohsinnig sicherlich nicht.

Auch der Rest des Humors dreht sich um Verwechslungen in schlecht sitzenden Anzügen, Laufen in das Offensichtliche und Geraten in das Peinliche, wobei das Ganze dankenswerterweise für die Gesinnung immer mehr oder minder in den narrativen Plan und so nicht zu störend in der Handlung auf-, aber bestimmt nicht gleich gefällt. So ist der Diebeszug in seinem trial & error Verfahren immerhin noch maßgeblich und auch nicht langweilig genug, um das 85min Skript trotz aller Durchschnittlichkeit doch noch am Leben zu erhalten. Optisch erfolgt der Lichtblick dabei fast einzig durch Newcomerin Angile Leung, die nicht nur am Beschwingtesten und so auch Belebendsten, sondern zusätzlich auch mit viel Charme und nacktem Bein auftritt. Vieles Andere versinkt in einem für die Zeit typischen trüb-grauen Brei, trotz einem buntgemeinten Geschehen mit entseelten, geradezu deprimierenden, da verwaschen wirkenden Kolorit, dessen Blässe nur selten und geringfügig durch die Feiergesellschaft mit kurzen Schauplatzwechseln zu Nachtclub, Casino, Restaurant mit Bar aufgefangen wird. Eine im Nachhinein schon fast postmodern-vorapokalyptische Betonung, die mit diversen verbalen ("Hong Kong is a mess right now.", "You're emigrating anyway.", "We'll come back after 1997." ) oder optischen (das 1997 nicht nur verbal, sondern auch an der Tür des Todes) Hinweisen noch verstärkt, aber trotz durchaus vorhandener Waffenpräsenz und vielerlei Option auf Mehr nicht mit dem Ausbruch von Action oder Gewalt akzentuiert wird. Sowieso ist das Ganze seltsam höhepunktlos, mit nicht einmal einem Showdown oder wenigstens dem Blick in diese Richtung hin inszeniert.

So auch geographisch eher klein und begrenzt gehalten, wird sich aber gar nicht mal unpassend zumeist auf den Handlungsort von Hus Villa, seinem verzweigten Innenausbau und noch dem kleinen Außenpool davor und personentechnisch auf die Dreierbeziehung von Mann, Mann und Frau beschränkt. Auftakt für allerlei Kabbeleien und Versteckspielchen, sowohl hier als auch da, was noch halbherzig mit einer ganz schnellen buddy picture Untermalung und eben den fraulichen Vorzügen der jungen Angile Leung bereichert wird.

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