Der bekennende New Yorker Woody Allen in England - das kann ja nicht gut gehen. In "Match Point" widmete er sich noch den verwinkelten Wegen der hiesigen Upper-Class und opferte eine Amerikanerin auf dem englischen Altar, doch jetzt ist Woody selbst in England und wird mit der geballten Wucht der englischen Eigenarten konfrontiert...
Und so ist es auch nicht erstaunlich ,daß der Geist eines verstorbenen Starreporters einen Hinweis aus dem Jenseits gibt, um wen es sich bei dem "Tarot-Karten Mörder" handelt, einem legitimen Nachfolger Jack the Rippers, der schon eine Vielzahl von Prostituierten mit kurzen braunen Haaren gemeuchelt hat.
Ausgerechnet die junge amerikanische Journalistikstudentin Sondra Pransky (Scarlett Johansson)wird von dem Geist angesprochen und wittert einen großen Knüller dahinter. Nur dumm, daß es sich bei dem Verdächtigen um ein besonders angesehenes Mitglied der englischen Gesellschaft handelt - dazu noch sehr gut aussehend und charmant - und das der einzige Hinweis von einem Verstorbenen handelt. Selbst die englische Polizei - notgedrungen an viele Skurrilitäten gewöhnt - kann mit einer solchen Beweislage kaum eine Verhaftung vornehmen.
Sie versucht ihren amerikanischen Landsmann, den Zauberer Splendini (Woody Allen) zur Mithilfe zu überreden, da ihr schließlich in dessen Zauberkoffer der Geist begegnete, doch dieser wehrt sich mit seinem gesunden amerikanischen Verstand gegen solcherlei Ansinnen bis ihm auch der Geist erscheint und er zugeben muß, daß hinter all diesen englischen Spinnereien auch eine gewisse Realität verborgen ist.
Sie geben sich als Vater und Tochter aus, gelangen dank der Kontakte von Sondras Freundin schnell in die gehobenen englischen Kreise und begegnen so dem smarten Peter Lyman (Hugh Jackman), den sie dank des gespenstischen Hinweises für einen Serienmörder halten. Ihre Nachforschungen können beginnen...
Der gesamte Film ist ein ständiges Spiel zwischen Realität und Fantasie.
Da ist zum Einen der Amerikaner Woody Allen, der alles kommentiert und jeder Situation noch seine Meinung hinzufügt. Das ist nicht nur oft äußerst witzig, sondern wirkt häufig wie eine überdrehte Spinnerei eines England-Phobikers - tatsächlich stellen sich zum Schluß gerade seine unwahrscheinlichsten Aussagen als Realität heraus.
Zum Anderen wirkt Scarlett Johansson mit großer Brille und teilweise nervös überdrehtem Auftreten oft wie die Karikatur einer Journalistin, dann ist sie wieder erstaunlich tough. Dazu changiert sie ständig zwischen leicht verhuschter Brillenschlange und sexy Verführerin und so kann es Woody Allen auch nicht lassen, uns mit besonders besetzten Klischees zu konfrontieren, wenn zum Beispiel Peter ihr vor dem Kuss erst die Brille abnimmt.
Hugh Jackman als Verdächtiger spielt einerseits einen völlig integren Charakter mit ehrlichen Absichten, andererseits gibt es immer mal kleine Widersprüche in seinem Verhalten, die aber nicht eindeutig zu interpretieren sind. So hält Allen dieses doppelbödige Spiel bis zum Schluß amüsant durch, immer wieder gewürzt von witzigen Bonmots aus seinem Mund und überraschenden Wendungen in der Story...
Gesellschaftskritik oder sonstige weitläufigen Gesichtspunkte kommen in "Scoop" nur am Rande oder sehr versteckt vor, Allen konzentriert sich hier mehr auf menschliche Eigenarten und dem dazugehörigen Spiel mit unseren Erwartungshaltungen und Vorurteilen.
Dabei ist der Film ruhig inszeniert und kommt ohne besondere dramatische Momente aus. Lakonisch und souverän erzählt Allen eine völlig lineare Story, deren Komplexität sich erst im Nachhinein richtig erschließt. Erst dann bemerkt man ,daß Alles seine Berechtigung hat und zu einem schlüssigen Ganzen zusammen fließt.
Fazit : ein Film wie eine Fingerübung eines reifen Meisters.
Wir bekommen Woody, so wie wir ihn schon immer kannten, aber leichter, weniger penetrant und weniger im Mittelpunkt.
Wir bekommen Scarlett, attraktiv und sexy, aber auch sehr komisch und manchmal fast linkisch.
Wir bekommen Hugh, Womanizer wie gewohnt, aber auch ruhig und gesetzt und vielleicht mit einem dunklen Geheimnis.
Aber vor allem bekommen wir einen Film ohne übertriebene Aussage, fast so leicht, daß man ihn schnell wieder vergessen könnte, aber dabei intelligent ,witzig und souverän inszeniert - es bleibt ein gutes Gefühl zurück, einfach weil man mit Qualität unterhalten wurde (9/10).