Es ist zwar noch ein Monat hin, aber dank unangenehmer Sneak-Erfahrungen kann ich ja schon mal präventiv vorwarnen, was der Wind aus Frankreich da demnächst zu uns rüberwehen wird.
Die Rede ist von „Sky Fighters“, Frankreichs Antwort auf eine Frage, die vor 20 Jahren „Top Gun“ nie gestellt hat.
Fliegerfilme haben es ja wie Autofilme eh schwer, da sie sich nur an Adrenalinfreaks wenden, bzw. an den weiblichen Publikumsanteil, der sich von dem draufgängerischen Hauptdarsteller mal schwer beeindrucken lassen will, weil der ja mit dem (harten) Steuerknüppel so gut umgehen kann.
Das mag bei „Top Gun“ noch funktioniert haben, weil Tom Cruise ja nun (aus mancherlei Frauensicht gesehen) wirklich zum Anbeißen aussieht, so mit Fliegerjacke und Sonnenbrille oder in weißer Air Force-Uniform. Leider spielt „Sky Fighters“ in Europa und da tragen die Jungs eine unattraktivere Kombi, fahren nicht Motorrad, haben unbequem aussehende Uniformen an und Benoit Magimel, den viele aus „Das tödliche Wespennest“ oder „Die purpurnen Flüsse 2“ kennen werden, ist nicht Tom Cruise.
Und das wird er auch nicht werden, wenn er sich in Hauptrollen wie dieser weiterhin einen schmalen Schnauzer verpasser lässt, der sogar in Pornofilmen der 70er uncool war und selbst mir das Prädikat „sieht irgendwie schwul aus“ entlockt.
Abgesehen also von dem Schüttelfrost, den die Hauptrolle schon optisch verursacht, macht der Rest des Films auch viel Freude. Denn wer mal wieder einen überhaupt nicht überkonstruiert wirkenden, total überladenen und hoffnungslos wirren Thriller aus Militärbereich sehen möchte, der kann hier tagelang feiern.
Das fängt ja noch brauchbar an, als eine neu entwickelte Maschine gestohlen wird und unsere zwei Helden der Lüfte die Kiste abschießen. Von da an gibt’s die doppelten Böden dann stapelweise. Spionageabwehr, Militär, Waffenhändler, wirtschaftliche Interessen, Doppelagenten, Austauschpilotinnen aus den USA und ja, logo, natürlich auch noch terroristische Zellen mit einem ganz wilden Anschlagsziel.
Den Murks jetzt hier in Einzelheiten nachzuerzählen wäre nicht nur unmöglich, sondern auch noch der Ehre zuviel getan, aber unsere Helden sind definitiv nur Figuren in einem bösen Spiel, das alle 20 Minuten eine neue Wendung kriegt, dürfen aber im entscheidenden Moment immer noch den Tag retten.
Zwischendurch gibt’s natürlich auch noch die üblichen Zutaten, also die Krise mit einer alten Flamme (auch Pilotin), der Testflug mit der erst biestigen, aber dann doch bettfähigen Abwehrchefin, viele Flugeinlagen; der Freund, der seinen Job aus Solidarität gleich mitopfert (und der, dieses Klischee hat man vermieden, nicht stirbt) und reichlich mysteriöses Gelaber.
Selbiges ist auch der Grund, aus dem die Hälfte des Publikums haareraufend fliehen wird, ehe der Großanschlag am Ende überhaupt mal droht, denn entsetzlichere Dialoge habe ich schon lange nicht mehr gehört, irgendwo totaler Hirnlosigkeit, Einsatzbrocken aus jedem beliebigen Politthriller und ernstgemeinten Sätzen, die dermaßen vierdeutig sexistisch und sexuell verbrämt sind, dass man sich vor Lachen in seinen Nebenmann verbeißen könnte.
Geliefert wird das alles in einer beispiellosen Ernsthaftigkeit, die alles nur noch drolliger wirken lässt, so dass die Rufe nach einem „Handlungsporno“ durch den ganzen Saal hörbar wurden.
Ungemein abgerundet wird das alles durch furchtbar schlechte Darsteller, wohin man auch sieht.
Als Trashhighlight kann man sicher die Lap-Dance-Szene ansehen, die von einer (übrigens nicht sonderlich attraktiven) US-Pilotin (klar, die haben früher alle in solchen Schuppen gejobbt) anstelle von einer üblichen Stange auf einem Jet vorgenommen wird. Da ist größer natürlich besser.
Daß dann doch noch ein Highlight vorliegt, dass dem Film zu 2 Ehrenpunkten verhilft, liegt an den Flugszenen, die man pflichtschuldig über den ganzen Film verteilt hat.
Die sind in der Tag hervorragend, bisweilen sogar atemberaubend und hängen die des Cruise-Films locker ab (was auch kein Wunder ist, denn 20 Jahre frische Technik machen sich eben bemerkbar).
Wem also bei solchen luftigen Kapriolen das Herz und die Hose aufgeht, der wird sich freuen dürfen, alle übrigen sollten jetzt schon mal die Beine in die Hand nehmen, wenn ihnen diese Klon-Frites über den Weg laufen sollten.
Ein deutliches Zeichen für die gegenseitige EU-Förderung, dass dieser Schwund im deutschen Kino anläuft, während wesentlich bessere Filme gleich auf DVD erscheinen.
Ich habe euch gewarnt. (2/10)