Review

Dass man die Filme Lucio Fulcis nicht unbedingt durch die FeministInnenbrille schauen sollte, im sich die Laune nicht zu verderben ist allgemein bekannt. Für die, die 1982 immer noch ahnungslos "Warum?" fragten legte der gute Mann in diesem Jahr "Der New York-Ripper" ab. Und stopfte auf einmal tausende altkluger Schnauze. Ja, auch meine.

Kurzvariante meiner Laufbahn mit dem Film: Trailer mit 16 gesehen, entsprechend verstört und angewidert den Film bis zum 18. Lebensjahr ignoriert, dann todesmutig geschaut (auf Youtube!!!) und für gut befunden. Zudem hätte ich das Glück, den Film zweimal bei semikegalen Kino Vorstellungen erleben zu dürfen, von der die erste mich mit einem scheinbar psychisch angeknacksten Sitznachbarn überraschte, der bei jedem Frauenmord des Filmes lachte wie eine Hyäne im Blutrausch. Späte Erkenntnis: Vor genau solche Typen hat uns dieser Film jahrelang gewarnt. Und als Dank dafür haben wir ihn in die Schmuddelecke verbannt und anschließend in den Indexkerker geschmissen wie den "Ihr werdet alle sterben!" - Landstreicher, auf den im "Freitag der 13." niemand hören wollte. Tja, das hat er nun davon.

In New York geht ein Serienkiller um, der alles mit zwei X -Chromosomen mit dem Messer niedermäht und seinem Modus operandi gerne lautstarkes Entengeschnatter hinzufügt und gerne telefonisch die Polizei verarscht. Vor allem im Rotlichtmillieu treibt der Mördererpel sein als fachmännisch beurteiltes Unwesen und hinterlässt tote Dirnen, siffige Tatort und ratlos Bullen wie den hartgekochten Lietnant Williams. Der sucht sich nach ersten Spuren Hilfe beim Psychologen Dr. Davis, einem unterkühlt - intellektuellen Dozenten und Schachfetischisten mit sinistren Zügen - wie so ziemlich jeder im Film.

Es braucht allerdings erst so einiger Lektionen in fragwürdigem Benehmen im Alltag - Straßenverkehr und Intimhygiene eingeschlossen -, bis die beiden Ermittelnden auf die Überlebende Faye und deren Freund Peter stoßen, die scheinbar knietief in diesem Fall stecken und... Ach scheiße, eigentlich kann ich den Killer doch spoilern, oder? Kennt doch eh jeder, den Streifen! Bis zur Auflösung, die mal wieder das Fulcigegenstück zum Happy End ist, schauen wir jedenfalls noch in einige Abgründe. Gespreizte, unrasierte, triefende Abgründe.

Mit einer Zeitmaschine wurde ich ja jetzt eine vertane Chance korrigieren und Fulci davon überzeugen, die Rolle des Killers mit Clarence Nash zu besetzen, der in seiner Rolle als Donald Duck austickt und nicht jugendfrei Verfehlungen im Namen der disney'schen Familienfreundlichkeit bestraft. Das wäre ja mal eine Poente äh Pointe gewesen, der OG-Donald Duck als Slasher vom Dienst. Fulcis Auflösung ist aber auch ein durchaus effektiver Tritt in die Nüsse, wenn auch nach heutigen Maßstäben pure Incelscheiße.

Sollte man zumindest denken. Aber bei näherem Hinsehen lässt sich feststellen, dass alle im Film agierenden Bevölkerungsgruppen - SexarbeiterInnen, Heten, Schule, Swinger - ihr moralisches Fett gleich weg kriegen. Oder anders: ausnahmslos JEDER, der Sex hat wird verdächtigt. Schon, dass Fulci hier nicht diskriminiert. Zumindest will ich mir das an der Stelle mal einreden.

Die Italovariante von "Maniac" macht bei Gott keinen Spaß, zumindest nicht im klassischen Sinne und steht psychologisch hinter dem William Lustig-Schocker zurück. In Sachen Dreck und Ekel überbietet Donalds Amoklauf aber sein offensichtliche Vorlage. Bei aller Sympathie zu dem Film muss ich aber auch zugeben, dass ich die einstige Beschlagnahme des Filmes nachvollziehen kann, denn der kleine Creep aus der Nachbarschaft, der trotz Pick up-Seminar keine abkriegt konnte sich hier unangenehm inspiriert fühlen. Hingegen der Zuschauer, der schlau genug ist, den Entenbraten nicht so heiß zu essen, wie er gekocht wird, darf sich eines mal wieder grandiosen Horrorfilme aus dem Hause Fulci erfreuen. Nur mal wieder nicht hierzulande. 

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