Western-Meister John Ford („Der schwarze Falke“) drehte im Jahre 1961 diesen nicht ganz so bekannten Vertreter dieses Genres. Es geht um den zynischen Marshall Guthrie McCabe (James Stewart), der mit dem idealistischen Armee-Leutnant Jim Gary (Richard Widmark) nach mehreren Weißen sucht, die vor Jahren von Komantschen verschleppt wurden. Dabei haben sie völlig unterschiedliche Gründe: Während sich Gary streng der Armee verpflichtet fühlt, Befehle ausführt, daran glaubt, was er tut und zudem geschehene Ungerechtigkeiten ausgleichen möchte, fühlt sich McCabe nur dem schnöden Mammon verpflichtet. So bilden die Beiden ein ungleiches Gespann, das tatsächlich einige „Entführte“ befreit. Diese haben jedoch mit ihrer neugewonnenen „Freiheit“ größte Probleme.
„Zwei ritten zusammen“ ist ein ungewöhnlicher Western und zwar aus mehreren Gründen: Zum Einen wäre da die dramatische Komponente. Während es viele andere Filme dieses Genres auf ausgedehnte Schießereien und viel Action anlegen, steht in „Zwei ritten zusammen“ eine kritische Behandlung mit den Indianern im Vordergrund. Die dramatische Komponente steht ganz klar im Vordergrund, der Schwerpunkt liegt auf den Reaktionen der Dorfbewohner auf die „Wiederkehrer“ und wie diese behandelt werden. Offener Rassenhass tritt zutage, obwohl (oder gerade weil) die „Geretteten“ ja keine geborenen Indianer sind, sondern nur über sieben Jahre bei Komantschen gelebt haben. Für einen Western ist die Story ungewöhnlich sozialkritisch.
Ungewöhnlich ist auch die Besetzung des Films. Nicht wegen der Darsteller, die John Ford wählte. Richard Widmark macht seine Sache sehr gut und routiniert, und auch James Stewart ist als einer der ganz Großen des Filmgeschäfts ein gern gesehener Westerndarsteller. Doch wie sich die beiden die Rollen teilen ist schon mehr als ungewöhnlich. Dass gerade Gutmensch James Stewart die Rolle des zynischen und geldgierigen Guthrie McCabe übernahm, überrascht schon sehr. Zwar wird Stewart am Ende nicht mehr ganz so unsympathisch sein, doch er ist meilenweit entfernt von seinen üblichen Rollen à la „Mein Freund Harvey“ oder „Vertigo“. Dennoch überzeugt er als zynischer Marshall, der nur an den Gott des Geldes glaubt durchaus. Seine lakonische Art nutzt er in diesem Film, um eventuelle Gewissensbisse seiner Rolle von sich abprallen zu lassen.
Der dritte große ungewöhnliche Aspekt liegt darin begründet, dass „Zwei ritten zusammen“ ein sehr ruhiger Western ist. Der oben schon beschriebene Mangel an Schußwechseln und typischer Westernaction führt natürlich auch dazu, dass der Rhythmus des Films ein anderer ist. *SPOILER ANFANG* Ein emotionaler Höhepunkt ist z.B. der Moment, in der ein Lynchmob den kleinen Komantschenjungen hängt, nachdem dieser seine „Mutter“ umgebracht hat. *SPOILER ENDE* Auch hier wird nochmal eine gewisse Nähe zum Drama deutlich, die den Film von anderen Westernproduktionen abhebt. Zudem kann der Film mit schönen Landschaftsaufnahmen aufwarten, die nicht durch den übermäßigen Gebrauch von Blei gestört werden.
Alles in allem ist „Zwei ritten zusammen“ nicht der bekannteste Western Fords und sicherlich auch nicht der spektakulärste Vertreter seiner Zunft, hat aber, wie oben herausgearbeitet, andere Qualitäten. Man hat die Möglichkeit, James Stewart in einer gegen sein Image gebürsteten Rolle zu sehen. Zudem bietet der Film einige Momente zum Nachdenken. Aus diesen Gründen ist „Zwei ritten zusammen“ durchaus eine Empfehlung auszusprechen, vor allem für Westernfans, die sich auch mal außerhalb von ausgetrampelten Pfaden „fortbilden“ wollen.
Fazit:
8 / 10