Der Erste, der Beste!
Zumindest was die Produktionen von „Dark Castle“ angeht, die Amerika und uns jedes Jahr zu Halloween mit einem neuen Film verwöhnen oder es zumindest versuchen, was die letzten Jahre betrifft.
William Malones Debutbeitrag der Filme, „Haunted Hill“ schaffte es bis auf Platz 1 und das ist auch schon mal eine Leistung für einen Horrorfilm. Und was noch besser ist: er bietet über weite Strecken tatsächlich brauchbare Atmosphäre, einige unheimliche Momente und sogar die nötige Portion Blut!
Natürlich keine Originalidee, basiert der Film auf dem Klassiker „The House on Haunted Hill“ des Billig-Effektiv-Altmeisters William Castle, der anno 1958 in ausgewählten Kinos Skelette an Schnüren durchs Publikum rasen ließ, während Vincent Price sich durch das Gruselkomplott wühlt.
Zwar hat man den Plot im Innersten so gelassen, aber sonst reichlich modernisiert. Die schönste Verbeugung ist sicherlich die Titelfigur, Stephen Price, der nicht nur eine Verbeugung vor Vincent ist, sondern auch noch genauso aussieht. Geoffrey Rush spielt den Horrormeister mit Style so höflich-hinterhältig-affektiert, das es undurchsichtig und augenzwinkernd gleichzeitig ist.
Stattfinden tut das alles in einer ehemaligen Irrenanstalt, in der ein offenbar geistesgestörter Arzt mörderische Experimente an inhaftierten Kriminellen durchführte. Und hier treffen sich nun diverse Leute, die nichts miteinander zu tun haben scheinen und sollen für eine Million die Nacht durchhalten. Nur schlecht, daß sie alsbald gar keine andere Wahl mehr haben...
Ausgehend von einem Rückblick auf die Meuterei der Insassen zu Beginn, der ein paar splattrige Momente bietet, stehen die Zeichen erst mal auf Spaß. Wenn Price zwei Reportern seine neue Achterbahn vorführt und in Todesangst versetzt (es handelt sich übrigens um die Sängerin Lisa Loeb und James „Spike“ Marsters), dann weiß man, daß man hier nichts ernst nehmen sollte.
Erst mal angekommen in der finsteren Festung, die da über dem Meer türmt, wird die Lage aber bald zunehmend grimmiger. Die Türen schließen sich, die Gastgeber beschuldigen sich gegenseitig, die Sache geplant zu haben und die Gäste schleppen natürlich meistens noch ein Geheimnis mit sich rum. Genug Stoff, um im Minutentakt für Wendungen und Überraschungen zu sorgen, wenn geplante Mordkomplotte und das wirklich Übernatürliche ineinander übergehen.
Zentraler Handlungsort ist der weitverwinkelte, düstere, verfallene Keller (klar, muß ja...), in dem das Licht flackert und das Böse sich schon mal in Gestalt der Teilnehmer manifestiert, wenn es nicht gerade als hellraiserverwandte Bizarrokreaturen angreift. Ein schönes, schnuckeliges Labyrinth, in dem man die Handelnden immer mal wieder voneinander trennen kann.
Zuviel verraten sollte man nicht, denn die Reise durchs Gruselkabinett soll Spaß machen.
Aber es gibt genug Twists, zerteilte oder aufgeschnittene Körper, Blut und Verfolgungsjagden (mal von bizarren Bildern abgesehen), um darüber hinweg zu täuschen, daß es für das Böse an sich keine rechte Erklärung gibt.
Das ist dann in der Visualisierung des Showdowns auch die größte Schwäche, da „die Dunkelheit in den Mauern“ eben doch wie ein Computereffekt aussieht und jedem Erklärungsversuch widersteht. Das mindert den Unterhaltungswert aber nicht mehr so stark, daß man von Einbruch sprechen müßte. Nerviger da schon der hibbelige Chris Kattan, der den momentanen Besitzer des Hauses spielt und nicht in das Ensemble paßt.
Ansonsten aber genau der richtige Film für eine spaßige und finstere Halloweennacht, ohne ein Übermaß an schlechten Effekten oder einer bemüht-durchschaubaren Storyline: ein sympathischer Grusler aus dem Lehrbuch für Horrorfans. (8,5/10)