Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung von CONCORDE HOME ENTERTAINMENT!
Nach der TV-Produktion "Schrei, denn ich werde dich töten!" wurde mit "Flashback - Mörderische Ferien" die kurze Ära deutscher Slasher-Movies eingeläutet, die jüngst mit der Low-Budget-Produktion "Slasher" wiederbelebt wurde.
Die Idee zu diesem Teenie-Horrorfilm um einen Sichel schwingenden Mörder in Frauenkleidern stammt von keinem Geringeren als Jimmy Sangster, der in den 50er, 60er und 70er Jahren für die englischen Hammer-Filmstudios erfolgreich als Drehbuchautor und Regisseur tätig war.
Natalie Scharf (verantwortlich unter anderem für die Drehbücher zur TV-Serie "Arme Millionäre") verarbeitete die Idee zu einem blutigen Schocker mit vielen ironischen Brechungen und einer überraschenden Auflösung, die sich als Intrige dreier Teenager entpuppt, aber tödliche Konsequenzen nach sich zieht. Hier erkennt man, dass Jimmy Sangster seine Finger im Spiel hatte, denn die Idee hat er aus seinem Film "Ein Toter spielt Klavier" entnommen, die hier allerdings noch um eine weitere Schlußpointe erweitert wird.
Die jungen Darsteller wurden ausschließlich aus Daily-Soaps rekrutiert, machen ihre Sache aber im Vergleich zu anderen Filmen dieser Art erstaunlich gut. Vor allem Valerie Niehaus spielt ihren Part überzeugend, Alexandra Neldel merkt man allerdings an, dass sie damals noch weit von ihren heutigen schauspielerischen Qualitäten entfernt war. Doch auch das unterstreicht den Charme des Films zusätzlich, da von Anfang an klar ist, dass "Flashback" nicht als reiner und vollkommen ernster Slasher verstanden werden will.
Für vergleichbare deutsche Produktionen wie der vier Jahre später entstandene "Swimming Pool - Der Tod feiert mit" sind die Dialoge erträglich und der Humor kommt auch nicht zu kurz. Nicht jeder Gag sitzt, aber von unfreiwilliger Komik wie bei "Swimming Pool" ist "Flashback" weit entfernt. Als Running Gag erweist sich eines der Mordopfer, welches in unterschiedlichen Verwesungsstadien in seinem Auto gezeigt wird, während die Polizei immer wieder daran vorbeifährt und den Fahrer für einen Spanner mit "ordentlich Sitzfleisch" hält. Auch der kurze Auftritt des Comedian Martin Schneider als Taxifahrer weiss zu gefallen.
Bewusst werden falsche Fährten gelegt, um den Zuschauer auf eine andere Spur zu führen und mit einer Auflösung zu überraschen, mit der man nicht gerechnet hätte. Die Morde sind relativ blutig ausgefallen und auch drei Haustiere fallen den mörderischen Attacken des Killers zum Opfer.
Zwar bedient sich auch "Flashback" an den großen US-Vorbildern wie "Scream", wobei sogar Motive des "Scream"-Soundtracks dreist geklaut und in die Szenen eingebaut wurden, aber so etwas kann man dem Film gerne verzeihen, denn er hat genug eigenen Charme, mit dem er punkten kann.
Störend ist nur, dass anscheinend die Telefonauskunft 11880 den Film als Dauerwerbesendung benutzt hat, denn sowohl auf einem Bus als auch auf einem Shirt von Alexandra Neldel prangt die Nummer und auch der Slogan "Hier werden Sie geholfen" wird in einer Szene genannt.
Ansonsten überwiegt der Unterhaltungswert, der Film nimmt sich selbst nicht ernst und will seinem Publikum nichts weiter als Spaß bereiten. Dieses Klassenziel erreicht "Flashback" mit Bravour und darf somit zu einem der besten Vertreter deutscher Horrorfilme gezählt werden.
8 von 10 Sicheln!