Vorsicht, hier werden sowohl der Täter als auch wesentliche Handlungsstränge verraten!
Als kleines Mädchen musste die junge Jeanette hilflos mit ansehen, wie ihre Eltern auf bestialische Weise von einem Mann im Blümchenkleid abgeschlachtet wurden, weshalb sie die folgenden Jahre in der Irrenanstalt verbrachte. Rund zehn Jahre später nach dieser Tat bekommt sie von ihrem Psychiater, der sie für geistig stabil genug hält, einen Job als Französischlehrerin in den Bergen zugeteilt. Dort wird sie von ihren drei Schülern, den Teenagern Leon, Melissa und Lissie (welch‘ einfallsreiche Namen!), freundlich empfangen, doch die Idylle trügt: Schon bald fließt eine Menge Kunstblut...
Auch wenn der erste Teil des Titels es nicht gerade vermuten läßt - wir haben es hier tatsächlich mit einem Film aus Deutschland zu tun, und wie man aus der Inhaltsangabe vielleicht schon raus lesen kann, ist dies ein weiterer Versuch, auf der 1996 von Wes Craven ausgelösten „Scream“-Welle mit zu schwimmen. Und das haben Regisseur Michael Karen und seine Crew ganz ordentlich hinbekommen. Sicherlich hat man sich bei „Flashback“ hemmungslos amerikanischer Vorbilder bedient, die Handlung läuft lange Zeit absolut vorhersehbar ab, die potentiellen Opfer stellen sich einmal mehr ausgesprochen bescheuert an und haben es folglich nicht besser verdient, dem umgehenden Serienkiller in die Hände zu fallen - und innerhalb des Plots verbergen sich die eben genretypischen Logikfehler. Was den Film allerdings von den meisten „Scream“-Klonen (ich denke mit Grausen an „Dark Summer“ zurück) erfreulich abhebt, sind zwei ganz wesentliche Punkte: Die durchaus überraschende Täterauflösung, die sogar rückblickend erstaunlich logisch ist (leider aber nur auf den ersten Blick, aber dazu später mehr), und die clever ersonnene Schlusspointe, in der Detlev Buck seinen Cameo-Auftritt hat.
Das Drehbuch läßt sich nach der blutigen Einleitung viel Zeit, bis die Geschichte in Schwung kommt und sich von Heimat- in Horrorfilm verwandelt. In der Zeit nutzt der Regisseur die Möglichkeit, dem Zuschauer die Charaktere näher zu bringen - das ist im Teenie-Slasher ziemlich ungewöhnlich und muss nicht unbedingt der falsche Weg sein, aber dann müssten die Figuren wenigstens einigermaßen interessant sein, das jedoch sind sie auf gar keinen Fall. Die jugendlichen Nebendarsteller um Leon sind die stereotypen Dummerchen, die schnell als Kanonenfutter für den Killer ausgemacht sind, und Jeanette - tja, die ist eben (lange) unsere Identifikationsfigur, nicht mehr, nicht weniger.
Mit der ersten Toten läuft die Story dann aber in einem ordentlichen Tempo ab, auch Freunde blutiger Effekte kommen auf ihre Kosten, denn einzelne Szenen sind von beachtlicher Brutalität. (Natürlich kein Vergleich zu höher budgetierten Produktionen, gerade die erste abgetrennte Hand ist eindeutig als Kaufhausartikel auszumachen.) Der Showdown schließlich ist ziemlich lang geraten, wird so sehr ausgedehnt, dass das Ganze sogar recht spannend ist, obwohl man das alte Killer-jagt-Teenies-Schema schon tausendmal gedreht, vorgesetzt bekommen und gesehen hat. Das ist konventionell, das ist auch nichts Besonderes, schon gar nichts Einprägsames.
Einprägsam dagegen ist - jetzt wird‘s „spoilerig“ - der Knalleffekt. Nicht der Geisteskranke, der Jeanettes Eltern auf dem Gewissen hat, ist der Mörder - damit habe ich gerechnet, weil er in den Bergen nie vollständig im Bild zu sehen war -, nein, Jeanette selber hat all diese Bluttaten verübt.
Ich muss sagen, diese Idee ist wirklich einmal etwas anderes im Horror-Einerlei. Das vermeintliche Opfer ist der Täter. Und was mich beim zweiten Ansehen besonders erstaunt hat, ist, dass das alles sogar sehr schlüssig erscheint.
Aber leider ist der Schlussclou dann doch nicht so perfekt und lückenlos ausgearbeitet, wie man anfangs vermuten konnte - ein dritter Blick hilft manchmal.
Zwei Dinge stören:
1. Jeanette tickt erst eine Viertelstunde vor Ende aus, weil Leon und seine Kumpaninnen ihre makabren Scherze zu weit getrieben haben. Trotzdem will der Film uns weismachen, sie habe auch vorher ihre Mitmenschen niedergemetzelt. Daraus folgt die Frage, wie das möglich ist, wenn sie doch erst am Schluss wahnsinnig geworden ist und sie zuvor nicht im Ansatz psychopathische Züge zeigte. Schizophrenie? Davon ist innerhalb der Handlung nie die Rede. Also: Psychologisch kommt Jeanette schwerlich als Täterin in Frage.
2. Jeanette kommt gleich bei ihrer Ankunft ihr Blümchenkleid abhanden. Die Morde begeht sie aber dennoch in dem ominösen Kleid (besonders deutlich bei der „Schlachtung“ Frau Lusts zu erkennen). Wie ist das aber möglich, wenn sie es doch nicht mehr hat, sondern einer von Leons Kumpeln? Die Möglichkeit, dass Jeanette ein zweites identisches Kleid besitzt, halte ich für äußerst gering.
Nein, hier ist einiges nicht zu Ende gedacht worden. Schade eigentlich, denn ansonsten ist der Einfall wirklich kreativ.
Die abschließende Pointe in letzter Minute hingegen ist sehr originell, weit weniger vorhersehbar als in anderen Horrorfilm-Versuchen - und vor allem nicht mit der Brechstange heraufbeschworen.
Nicht zu streiten braucht man über die schauspielerischen Fähigkeiten der Jungdarsteller, die fast ausnahmslos in Vorabendsoaps ihre Karrieren begonnen haben, was von vornherein voraussetzt, dass der Zuschauer seine Ansprüche nach unten schraubt. Valerie Niehaus ist mit Sicherheit eine ganz Süße, aber trotz aller Anstrengung sind ihre Künste sehr begrenzt. Gerade wenn sie den Mund aufmacht, hat sie mitunter arge Probleme mit der Betonung. Xaver Hutter als männlicher Hauptdarsteller aber schießt den Vogel ab, der hat wirklich überhaupt nichts und drückt mit seiner (anscheinend) ach so liebevoll-besorgten Art doch extrem aufs Nervenkostüm.
Alexandra Neldel ist sicherlich die talentierteste (und attraktivste) der Jung“stars“, gerade wenn man ihren weiteren Werdegang betrachtet (jüngst war sie in „Autobahnraser“ im Kino zu sehen); hier allerdings ragt sie auch nicht heraus.
Kleine Glanzlichter setzen da wenigstens die Nebenfiguren: Elke Sommer als Frau Lust ist eine echte Schau, und Martin Schneider, der Mann mit der größten Fresse Deutschlands, in einem klitzekleinen Auftritt als Taxifahrer amüsiert prächtig.
Fazit: „Flashback“ ist ein ziemlich gelungener deutscher Vertreter der Slasher-Welle. Zwar werden hier sämtliche Klischees des Genres fast ausnahmslos verbraten, aber dafür kann wenigstens die Täterauflösung überraschen (wenn sie auch aus oben genannten Gründen bei mehrmaligem Nachdenken bzw. Anschauen des Films nicht wirklich zu akzeptieren ist). Hin und wieder kommt sogar solide Spannung auf, und die Schlusspointe ist wirklich gut. Insgesamt unterhaltsame und ganz schön blutige Kost!
GESAMT: 6/10 (Unterhaltungswert: 7 - Handlung: 6 - Schauspielerische Leistungen: 4 - Kameraführung/Atmosphäre: 6 - Musik: 6)