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Der britische Regisseur Gordon Hessler („Im Todesgriff der roten Maske“) drehte 1971 für die American International Pictures einen weiteren Horrorfilm nach Motiven Edgar Allan Poes. Diese beschränken sich allerdings darauf, dass eine Grand-Guignol-Theatergruppe im Paris des 19. Jahrhunderts die titelgebende Geschichte Poes aufführt. Ein unheimlicher Maskenmann mordet sich durch dieses Umfeld und versetzt es in Angst und Schrecken.

Die eigentliche Handlung dieses in Spanien gedrehten Films wirkt wie ein „Phantom der Oper“-Abklatsch und hat mit Poe nicht viel zu tun. Selbst Herbert Lom, der bereits in der „Phantom“-Verfilmung der britischen „Hammer“-Produktion den Maskierten mimte, ist mit von der Partie und darf erneut sein Gesicht hinter einer Maske verbergen, um seinen Racheplänen nachzugehen. Dass er der Mörder ist, steht von vornherein fest, auf ein möglicherweise spannend gewordenes „Whodunit?“ wurde demnach verzichtet. Stattdessen wird dem Zuschauer eine konfus wirkende und zudem seltsam geschnittene Geschichte um das Motiv des Mörders aufgetischt, die mit unglücklicher Liebe, Säureattacken und dem alten Sprichwort „Totgesagte leben länger“ zu tun hat.

Einige Szenen wiederholen sich immer und immer wieder. Keine Ahnung, ob sie den Film auf Laufzeit bringen sollten, jedenfalls tragen sie mit dazu bei, eine recht zähe Angelegenheit aus diesem Genrestoff zu machen. Die Schauspieler, unter ihnen Jason Robards („Spiel mir das Lied vom Tod“) und Christine Kaufmann können kaum Akzente setzen, selbst Herbert Lom erscheint lustlos. Emotionen, die beispielsweise in einer Roger-Corman-Verfilmung theatralisch auf die Spitze getrieben worden wären, wirken hier flach und ihre Wirkung verpufft.

Die Make-up-Effekte, in erster Linie die Verätzungen betreffend, sind unspektakulär, für die damalige Zeit aber vermutlich solide umgesetzt worden. Generell setzt „Mord in der Rue Morgue“ weniger auf optische Schauwerte oder Schockeffekte, sondern versucht sich am Atmosphärischen – woran er scheitert. In den Traumszenen versucht man sich, ähnlich wie Cormans Poe-Verfilmungen, ein wenig am Künstlerisch-Surrealen, doch insgesamt ist Hesslers Film leider kein Vergleich zu jenen starken Vorbildern oder stilistisch ähnlich gelagerten europäischen Genreproduktionen.

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