„Ein Film für mich“, dachte ich sofort. Ich wollte mir Angel-A eigentlich letztes Jahr schon im Kino ansehen, aber bis ich herausgefunden hatte, wo der neueste Luc Besson in Frankfurt überhaupt lief (es war nur ein einziges Minikino in irgendeiner vergammelten Hinterhofstrasse!) wurde ich leider krank und 3 Wochen ans Bett gefesselt. Zack, naja, DVD Release abgewartet. Flugs vor kurzem zu meinen Spezialfreunden bei Media Markt und den unmotivierten Amaray ausm Regal gegriffen. Eins vorneweg: der Film ist der Hammer.
Luc Besson, der irgendwie auch immer fetter wird, hat tatsächlich Hollywood (zumindest zeitweise?) den Rücken gekehrt und seine persönliche Liebeserklärung an Paris ohne großes Tamtam auf die Leinwand gebracht. Und wie es sich für einen fernab vom Mainstream einzuordnenden Geheimtipp aus Frankreich gehört, strotzt der passender weise in schwarzweiß gehaltene Fantasy–Romantik–Komödien-Irgendwas nur so vor Charme, Herzblut und Atmosphäre. Jamél Debbouze spielt den Loser mit Herz so was von herzallerliebst, dass man ihn die ganze Zeit nur knuddeln möchte und über Rie Rasmussens Erscheinung braucht man ja nun definitiv keine Worte mehr verlieren! Natürlich wie es sich für das Herkunftsland gehört mangelt es nicht an Dialogen mit viel Sprachwitz (auf dessen Art man allerdings schon stehen sollte).
Kamera und Schnitt befinden sich in wunderbarem Einklang miteinander und liefern dermaßen schöne Bilder von Paris, dass man am liebsten gleich die Koffer packen möchte. Während manche Szenen definitiv zum Kaputtlachen taugen könnten andere hingegen (gerade mehr in der zweiten Hälfte und gegen Ende hin) schon zum Taschentuch hervorzücken anmuten, doch alles ohne irgendwelche Formen von Tränendrüsendrückerei sondern weil die Darsteller absolut mit Leib und Seele dabei sind. Für Bessons Geschmack typisch liegt bei „Angel-A“ sehr großes Ohrenmerk auf der Mucke, die natürlich Geschmackssache bleibt aber für mich mal wieder wie maßgeschneidert passt und niemandem auch no so geschmacklich fragwürdigen Vogel auf den Keks gehen wird. Egal ob lustig oder traurig, Szene für Szene wird der Zuschauer mehr in den Bann des Films gezogen, und das ist bei weitem nicht der Alleinverdienst des blonden Engels im Flittchenlook, gegen den definitiv keine Hollywooddiva anstinken kann!
Löblich wirklich, was Luc Besson hier abliefert. Klar war mir schon im Vornherein klar, dass der Film eigentlich nur gut sein kann, aber dass er sämtliche meiner Erwartungen mit Bravour übertroffen hat – darauf konnte ich nicht mehr als hoffen. Abseits vom Endergebnis kann sich der Regisseur vor allem deswegen auf die Schulter klopfen, weil hier definitiv weder Oscars, hohe Einspielergebnisse oder übermäßiger Ruhm im Vordergrund stehen. Dementsprechend ist klar, dass „Angel-A“ auf keinen Fall für den Standard-Kinogänger taugt sondern nur für Freunde des alternativen Geschmacks, die allerdings voll auf ihre Kosten kommen sollten. Für mich das Brett 2006 und deutlich einer der besten Filme seit 2000. Merci, Monsieur Besson - die DVD wird sicher noch öfter in meinem Player landen...vor allem bei Frauenbesuch. ;-)