Review

Nach einigen zwar teilweise negativen, doch meines Erachtens nach überaus interessant klingenden Rezensionen und Überblicksinformationen schaltete ich nach einiger Pause die Glotze wieder ein, um mich einem eher unbekannten Softhorrorfilm zu widmen: Paperhouse

Die Idee, Realität und Phantasie Plätze tauschen zu lassen, ist zwar keine neue, gilt jedoch nach wie vor als interessanter Stoff für noch interessantere Filme, wie man anhand Perlen á la Total Recall, Fight Club oder Big Fish erkennen kann. Und dieses Thema stammt nicht von ungefähr, da mittlerweile allzu bekannt ist, welchen Sinn Träume tatsächlich haben: den Alltag verarbeiten. Oder in diesem Falle: dem Alltag zu entfliehen, wenn auch wider Willen.

Die elfährige Anna (gespielt von einer stellenweise wirklich nervenden Charlotte Burke) geht dem Mysterium Traum auf den Grund, als die Zeichnung, an der sie tagsüber arbeitet, zu Wirklichkeit wird. Somit baut sie sich nach und nach eine kleine Welt auf, in der ein gleichaltriger querschnittsgelähmter Junge lebt. Diesem versucht sie, mithilfe ihrer ungeklärten Fähigkeit, das Leben so schön wie möglich zu gestalten, doch wie es bei Manipulation von Fakten üblich ist (man erinnere sich an Butterfly Effect), nimmt alles andere Wege als geplant.

Es liest sich schön und es ist auch schön umgesetzt - leider nur nicht durchgehend. Zuerst stört mich, der gewöhnt an optische Leckerbissen wie Brothers Grimm oder 300, das wirklich triste und langweilige Bild des Filmes, das nur in seinen Sternstunden (= der Traumwelt) verdrängt wird. Dann ist da noch Hauptdarstellerin Charlotte Burke, die mir mehr als nur einmal gehörig auf die Nerven geht. Diese arrogante, ignorante Art gegenüber ihren Mitmenschen stört hochgradig und vermiest so einiges an Sympathien, die sie vorher mit den Händen aufgebaut hatte und sprichwörtlich - nunja, man weiß.
Zuletzt ist es das Ende, das zu sehr in die Länge (wenn man das bei einem knapp anderthalbstündigen Film sagen kann) gezogen wird und sehr in den Kitsch abdriftet. Nach der Trennung der beiden, um den Helikopter herbeizurufen, war für mich einfach Schluss - wenngleich dies kein Happy End gewesen wäre - das, was mir anschließend noch vorgesetzt wurde, wirkte überflüssig und zu sehr nach schöne heile Welt, die der Film sonst selten versprüht.

Ja, Paperhouse ist kein Film für Kind - was die FSK-Angabe von eigentlich 16 und nicht 12 wie die (wahrscheinlich doch gekürzte) Fernsehausgabe beweist. Zwar fließt kein Blut, doch man ist nah daran, den Lebenssaft zu schmecken, wenn Menschen verbrennen, verprügelt oder geschlagen werden. Auch sonst herrscht ein rauer Ton, der größtenteils den tristen, kargen Sets und der oft dezenten, manchmal fast pompösen Musik zu verdanken ist.

Alles in allem ist Paperhouse ein Film, den man sich sicherlich mehrere Male zu Gemüte führen kann, was ich jedoch nicht tun werde, da mir das Alter sowie einige drehbuchtechnische Mängel zu sehr ins Gewicht fallen.

6/10

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