„Paperhouse“ vom britischen Regisseur Bernard Rose („Candymans Fluch“) aus dem Jahre 1988 ist zunächst einmal eine hochinteressante Mixtur aus Mysterythriller und Fantasy-Streifen, dessen ihm zugrunde liegende Geschichte neugierig macht. Die elfjährige Anne, der anscheinend einzige Filmauftritt von Charlotte Burke, die ihre Sache dafür sehr gut macht, wird mit surrealen Traumwelten konfrontiert, die sie selbst erdenkt bzw. erzeichnet. Ihr Unterbewusstsein, in dem sie sie Belastendes verarbeitet, nimmt die Form düsterer Traumwelten an, die hervorragend inszeniert wurden und immer mal wieder den Horrorbereich kratzen. Das ist in dieser Form ungewöhnlich und die große Stärke des Films. Die Atmosphäre pendelt dabei zwischen einem gewissen Wohlfühlfaktor und alptraumhaftem Surrealismus und fesselt den Zuschauer an den Bildschirm. Ihr gegenüber steht die trist anmutende Realität, in der die Spuren für Annes Traumwelt gelegt werden. Hierbei fällt die subtile Charakterisierung Annes auf, die facettenreich mitsamt teilweise vom Zuschauer als negativ aufgefassten Eigenschaften ausfiel und damit realistischer wirkt als im Falle vieler anderer Kinderrollen in anderen Filmen. Allerdings steuern die mitunter von einem recht dominanten Soundtrack unterlegten, immer gruseliger und rauer werdenden Visionen Annes nicht, wie sicherlich vom Publikum zunächst erwartet, auf einen gewieften Plottwist oder eine mehr oder weniger schlüssige Erklärung zu, sondern negieren inkonsequenterweise nach dem vorläufigen erschreckenden Höhepunkt in einem kitschigen Ende die emotionale Schärfe des Films. Das will nicht so recht passen und scheint mir eine Reminiszenz an das evtl. ebenfalls angepeilte, sehr junge Publikum zu sein, dem man ein „Non-Happy-End“ möglicherweise nicht zumuten wollte. Das ist sehr schade und führt zu meiner persönlichen Abwertung des ansonsten über weite Strecken gelungenen, ungewöhnlichen Ausflugs in die plastischen Traumwelten einer mit den unerbittlichen Härten und Ängsten des Lebens konfrontierten Kinderseele.