Quo vadis, Disney?
Atlantis richtet sich mehr als seine Vorgänger auch an das ältere Publikum, was man zB daran merkt, dass es weder knuffige Tiercharaktere noch die (zumindest bei mir) gefürchteten Gesangseinlagen gibt.
Neue Firmenpolitik? Anbiederung aan den Zeitgeist? Wir werden sehen...
Inhalt:
1914: Milo Thatch, Angestellter des Museums in Washington D.C. meint herausgefunden zu haben,
dass sich Atlantis in der Nähe Islands befinden muss. In einem Freund seines verstorbenen Vaters findet er einen Financier für die Expedition dorthin, begleitet von einer Crew, von der sich bald herausstellt, dass sie ganz eigene Ziele verfolgt...
Atmosphäre:
Wie schon in der Einleitung geschrieben, dürfte der Film auch Leute begeistern, die nicht zur allgemeinen Disney-Zielgruppe gehören. Für einen Film mit einer FSK 6 Freigabe ist der Film meiner Ansicht schon recht düster ausgefallen. Vor allem die Reise nach Atlantis und der Schlusskampf, bei denen sich doch einiges tut. Die Bösewichter werden nicht einfach vermöbelt oder gefangen genommen, nein, disemal müssen sie alle dran glauben. Ein Bodycount im 3-stelligen Bereich und eine Horde fieser Soldaten, die in Erster Weltkrieg Uniformen rumlaufen (inklusive Gasmasken) lassen mich zu dem Glauben kommen, dass dieses Werk als "Normalfilm" nicht unter 12 durchgekommen wäre.
Allerdings gibt es auch ab und an was zu lachen. Alle Charaktere haben ihre Eigenheiten, die man hauptsächlich in Situationskomik umgewandelt hat. Der Humor ist allgemein trocken gehalten, auch sarkastisch. Über die Sprüche der Funkoffizierin kann ich mich jedenfalls totlachen!
Der Zeichenstil ist im ersten Moment ungewohnt, kantig und nicht so bunt, wie man es vielleicht von diesen Filmen gewohnt ist. Passt aber sehr gut zur Atmosphäre.
Musik:
Standard. Und damit meine ich nicht langweilig. Der Soundtrack von James Newton Howard hält sich meist dezent im Hintergrund; in Actionszenen wird’s recht flott, gern auch mal mit Chören und lang gezogenen Akkorden, die einigen Szenen doch etwas erhabenes verleihen.
Gesungen wird nicht! Gut! Nur im Abspann dürfen mal die No Angels ran, die mit Donovan "Atlantis" vor sich hinsingen. Alles recht solide!
Schauspieler:
Die Synchronsprecher machen ihre Arbeit sehr ordentlich. Es gibt zwar viele Dialekte, doch bleiben sie alle gut verständlich. Im O-Ton gibt es übrigens Michael J. Fox, James Garner und Leonard Nimoy zu hören.
Die Charaktere selber bedienen mal wieder die gängigen Klischees. Da hätten wir den liebenswerten Chaoten, die skrupellosen Bösewichter, das hoffnungslose Völkchen, das es zu retten gilt... Erfreulicherweise größtenteils unkitschig umgesetzt.
Fazit:
Atlantis ist für mich der beste Disneyfilm (gefolgt von Der Schatzplanet). Relativ düster für solch eine Art von Film, lief er an der Kinokasse leider nicht so gut.
Allerdings muss ich sagen, dass dem Film zusätzliche 20 Minuten gut getan hätten. Es geht ständig flott mit der Story voran, einiges hätte man noch ausbauen können.
Trotzdem: Ich find ihn nach wie vor großartig!