Gegenwartsfilm der Shaw Brothers (HK) Ltd., veröffentlicht in einem für das Studio durchaus noch angenehmen, da abwechslungsreichen, gut gefüllten und im Nachhinein auch mit so manchen schweren Klassikern gefüllten Jahr. Rolls, Rolls, I Love You steht dort und auch sonst aus der Distributionsriege etwas außen vor, hat weder durch Regisseur Kong Lung noch seine Darsteller jüngerer Generation noch gerade das Thema samt Bezug weder damals noch rückwirkend heute seinen Einfluss gehabt. Weder in der Publikation noch in der Rezeption, ein kleinerer Film mit überschaubarer David-gegen-Goliath Handlung, die sich im Grunde auch als nebensächlich im Belang und als Mischung aus erst Komödie mit dann zunehmenden Drama- und Gesellschaftseinflüssen generiert:
Während der Ausfahrt mit seinem Chauffeur Kwong [ Ho Pak-kwong ] in seinem weißen Rolls Royce zum Arbeitsplatz trifft der schwerreiche Geschäftsmagnat Cui Tung-sing [ Chen Kuan-tai ] eines Morgens auf den ebenfalls auf den Straßen befindlichen, allerdings mit einem Fahrrad unterwegs befindlichen Ah Dan [ Robert Mak ]. Der ihm prompt ein Stechen abnötigt, was beide unbedingt für sich gewinnen wollen. Das Rennen geht im Grunde an den an einem fish ball soup Stand tätig seienden jungen Mann, doch der Milliardär scheint den längeren Atem zu haben. Denn eine sich noch zusätzlich anschließende Wette mit dem Einsatz von 50.000 HKD um einen möglichen Diebstahl der Luxuslimousine und sein Vereiteln seitens des Eigentümers setzt Ah Dan und seine dazu eingespannten Freunde Ho Guan [ Chin Siu-ho ], "Cuttlefish" [ Chiang Kam ] und "Superman" [ Alan Chan ] zunehmend unter Druck. Die Frist läuft ab, das mühsam gestellte Einsatzgeld ist anders als bei Cui nicht aus der Portokasse, sondern den gesamten Lebensersparnissen gestellt und bei den mal trickreichen, mal überrumpelnden Entwendungsversuchen bewegt man sich auch auf zunehmend kriminellen Terrain. Und Cui gehen die Reserven nicht aus.
Entscheidend und auch nachhaltig gewinnend ist dabei besonders der Prolog des Ganzen; eine mehrminütige Tour de Force aus heiterem Himmel, indem sich die Luxuslimousine des Millionärs und das sichtlich klapprige Fahrrad des Straßenhändlers erst links und rechts, bald querfeldein und entgegen jeder Verkehrsregeln durch die Straßen der Stadt jagen. Erst das Spielerische, dann die Angeberei, schließlich die erbitterte Hetze, der Kampf um jeden Preis, der auch die eigene Gesundheit und die Anderer nicht verschont. Gespickt mit furiosen Jagd-, Stunt- und auch Crashszenen en masse, allesamt von Action Director Tony Ching Siu-tung in seiner dort auch einzigen Funktion choreographiert, wird ein Duell Mensch gegen Maschine und eigene Kraft gegen die des Geldes in radikalen Tempo und stilisierten Zeitlupen formuliert.
Der Einstieg für Mehr; ist nahezu der gesamte Rest als light-hearted caper auch bloß die Variation mit Erweiterung dessen, die erneute Ausgestaltung des Zweikampfes mit nunmehr Vertrag und hinzugelangten Variablen. Eine Geschichte, die mit allen seinen Theorien und geschriebenen Regeln nicht wirklich vor der 45min und selbst dann auch nur als Abfolge einiger Sketche mitsamt dramaturgischer Untermalung beginnt. So richtig das Gefühl der Freiheit, dass die eingangs gestarteten Teilnehmer Cui und Ah Dan unabhängig voneinander, aber bedingt durcheinander noch gespürt haben, ist dann auch längst nicht mehr anwesend. Anfangs war alles einfacher, war es ein Spiel, eine Ablenkung im Tagesgeschehen, die keinerlei Konsequenzen und auch keine weiteren drohenden Gefahren nach sich zog. Früher ein lockeres Männerbündnis, mit viel Alkohol, Fröhlichkeit und Gesang, mit der Feierlaune nach dem Arbeitsalltag, dessen Strapazen nach durchzechter Nacht und Sonnenaufgang am Strand wieder vergessen schienen. Heute die Belastung durch fehlendes Geld, das im Raum stehende Zerwürfnis aufgrund gemachter Schulden und die ebenso marternden Vorwürfe; von möglicher Haft durch die Polizei noch zu schweigen.
Eine schwierige Gradwanderung aus mal leisen, mal lauten und sich in grellen Slapstick mit Verkleidung, Grimasserei und anderweitiger Verzerrung ergehenden Humor, sowie dem gleichfalls ruhigen sozialen, gesellschaftlichen, auch wirtschaftlichen Kommentar, der durch die Figuren selber, wenn da auch indirekt gegeben wird. Weitere markante Vorteile sind solides bis gelungenes Produktionsverhältnis, eine Kleinzahl eher unbekannter, da neuer und ebenso in zahlreichen Nebenrollen agierender älterer Schauspieler im Wechsel von Konstanz und Brauch hin zur Moderne sowie diverse mediale Verweise auf Chen Kuan-tai selber, TVB, den Modern Day Action Film mit (hier scheinbar) blutigen Raubüberfall und heftigen Schusswaffengebrauch (im die Ereignisse vorwegnehmenden Stil von Men from the Gutter, 1983, oder This Man Is Dangerous,1985).
Sowieso erscheint man tiefer in die Bewandtnis zu schauen und seine Charaktere ernsthafter zu nehmen, als es der oft vorherrschende Plauderton, die Saloppheit in der Inszenierung und der die komödiantischen Markierungen noch mit aufgeheizter Jahrmarktsklingelei unterspielenden Scores in der Öffentlichkeit vorgeben mag. Die Inszenierung des schon als actor unauffälligen und auch als director mit insgesamt fünf Arbeiten nicht zur Reputation gekommenen Kong Lung hat den schmalen Streifen und die jederzeit mögliche Änderung aus unsicherer Zukunft, der langsam zu Ende gehenden Unbekümmertheit der Jugend und der gerade deswegen noch im Extrem ausgespielten Frivolität im Draufgängertum mit sicherem Auge, gleichfalls fester Hand und allgemeiner Empfänglichkeit für Stimmungen im achtsamen Blick.