Review

Nach Emily Rose und Gail Bowers kommt nun Betsy Bell, der auf übersinnliche Weise böse mitgespielt wird.
Nur, diesmal muss kein Exorzist erscheinen, weil der Teufel Besitz ergreift, sondern ein unsichtbarer Poltergeist treibt sein Unwesen. Das bietet zwar beileibe keine innovative Story, schon gar nicht, wenn sie einmal mehr auf Tatsachen beruhen soll, aber die Versetzung in eine andere Zeit bringt eine dichte Atmosphäre mit sich, die so manches Geistergeschehen im 21. Jahrhundert vermissen lässt.

Die Geschichte beginnt im November 1848 in Tennessee: Patriarch John Bell (Donald Sutherland) verliert einen Gerichtsprozess gegen eine Bäuerin, die im Ort als Hexe verschrien ist. Direkt nach dem Urteil bedroht sie ihn und seine Tochter Betsy Bell (Rachel Hurd-Wood) und kurz darauf werden beide von unsichtbaren Geistern terrorisiert.

Nachdem man diese fürchterliche Hexe, die zwar fluchen und schimpfen, aber gewiss kein gutes Essen auf den Tisch bringen kann, im Gerichtssaal erlebt hat, steht die Ursache für den Spuk scheinbar fest.
Zunächst sind es nur undefinierbare Geräusche im Schlafzimmer der Tochter, später bekommt die Familie mit, wie eine unsichtbare Macht Betsy in der Luft hält und ohrfeigt.
Fenster und Türen schließen sich wie durch Geisterhand, der Kamin lodert ordentlich auf, Kerzen gehen aus, Kissen werden zerfetzt, ein Geisterkind erscheint auf der Schaukel neben Betsy, eine Bibel zerlegt sich nach einem misslungenem Ritual in Einzelseiten und immer wieder stören bösartige Wölfe das Geschehen in der Nähe des Hauses.

Betsys Lehrer glaubt bei alledem nicht an Übersinnliches und sucht zunächst so ignorant nach einer rationalen Erklärung, dass es fast schon nervt.
Erst, als ein Kreuz von der Wand fliegt und der Poltergeist auf Passagen aus der Bibel zu reagieren scheint, ist er von transzendenten Ursachen überzeugt.

Ist das alles ein grausamer Racheakt einer ausgebeuteten Bäuerin oder steckt die Wurzel des Spuks letztlich an ganz anderer Stelle?
Im Verlauf vermischen sich Sequenzen von Realität und Traum, einige Symbole deuten bereits auf Erklärungen hin und gespannt wartet man auf den Plot-Twist, denn Spuk ohne begründete Ursache ergäbe eine witzlose Geisterbahnfahrt.

Die Auflösung, eingebunden in eine Rahmenhandlung in der Gegenwart, kommt dann nicht unbedingt typisch für einen Poltergeistfilm und kann schon insofern punkten.
Sie ist schlüssig und lässt so gut wie keine Fragen offen, sofern man bereit ist, innerhalb parapsychologischer Denkweisen über den Tellerrand hinaus zu gehen.

Was man der Geschichte sicherlich vorwerfen kann, ist die ständige Wiederholung einiger Effekte, die man bereits aus Klassikern wie “Bis das Blut gefriert” kennt.
Wenn die arme Betsy zum x-ten Mal über den Holzboden geschleift und ihr einmal mehr das Oberbett weggezogen wird, ist die Spannung irgendwann raus, trotz hohem Erzähltempos.
Zwar mag es nicht leicht sein, einem Spukhausfilm Innovationen zu verleihen, da die Möglichkeiten in sich eher begrenzt sind, aber ein wenig mehr Vielfalt hätte dem Treiben sicher gut getan.

Auf der anderen Seite punktet jedoch die atmosphärische Inszenierung. Die Sets sind düster, vor allem die Außenkulisse kann mit Laubwald, dichtem Nebel und zarten Blaufiltern eine recht dichte Stimmung erzeugen. Aufgrund der zeitlichen Einordnung des Geschehens und der Farbgebung fühlt man sich häufig an „Sleepy Hollow“ erinnert.
Zudem bringt die Kamera einige versierte Fahrten, einmal fast durch das komplette Haus, später auch über eine weite Naturkulisse.
Kleidung und Requisiten sorgen für ein authentisch wirkendes Zeitgefühl, zudem kann der streicherbetonte Score ein paar Akzente setzen, nur ist er manchmal ein wenig zu laut, was auch auf die üblichen „Whoosch“-Effekte zutrifft.

Den Darstellern wird dabei leider nicht so viel abverlangt. Donald Sutherland hat mit seiner leicht lethargisch angelegten Rolle einfach nicht viel zu tun, wirkt aber schön urig mit langen weißen Haaren und Zottelbart, Sissy Spacek muss als liebe Mutti nur besorgt dreinschauen und Rachel Hurd-Wood als Betsy Bell lediglich die Augen verdrehen und ihren Körper ein wenig verrenken, insgesamt holt sie aus ihrer Figur aber noch am meisten heraus.

Am Ende bietet der Stoff doch den klassischen Poltergeist/Spukhaus/Besessenheits-Film, - Musik, Schauereffekte, Sets, ja sogar zwei der Darsteller, - man kennt es, aber man mag es.
Auch wenn das Spuken zuweilen ein wenig einseitig ausfällt, so können eine stimmige Inszenierung und eine recht unvorhersehbare Wendung überzeugen.
Kurzweilig, manchmal spannend, manchmal schön anzusehen.
Knapp
7 von 10

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