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Was wurde uns in den letzten Jahren alles für hanebüchner Geisterspuk beschert. Da hätten wir die Zahnfee in „Der Fluch von Darkness Falls", den schwarzen Mann in „Boogey Man" und nicht zuletzt Satan persönlich im Prequel „Exorzist: Der Anfang". Alle diese Filme hatten eines gemeinsam: sie waren schwach. Ebenso verhält es sich mit „Der Fluch der Betsy Bell", der nicht vermag, über Klischees und Konventionen hinaus eigene Ideen zu entwickeln.
 
Die Story basiert - angeblich - auf einer wahren Begebenheit: 1817 findet ein Gerichtsprozess statt, in dessen Resultat John Bell (Donald Sutherland) zwar teilweise Recht bekommt, allerdings von seiner Gegnerin, die im Dorf als Hexe verschrien ist, mit einem Fluch belegt wird, der ihn und seine geliebte Tochter Betsy (Rachel Hurd-Wood) heimsuchen soll. Die Bells bekommen alsbald Besuch von einem rachsüchtigen Geist, der die Familie Bell zuerst in den Wahnsinn und dann Vater und Tochter in den Tod treiben soll...

Die Schwächen, die der Film zuhauf aufweist, beginnen schon bei der sinnentleerten Rahmung. Zu Anfang spielen sie Geschehnisse in der Gegenwart, bis sich Regisseur und Co-Autor Courtney Solomon („Dungeons & Dragons", 2000) dazu genötigt sieht, auf die Ursprünge des Spuks im frühen 19. Jahrhundert einzugehen. Die Exposition verliert dabei zusehends an Relevanz und wirkt letztendlich überflüssig und deplatziert. Auch das dargestellte Szenario von klappernden Fenstern, knarrenden Türen und unsichtbaren Kräften, die Betsy immer wieder heimsuchen, erinnert sehr stark an die Effekte von „Der Exorzist", womit auch jeglicher Originalitätsbonus abgeht. Dieses am Anfang durchaus beklemmende Szenario verliert dabei durch die zunehmende Übersättigung an lauten Effekten seinen Schrecken sowie seine Subtilität und führt dazu, dass der Zuschauer im letzten Viertel - in Verbindung mit verwirrenden Rückblenden und Traumsequenzen - ziemlich angenervt das Ende herbeisehnt. Für ein paar erschreckende und überraschende Gruseleffekte hat es gereicht, doch die sind eher spärlich gesäht. Das Drehbuch wartet mit selten dümmlichen Dialogen („Sind das Eichhörnchen?") auf und die hochkarätigen Schauspieler Sissy Spacek („Carrie"), Donald Sutherland („Wenn die Gondeln Trauer tragen") und Rachel Hurd-Wood („Das Parfum") wirken in dieser lustlosen Aneinanderreihung lauter Effekte sträflich unterfordert. Entweder man gähnt dabei oder man lacht darüber.

Fazit: Der gebeutelte Kinozuschauer dürfte nach dem Filmgenuss nur müde darüber lachen, dass ein Ende mit Schrecken besser ist als Schrecken ohne Ende. „Der Fluch der Betsy Bell" ist eine unlogische, selten dümmliche und konventionelle Klischee-Mystery-Mär um einen bösen Geist, die Genre-Fans langweilt und den durchschnittlichen Kinozuschauer aufgrund des offensichtlichen Unvermögens von Regisseur und Drehbuchautoren ziemlich ratlos zurücklässt. Eine sehr große Enttäuschung.  

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