Ich hab ja nie was gegen eine schöne traditionell erzählte Geistergeschichte, selbst wenn sie aus Amerika stammt. Hier hat man sich einen angeblich echten und dokumentierten Fall gegriffen (was aber erst nach dem Film mit Einblendung erklärt wird) und beschreibt die geisterhaften Attacken, der sich ein Mädchen ausgesetzt sieht im seligen Jahre 1818.
Donald Sutherland und Sissy Spacek bilden das klassische Elternpärchen, welches sich um ihre kleine Rachel Hurd Wood sorgt, die da turbulent durchs Bettchen turnt, während rundrum nichts zu sehen scheint. Zuerst hat man ja die böse Nachbarin (=Hexe) auf dem Kieker, aber am Ende ist es dann doch was gaaaaaanz anderes, nämlich ein gar übler Fall sexuellen Missbrauchs, der sich fürchterlich rächt.
Zeitgenössische Detailtreue, das ist es, um was es Courtney Solomon mit dieser Verfilmung ist und darin liegt auch seine große Stärke (auch wenn ich nicht glaube, das auf Schulhöfen um 1820 in den USA Fußball gespielt wurde…). Was das Mysterium des Spukangriffs angeht, ist das Werk allerdings längst nicht so stilsicher.
Da mischen sich klassische Geistermotive mit ein paar Bildern auf der Softcoreversion des Exorzisten; die Kamera nimmt so oft es geht die Position des Geisterwesens ein, wechselt aber sinnfrei dabei zwischen Farbe und S/W; hier und da erscheinen Geistermädchen und Wölfe und ansonsten faucht das Kaminfeuer, springen die Fenster auf und knackt es in den Wäldern.
Manchmal ist das alles tatsächlich recht unheimlich, aber der Film wankt relativ unfokussiert und ziellos von einer Attacke zur nächsten, ohne erzählerisch eine Weiterentwicklung zu bieten. Die Handlungsweise der Charaktere bleibt ein ständiges Rätsel, das Mädchen muß immer wieder allen schlafen, obwohl sein Leben in Gefahr ist; für den Wolf gibt es nie eine Erklärung und für den misslungenen Fluchtversuch ebenfalls nicht. Warum das Mädel attackiert wird, obwohl ein ganz anderer Schuld ist, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Schlußendlich will man irgendwann nur noch wissen, wie denn nun alles ausgeht, da helfen auch ein paar gute Schocks und die Atmosphäre nicht mehr viel weiter.
Spacek und Sutherland wirken müde und demotiviert und Hurd-Wood ist so hölzern wie ihr Name, James D’Arcy bleibt ebenfalls blass.
Sollte man jedoch Historien- und blutfreie Spukfilme mögen, hat man sicherlich einen gemütlichen Abend vor sich, als spannender Film läuft sich Solomons Film leider immer wieder tot. Da wirkt sogar der gekünstelte „Haunted - Haus der Geister“ gelungener.
Für ein paar Schrecksekunden gut, ansonsten taugt eine gute Gespenstergeschichte, wohlig vor dem prasselnden Kamin vorgelesen, mehr. (4/10)